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Mittwoch, 30. April 2008 10:58 Uhr
Kategorie: Schreibwettbewerb

Von: Redaktion

write&change: Tsunami

Der write&change Gewinner des Monats März steht fest: Andy Lettau überzeugte die Jury mit knackiger Sprache und gekonnter Verbindung von Bild und Text. Auch der Podcast der spannenden Geschichte um zwei Geheimagenten im Nordseeeinsatz steht ab sofort zum Download bereit.

Quelle: Gerhard Launer

Der Sprecher:

Anno Koehler:

Ausgebildeter Schauspieler. Rollen unter anderem im Tatort und in der Literaturverfilmung Die Wolke.

www.annokoehler.de

 

 


Tsunami als Podcast herunterladen

 

Tsunami

von Andy Lettau

Spacy legte den schnittigen Eurocopter in eine dermaßen scharfe Linkskurve über das Meer, das sein Freund Hunter fast das Gefühl hatte, als könnte er nach der Spitze des abgeknickten Bohrturms greifen.


„Hätte gar nicht gedacht, dass die Deutschen so nah vor der Küste nach Öl gebohrt haben“, schrie Hunter in das Sprechfunkgerät seines Pilotenhelms, während die Rotoren des Helikopters mit der maximalen Umdrehungszahl durch die Luft peitschten. „Laut GPS und Karte steht das Ding in der Schutzzone 2, mitten im Wattenmeer. Genau da, wo die Makrelen um die Wette poppen“.


„Soviel ich weiß, haben die Krauts irgendeine Umweltpartei in der Regierung sitzen, die Mittelplate am liebsten verboten hätte“, erwiderte Spacy und zeigte dann auf den mit einem großen H gekennzeichneten Landeplatz.


„Die Partei heißt
Die Grünen“, erinnerte sich Hunter laut denkend an ein Dossier der CIA, welches er auf dem Flug von Washington nach London in der Air Force One gelesen hatte. Spacy nahm einen Kaugummi und entblößte dabei zwei Reihen schneeweißer Zähne, die im gleißenden Gegenlicht der Sonne wie Diamanten funkelten. Hinter dem Visier sondierten seine azurblauen Augen das unter ihnen liegende Monstrum aus Stahl, welches dem deutschen Konzern RWE DEA bis vor zwei Tagen täglich mehrere tausend Tonnen Öl eingebracht hatte. Doch jetzt war Mittelplate nur noch ein Wrack.


Laut letzten Meldungen war die gesamte Crew von einer massiven Wasserwand in den Tod gerissen worden. Und das war längst nicht das einzige Unglück. Der von den Terroristen künstlich erzeugte Tsunami hatte die gesamte Küste vor Schleswig-Holstein in eine einzige Todeszone verwandelt. Wenn die Prognosen stimmten, hatte es mehr als eine Viertelmillion Tote gegeben. Die Nordsee war zur Mordsee geworden.


„Sieht so aus, als wird die Landefläche jeden Moment zusammenbrechen“, sagte Hunter mit besorgtem Blick.
„Die wird schon halten“, versetzte der ehemalige Testpilot der US NAVY lakonisch.
„Dein Wort in Gottes Ohren. Aber pass auf, dass Du nichts kaputt machst.“


Spacy gestattete sich ein Grinsen. Jedes Mal wenn die Firma ihn und Hunter in eine verdeckte Operation schickte, damit sie wieder einmal die Welt retteten, war es letztendlich Hunter`s rabenschwarzer Humor, der die Gefahr für einen Moment vergessen ließ. Ohne Hunter hätte Spacy den riskanten Job in der ultrageheimen NUSA schon längst an den Nagel gehängt. Aber nun waren sie eben hier; und wie immer vollkommen auf sich alleine gestellt. Zwei Männer im Kampf gegen das Böse.


„Das kommt davon, wenn man nicht auf unsere Geheimdienste hört“, fluchte Hunter als er einige tote Crewmitglieder der Bohrinsel zwischen den zerborstenen Verstrebungen der Spundwände liegen sah. „Als der Präsident die Welt vor den Tsunami-Anschlägen gewarnt hat, haben diese europäischen Weicheier und diese Pappnase von UNO-Generalsekretär nur gelacht.“
„Reg Dich ab, Jack! Wir sind nicht hier, um über Politik zu quatschen.“
Der Hubschrauber befand sich nun im direkten Schwebeflug über der ramponierten Aufsetzfläche. Spacy veränderte den Anstellwinkel der Taumelscheibe und überprüfte die Anzeigen auf seinem Display. Die zyklische und rotationsperiodische Blattverstellung erlaubte eine fast millimetergenaue Punktlandung.


Schließlich berührten die Kufen den Boden. Hunter legte seinen Helm ab und sah Spacy fragend an.
„Das ist jetzt die siebte zerstörte Bohrinsel. Wonach suchen wir eigentlich genau?“
„Nach dem Kaffeeautomaten“, grinste Spacy. „Wenn ich nicht bald Koffein bekomme, drehe ich durch.“

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Der Autor:

Andy Lettau, geboren 1966 beschreibt sich selbst als Autor Werbetexter Ghostwriter Filmemacher Mensch.


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