care & click charity

ich bin neu hier - jetzt anmelden

Anzeige



Mittwoch, 02. Juli 2008 10:47 Uhr
Kategorie: Schreibwettbewerb, Multimedia

Von: AM

write&change: Parc de Triomphe

Autorin Susanne P. Kriska steht als write&change Mai Gewinnerin fest. Mit ihrer Geschichte "Parc de Triomphe" überzeugte sie die Jury durch eine gesellschaftkritische Verknüpfung von Wort und Bild - mit Augenzwinkern.

Bild: Gerhard Launer

Die Sprecher:

Michael Hafner:

Michael Hafner ist seit 1986 professioneller Sprecher und Musikmoderator im Hörfunk des Bayerischen Rundfunks.





 

Anno Koehler:

Ausgebildeter Schauspieler. Rollen unter anderem im Tatort und in der Literaturverfilmung Die Wolke.

www.annokoehler.de

 

 

Hier "Parc de Triomphe"  kostenlos als Podcast herunterladen.



Parc de triomphe

von Susanne P. Kriska

Das Château Je-m’en-fous lag auf einer Anhöhe, von der aus sein erfolgreicher Bewohner Jean-Voyou de Pas-de-Honneur einen bequemen Ausblick über seinen persönlichen Fahrzeugpark hatte. Und der war von gar gigantischen Ausmaßen.

 

Monsieur, würden Sie als Verkörperung beispiellosen unternehmerischen Erfolges wohl unseren Zuhörern verraten, wie Sie es geschafft haben, innerhalb so kurzer Zeit das sich in desolatem Zustand befindliche Schloss zu restaurieren und einen derartige Wohlstand zu verbreiten?“, fragte ich, indem ich meinem Gesprächspartner das Mikrofon in Mundhöhe hielt.

Geschmeichelt lächelte er: „Gewiss... Bon, es war nicht so schwer, nachdem erst einmal das Bauxitvorkommen hier entdeckt wurde. Ich werde Ihnen meine Firmenstrategie nicht bis ins Kleinste erörtern, aber es dürfte Ihnen klar sein, dass es einfach Sinn macht, das Aluminiumwerk in unmittelbare Nähe des Basisrohstoffes zu situieren - zumal es einen großen Fluss gibt, der unseren Wasserbedarf deckt und außerdem dem Transport dient.“

Er holte Luft: „Sie glauben gar nicht, welchen Aufschwung es in den nahe gelegenen Dörfchen aufgrund meiner Aktivität gegeben hat. Vorher waren das nur verschlafene Orte inmitten von Wald und Feld. Langweilig. Und nun, regardez, der Triumph des Unternehmertums über die Rückständigkeit! Ich habe für mannigfaltige kulturelle Angebote gesorgt, um meinen Arbeitern Zerstreuung am Feierabend zu bieten. So entstand sogar eine Spielbank, in der sich die Leute prächtig amüsieren können.“

„Wem gehört die?“, fragte ich dümmlich.

„Mir natürlich. Sehr rentabel übrigens...“, antwortete er würdevoll.

Nun wagte ich mich weiter vor: „Man erzählt sich gemeinhin, dass Sie in den Abbaugebieten Arbeiter aus dem Maghreb beschäftigen, die illegal über das Meer nach F...“

„Wir wollen uns doch nicht etwa mit unwichtigen Details aufhalten, nicht wahr.“, unterbrach er mich unwillig. „Reden wir lieber über meine Anstrengungen für den Umweltschutz, das liegt doch allen am Herzen, hein?“

Ich war ihm wohl auf die teuren Füße getreten. Ich dachte an die Freiheit der Medien, doch er fuhr bereits fort: „Wir sparen die Energiebeschaffungskosten, indem wir einfach den hiesigen Wald als Energiequelle nutzen“, sagte er und zeigte auf drei kahlrasierte Hügel in östlicher Richtung.

„Wir tun noch mehr für die Umwelt“, redete er weiter und zeigte auf eine Zeltstadt in westlicher Richtung, grau und trist wie ein Flüchtlingslager.

„Unsere Arbeiter müssen keine langen Arbeitswege in Kauf nehmen. Da sie in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstätte wohnen, sind sie schnell dort und schnell wieder zu Hause. Damit ersparen wir unserem Planeten eine Menge an Erdöl und Abgasen und so weiter. Die würden ja sonst alle Auto fahren, nicht?“

„Und Ihre eigenen Autos?“, bemerkte ich dreist.

„Nun, jedes Auto wird ja nur ein einziges Mal im Jahr bewegt, da ich genau 365 Fahrzeuge besitze. Eins für jeden Tag. Ich habe in meinem Leben mit großen Widrigkeiten zu kämpfen gehabt. Doch ich habe darüber triumphiert! Wenn Sie so wollen, ist der Fahrzeugpark dort unten mein Parc de Triomphe! Der Triumph des Starken über die Schwachen. Voìla. Ha, ha.“

Ich war bedient: „Vielen Dank für das Interview, Monsieur de Pas-de-Honneur.“

„Bitte, gerne. Ach übrigens, ich bin letzten Monat in den Aufsichtsrat Ihrer Sendeanstalt berufen worden. Sie lassen besser den Satz über die Illegalen weg.“ Er nickte freundlich, aber seine Augen blitzten gefährlich. Sie glitzerten offensichtlich mit den 365 Windschutzscheiben um die Wette.



Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

Um einen Kommentar zu schreiben, ist es nötig, eingeloggt zu sein. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie diesen unter Ich bin neu hier - jetzt anmelden einrichten.

 

Weitere Nachrichten, die Sie interessieren könnten

 



Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden