Donnerstag, 20. März 2008 11:12 Uhr
Kategorie: Schreibwettbewerb, Multimedia
Von: care&clickRedaktion
write&change: General Bleiente
Die Gewinnergeschichte des Monats Februar steht fest und wurde von phonobrand mit Sprecher Johannes Hitzelberger und Anno Köhler als Moderator vertont. Die Jury entschied sich für die originelle Interpretation von Schnee und Fichtenwald in General Bleiente von Michael Rapp.

Die Sprecher:
Johannes Hitzelberger:
Johannes Hitzelberger ist seit 1991 für den Bayerischen Rundfunk tätig und seither sowohl für Fernsehen und Hörfunk als Sprecher engagiert.
Anno Koehler:
Ausgebildeter Schauspieler. Rollen unter anderem im Tatort und in der Literaturverfilmung Die Wolke.
www.annokoehler.de

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General Bleiente
Von Michael Rapp
Der Dschungel ist grün. Der Strand ist weiß. Ralf ist einsam. Er fühlt sich ausgesetzt. Dabei hat er sich die Insel selbst ausgesucht. Ein Eiland, fern der Zivilisation. Hier gibt es keine stressigen Mandanten und auch kein anspruchsvolles Ehegespons. Hier kann er faulenzen. Robinson spielen. Das ist der Plan. Und Ralf hält sich sonst immer an Pläne.
Der Strand ist breit. Zu breit für einen Typen, der das Schwimmen fast verlernt hat. Ralf kommt sich vor, wie eine Bleiente im Gummientenparadies. Er watschelt auf und ab; erst am Wasser entlang, dann bei den Bäumen, die linientreu zu seiner Rechten strammstehen. General Bleiente beim Appell.
Die Sonne gibt ihr Bestes. Der weiße Sand leuchtet hell wie Schnee. Ralfs Entenfüße hinterlassen Abdrücke – Spurrillen auf der A 0 zwischen Nichts und Nirgendwo. Er spreizt die Zehen und lässt das feine Material über seine Schwimmhäute rutschen. Es kribbelt.
Ralf tanzt im Kreis, wirft sich seinen Blicken nach: keiner da.
„Heute kostenlose Rechtsberatung!“, ruft er und winkt mit den Armen wie ein Ertrinkender.
Alles bleibt still. Nicht mal ein QUACK aus dem Dschungel.
„QUACK“, sagt Ralf und watschelt weiter. Nach einigen Metern lässt er sich fallen. Der Sand fühlt sich sogar an wie Schnee. Besonders wenn er die Hände reinsteckt.
Ralf formt eine Kugel und wirft sie gegen die nächste Palme. Der Baum gleicht verdächtig einer Tanne. Dabei ist Ralf gar kein Nadelholzromantiker. Bloß eine einsame Bleiente auf Urlaub. QUACK.
Ralf rappelt sich auf. Flügelschlagend malt er eine Form in den Sand: ein schiefes Herz mit Widmung: „R liebt A.“ Ralf liebt seine Arbeit. Das sollen alle erfahren, wenn sie ihn in zwei Wochen hier gefroren aus dem Schneesand ziehen.
„Ich bin keine herzlose Maschine! Ich liebe!“ Ralf zeichnet die Botschaft für die Mit- und Nachwelt: ein zweites Herz, größer diesmal und ganz perfekt.
Mehr hat er nicht zu sagen.
Seine Lider sind schwer. General Bleiente braucht eine Pause. Ralf lehnt sich an die Palmentanne. Sie duftet weihnachtlich und Schneesand rieselt von ihren Nadelwedeln. Er öffnet das Sakko und lockert die Krawatte.
Was macht er morgen, so ganz ohne Proviant?
Kommt Zeit, kommt Rat, denkt Ralf. Dann fallen ihm die Augen zu.