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Mittwoch, 04. Juni 2008 11:34 Uhr
Kategorie: Schreibwettbewerb, Multimedia

Von: Redaktion

write&change: Die Entscheidung

Der write&change Gewinner des Monats April steht fest: Daniela Kern überzeugte die Jury mit stilsicherer Sprache und gekonnter Verbindung von Bild und Text. Auch der Podcast der spannenden Geschichte um eine folgenschwere Entscheidung steht ab sofort zum Download bereit.

Bild: Gerhard Launer

Die Sprecher:

 

Stefanie Müller
Sie arbeitet seit acht Jahren beim Bayerischen Rundfunk als Sprecherin in Bayern 2 sowie als Off-Sprecherin diverser Fernsehmagazine im Bayerischen Fernsehen. Auch den verschiedensten Spielfilmen verlieh sie bislang in der Audiodeskription ihre Stimme. Daneben hat sie bei zahlreichen Hörbuchproduktionen verschiedener Verlage mitgewirkt.
www.die-sprecherin.de

 

 

 

Anno Koehler:

Ausgebildeter Schauspieler. Rollen unter anderem im Tatort und in der Literaturverfilmung Die Wolke.

www.annokoehler.de

 

 

Die Entscheidung

von Daniela Kern

 

Smaragdgrün und saphirblau funkelte das Wasser, als die Abendsonne langsam darin versank. Schon warfen die Bäume rechts und links der verlassenen Straße lange Schatten. Er lächelte leicht. Es war die perfekte Zeit und auch der Ort war akzeptabel. Wasser war wichtig. Je tiefer desto besser. Der Fluss und die kleine abgeschiedene Brücke wären noch besser gewesen, doch der unerwartete Stau zwang ihn zu improvisieren.


„Herbert! Träumst du etwa schon wieder?“, die ärgerliche Stimme der Frau auf dem Beifahrersitz riss ihn aus seinen Überlegungen. „Entschuldige Gisela was hast du gesagt?“ Er warf ihr einen schnellen Seitenblick zu. Sie hatte die Arme vor der Brust verkreuzt und stierte ihn böse an. „Du hast mir schon wieder nicht zugehört. Nie hörst du mir zu!“, beleidigt drehte sie sich von ihm weg. „Aber Gisela meine Liebste ich…“, setzte er an. „Das kann so nicht weitergehen Herbert. So funktioniert das nicht zwischen uns.“


Wie wahr, es funktionierte wirklich nicht. Schon vor Monaten hatte sie gedroht ihn auf die Straße zu setzten. Völlig verzweifelt war er gewesen, denn ohne Gisela war er ein Nichts. Sie hatte alles, das Geld, den Verstand, den Willen und die nötigen Kontakte und
natürlich – sie knuffte ihn in die Seite, um ihrem Ärger Luft zu machen – hatte sie den Charakter. Doch er hatte einen Plan gefasst. Monate hatte er daran gefeilt, hatte Doppelschichten geschoben, um die nötigsten Utensilien zu besorgen. Und doch schlotterten ihm nun die Knie. Mit einer Hand fuhr er in seine Jackentasche, fühlte das kalte Metall und sofort wurde er ruhiger. Gisela würde keine Chance haben.

 


„Warum funktioniert das nur nicht?“, jammerte Gisela und pfefferte ihr totes Handy aufs Armaturenbrett. „Weil ich den Akku ausgebaut habe.“, dachte Herbert. Niemand wusste wo sie waren. Ein wenig Mitleid regte sich in ihm, aber sein Mitleid mit sich selbst war größer. Das alles hier verlangte ihm seine gesamte Willenskraft ab. Hätte er nicht die schwarzen Handschuhe getragen, seine schweißnassen Hände wären gewiss vom Lenkrad abgerutscht. „Tief durchatmen, es geht um deine Zukunft“, rief er sich selbst zur Ordnung. „Schließlich hat sie dir ja keine Wahl gelassen.“


„Herbert! Du hörst mir nicht zu!“

Jetzt reichte es! Er verlangsamte den Wagen, ließ ihn am Seitenrand zum stehen kommen. „Herbert was tust du?“, fauchte Gisela ihn an. Er antwortete nicht. In seinem Kopf formten sich nun endlich die Worte, die er ihr schon so lange hatte sagen wollen. Unsanft zog er Gisela aus dem Wagen und schleifte sie grob mit sich ans Ufer hinunter, keinen Meter von dem tiefen smaragdgrünen Wasser entfernt. „Herbert?“, zum ersten Mal seit er sie kannte schien Gisela verängstigt zu sein. Er starrte sie grimmig an, mit einer Hand hielt er ihren Arm fest, mit der anderen fuhr er in seine Jackentasche. Wieder beruhigte ihn das Gefühl von kaltem Metall auf seiner Haut. „Gisela ich werde das nun beenden, wie du es dir gewünscht hast.“ Er zog seine Waffe aus der Tasche. Giselas Augen weiteten sich. Dann füllten sich ihre Augen mit Tränen, als sie seine Absichten begriff. Sie schluchzte herzzerreißend. Sein Hals schnürte sich zu. „Gisela,…“, hob er an doch die Stimme versagte ihm. Tränen kullerten über ihre Wangen. Nein, er schüttelte den Kopf, es gab kein zurück mehr. „Gisela, so tief und beständig wie dieser Flu.. See ist meine Liebe zu dir und deshalb…“


„Ja! Ja ich will!“ Sie fiel ihm so stürmisch um den Hals, dass er fast den Verlobungsring hätte fallen lassen.


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