Es ist völlig normal, dass man beim Blick auf die Welt, in der wir leben, bisweilen verzweifelt. Wen belastet es nicht zumindest vorübergehend, wenn er hört, dass Kinder auf unserem Planeten sinnlos an Hunger oder Krankheiten sterben? Lesen wir von den jüngsten politischen Skandalen und wurden wieder einmal Milliarden für Korruption oder Krieg vergeudet – wer fragt sich da nicht, ob es für eine Umkehr nicht schon zu spät ist? Wir erfahren, dass Korallenriffe, Eisbären und andere Naturwunder bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschwunden sein könnten. Wer bekommt da nicht Zweifel, ob das Ruder noch herumgerissen werden kann?
Es steht schlecht um unsere Welt. Die Probleme sind gewaltig. Eine Zukunft, so scheint es oft, ist kaum vorstellbar.
Doch Verzweiflung führt nirgendwohin. Keines der Probleme, vor denen wir stehen, ist unüberwindlich. Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass die acht Milliarden Menschen, die es 2050 geben wird, kein gutes Leben auf dem Planeten Erde haben sollten. Die Techniken dafür sind entwickelbar, die Innovationen realistisch. Der soziale Wandel ist in greifbarer Nähe. Wir haben das Geld. Das größte Hindernis befindet sich in unseren Köpfen – wir können uns eine herrliche ökologische Zukunft einfach nicht vorstellen.
Auf einem Planeten, auf dem es so viel Mangel und Armut gibt, wirkt sich unser Mangel an Fantasie besonders nachteilig aus. Wir sind an Politiker gewöhnt, die keine einzige neue Idee haben, an Journalisten, die auf den immer gleichen, angeblich revolutionären Klischees herumreiten, und an Experten, die es als gegeben hinnehmen, dass eine Umkehr unrealistisch ist.
Das Mutigste und Wichtigste, das jede und jeder von uns tun kann, ist es, sich eine bessere Zukunft auszumalen – nicht als Tagtraum, sondern so, wie ein Architekt sich ein Haus vorstellt, das er bauen möchte: Man sieht es vor sich, als reales Ganzes, malt sich die Details aus und sieht sich selbst, wie man eines Tages darin wohnt.
Wir müssen uns kein Bild für die ganze Welt machen, obwohl das sicher eine Hilfe wäre. Aber wir können mit unserem eigenen Leben beginnen, mit unserer eigenen Zukunft, die sich daran orientiert, wie unserer Überzeugung nach die Welt aussehen sollte.
Wir können uns vorstellen, dass wir eines Tages ein angenehmes Leben führen, ohne dem Planeten Schaden zuzufügen, dass eines Tages unsere Arbeit nicht nur Geld einbringt, sondern auch etwas verändert. Wir können uns vorstellen, dass es unseren Nachbarn und Freunden gut geht und dass die Politiker, die wir wählen, Menschen sind, die wir achten und bewundern. Egal, wie unsere Wünsche für eine bessere Welt aussehen – wir können uns ein Leben ausmalen, in dem diese Wünsche Realität sind.
Wir können damit beginnen, ein solches Leben aufzubauen. Dazu müssen wir keine Revolution starten. Wir brauchen keinen charismatischen Führer. Die Instrumente dafür haben wir schon, oder wir können sie gemeinsam schaffen. Die wunderbare ökologische Zukunft beginnt, wenn jeder von uns heute beschließt, so zu leben, als wäre diese Zukunft schon da.
So ein Leben ist nicht nur das größte Abenteuer, sondern auch ein Heilmittel gegen die Verzweiflung. »Eine Gesinnung ohne Taten«, schreibt der Umweltpublizist Edward Abbey, »ist der Ruin der Seele.« Doch Taten, die aus tiefer Überzeugung resultieren, geben unserem Leben einen Sinn, bringen uns mit anderen zusammen und stimmen optimistisch. Und zufällig sind sie auch das Rezept für die Veränderung der Welt.
Wenn das vorliegende Buch eine Botschaft hat, so ist es diese: Stellen Sie sich eine bessere Zukunft vor. Finden Sie Verbündete. Tauschen Sie die Instrumente untereinander aus. Bauen Sie die Zukunft auf. Beginnen Sie jetzt.
Ein letzter Gedanke: Beim Blick in die Zukunft ist es hilfreich, hin und wieder das Augenmerk auf den Horizont zu richten. Allzu viele Menschen gehen heute davon aus, dass wir im Niedergang begriffen sind und es morgen schlechter sein muss als heute. Man sollte sich daher gelegentlich darin üben, diese Haltung anzufechten: Die Zukunft wird unvorstellbar besser sein und immer besser werden. »Die Vergangenheit«, so H. G. Wells, »ist lediglich der Beginn eines Beginns; alles, was der menschliche Geist erreicht hat, ist nur ein Traum vor dem Aufwachen.«
Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus dem WorldChanging Buch. Lesen Sie mehr

