care&click: Wie viel mehr Energie würde der Karneval eigentlich jährlich den einzelnen Karnevalisten kosten, bei gleichmäßiger Verteilung der Karnevals-Energiebilanz?
Georg Waltenberger: Diese Frage ist nicht zu beantworten; denn jeder Jeck ist anders.
In ihrem Buch Energiemanagement in der Industrie bemängeln Sie, dass nach dem Atomausstieg ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Energieversorgung fehle. Wie könnte so ein Ansatz aus Ihrer Sicht als Praktiker aussehen?
Im Falle eines Atomausstiegs wären etwa 30% der Stromerzeugung in Deutschland betroffen. Zur Kompensation könnten aus heutiger Sicht ein höherer Anteil an fossilen Brennstoffen - vornehmlich auf Kohlebasis-, ein deutlich verstärkter Einsatz Erneuerbarer Energien und auf der Nutzerseite Einsparungen und eine höhere Effizienz - Stichwort kleinere dezentrale Anlagen auf Basis Kraft-Wärme-Kopplung - stehen.
Ob es jedoch tatsächlich zu einem Atomausstieg kommt, hängt aus meiner Sicht von zweierlei ab: Von den politischen Mehrheitsverhältnissen und von neueren Entwicklungen auf dem Atomsektor.
War die derzeitige Entwicklung für die großen Stromkonzerne nicht absehbar oder warum setzt man dort noch stark auf fossile Energieträger?
Man nutzt heute bei Neubauten technische Weiterentwicklungen mit höheren Erzeugungswirkungsgraden, bleibt aber im Übrigen beim alten Konzept: zentrale Großkraftwerke überwiegend auf Kohlebasis, die uns nach allen Erfahrungen bis zu 40 Jahre erhalten bleiben werden.
Gründe sind ein weltweit großes Angebot an Steinkohle. Überwiegend nicht in Krisenregionen, Importunabhängigkeit bei Braunkohle. Ob der derzeitigen Stand der Klimadiskussion für die großen Stromkonzerne nicht absehbar war, vermag ich nicht einzuschätzen
Haben die großen Energiekonzerne Angst um ihre Marktstellung?
Natürlich.... Wie ist es anders zu erklären, dass sie sich mit aller Macht gegen einen fairen Marktzugang von Dritten wehren. Hier nimmt die Politik ihre Aufgaben nicht konsequent genug wahr. Ohne Wettbewerbsdruck lässt es sich eben hervorragend leben und Geld verdienen. Gilt im Übrigen nicht nur für die Strom- sondern auch für die Gaswirtschaft.
Wie bewerten Sie persönlich die Entscheidung der EU-Kommission in der Streitfrage um den Kostenerlass für Emissionen bei besonders energieintensiven Produktionen?
Die angesprochenen energieintensiven Industriesparten müssen international wettbewerbsfähig bleiben. Es kann keinen Sinn machen, diesen in Gebiete außerhalb Europas zu vertreiben, wo sie diese Klimaauflagen nicht erfüllen müssen.
Wie sieht Ihrer Meinung nach die Wirklichkeit der deutschen Energiewirtschaft 2020 aus?
Gerade heute sind Prognosen im Energiegeschäft über zehn Jahre und mehr äußerst schwierig. Gewisse Trends sind aber absehbar: Verknappung der Ressourcen, weiter steigende Energiepreise und damit werden Investitionen in Effizienz steigernde Maßnahmen wirtschaftlicher.
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Georg Waltenberger studierte Maschinenbau mit Schwerpunkt Energietechnik an der Technischen Universität München. Er arbeitete in verschiedenen leitenden Tätigkeiten in der Energie verbrauchenden Industrie an. Zuletzt war er verantwortlich für die Energiewirtschaft in einem Großunternehmen in der Chemischen Industrie.



Kafflilate schrieb am 12.02.2008 16:31
@ShadowMan: Sehe ich auch so! Vor allem Häuser...der Staat sollte die Rahmenbedingungen setzen!
ShadowMan schrieb am 12.02.2008 12:18
Von staatlicher Seite erhoffe ich mir den Ausbau der Nutzung regenerativer Energiequellen... auf lange Sicht die einzige Lösung. Aber ich denke auch das jeder Einzelne einen entscheidenden Beitrag leisten kann indem er darauf achtet, Energie zu sparen. Da liegt noch eine Menge Potential (Energiesparlampen, abschaltbare Steckdosenleisten, Geräte nicht auf StandBy lassen,.......).
Ich hoffe ausserdem das in Zukunft mehr Niedrig- / Null- oder gar Plus-Energie-Häuser gebaut werden. Die machen die Besitzer unabhängig vom immer teurer werdenden Strom und bei Plus-Energiehäusern würde dann sogar der Strom insgesamt billiger.
Die Möglichkeiten sind da - wir müssen nur den Willen haben sie auch zu nutzen!