Wer in den wohlhabenderen Gebieten der Erde lebt, wird sich mit anderen Problemen herumschlagen müssen. Wasserführende Schichten – also riesige unterirdische Seen, die sich im Laufe von Jahrhunderten oder Jahrtausenden nach und nach gefüllt haben – werden mittlerweile so schnell leergepumpt, dass sie noch zu Lebzeiten vollständig ausgetrocknet sein werden.
Weltweit gehen zu viele Menschen verschwenderisch mit dem Wasser um, so dass die natürlichen Systeme, die auf einen stetigen Wasserzufluss angewiesen sind, zusammenbrechen. Einige der einstmals größten Seen der Welt, etwa der Aralsee und der Tschadsee (einst der drittgrößte See Afrikas), sind schon fast ausgetrocknet. Rund um den Erdball sinkt der Wasserpegel der Flüsse, weil im großen Stil abgepumpt wird. Der Rio Grande beispielsweise trocknet zeitweise aus, bevor er den Golf von Mexiko erreicht. Sogar im regnerischen Nordwesten des Pazifiks, wo einst große Lachswanderungen stattfanden, sind diese Tiere vom Aussterben bedroht, weil aufgrund des großen Wasserbedarfs der Menschen der Pegel der Flüsse stetig sinkt. Zusätzlich macht die fast allgegenwärtige Wasserverschmutzung aus der Landwirtschaft, der Industrie und den Städten der Natur zu schaffen.
Der Klimawandel verschärft diese Problematik schon heute, doch uns steht noch Schlimmeres bevor. Die Niederschläge, die viele Generationen lang mehr oder weniger konstant waren, schwanken mittlerweile so stark, dass einige Gebiete immer trockener werden, während andere unter Überschwemmungen leiden. Je nachdem, wo wir leben, müssen wir mit Dürreperioden, stärkeren Niederschlägen oder beidem rechnen.
Wollen wir diese Krise bewältigen, so müssen wir unsere Einstellung zum Wasser grundsätzlich ändern. Wo immer wir können, müssen wir Wasser sparen. Ebenso, wie wir beim Energieverbrauch effizienter werden müssen, brauchen wir auch sparsamere Wassertechnologien. Viele gibt es bereits, und viele entstehen gerade neu. Ob wir diese Krise erfolgreich meistern oder daran scheitern, wird von der schnellen Umsetzung der technischen Möglichkeiten abhängen.
Das Wasser, das durch unsere Häuser und über unsere Dächer fließt, sollten wir als wertvolle Ressource betrachten. Das Regenwasser, das Grauwasser aus Dusche und Waschbecken, das Wasser, das von Industrie und Landwirtschaft genutzt wird: Mit den richtigen Techniken lässt sich all dieses Wasser auf verschiedenste Arten reinigen und wiederverwerten. Schließlich müssen wir uns darüber klar werden, dass unsere Häuser und Stadtviertel in ein natürliches System eingebunden sind, einen Kreislauf aus Pflanzen und Bächen, Regen und Regenabfluss. Wenn wir in der Haustechnik natürliche Vorgänge nachahmen, verbrauchen wir weniger Wasserressourcen – und sparen Geld und Energie. Stadtviertel, die sich die natürlichen Abläufe zunutze machen, werden uns nicht nur mehr Gesundheit und Komfort bringen, sondern auch Umweltschutz und Wohlstand.
Innovationen in der Wasserversorgung nützen nicht nur dem Norden, der über die Ressourcen verfügt, sie zu entwickeln und zu erproben, sondern auch dem Süden, der auf bessere Technologien dringend ange- wiesen ist. Die gesamte Welt befindet sich in einer Wasserkrise – doch die Suche nach Lösungen beginnt überall dort, wo wir gerade sind. Wenn wir das nächste Mal den Regen auf unser Dach fallen hören, betrachten wir es doch als Einladung, mit der Suche zu beginnen!
Wasser sparen
Auf der Nordhalbkugel sind wir in der angenehmen Lage, dass wir nur den Hahn aufdrehen brauchen, und schon fließt das Wasser. Die meisten von uns bekommen ihr Wasser von einem großen Versorger, der es aus dem Boden pumpt oder aus einem Fluss oder See bezieht. Diese großen Wasserversorger stehen allerorten unter dem Druck, so viel Wasser zu liefern, wie die Verbraucher gerne haben wollen. Die direkteste Reaktion auf die Wasserkrise ist es, weniger Wasser zu verbrauchen. Das bedeutet nicht, dass wir künftig das Wasser aus dem Fingerhut trinken oder mit der Stoppuhr in der Hand duschen müssen. Lassen wir doch unsere Haustechnik für uns arbeiten: Mit den richtigen Technologien kommen wir schon recht weit.
Wasser sparen im Bad
Wassersparende Duschköpfe sind nicht nur für Warmduscher gedacht. Indem Luft in den Wasserstrahl gepresst wird, reduziert sich der Wasserverbrauch, ohne dass der Strahl deshalb schwach würde. Durch die Installation solcher Duschköpfe und ihrer Gegenstücke für den Wasserhahn (gleiches Prinzip, gleicher Nutzen) mindert sich der Wasserverbrauch erheblich. Dem Umweltbundesamt zufolge könnten die Deutschen, wenn jeder Haushalt wassersparende Armaturen und Toilettenspülungen einbaute, etwa 2,75 Milliarden Kubikmeter Wasser am Tag einsparen. Eine entsprechende Toilettenspülung bringt nicht nur Geld, indem sie die Wasserrechnung drückt, sondern sogar eine Rückzahlung vom Versorger, weil Wasser gespart wird. Die ersten Toiletten dieser Art wurden dem Rummel, der um ihre umweltfreundliche Wirkung gemacht wurde, nicht gerecht; sie funktionierten nicht besonders gut. Die Hersteller erkannten, dass nur ein sehr gutes Produkt die Verbraucher zum Umstieg veranlasst. Sie entwickelten die Spülung weiter und brachten die Optik und Funktionalität der wassersparenden WC-Spülung deutlich voran. Heute können die Verbraucher zwischen mehreren WCs wählen, die ebenso gut funktionieren wie eine gewöhnliche Toilette, dabei aber Wasser und Geld sparen.
Duschwasseraufbereitung
Damit wir trotz ausgiebigen Duschens Wasser sparen können, hat der Designstudent Peter Brewin vom Londoner Royal College of Art eine umweltfreundliche Dusche entwickelt, bei der das Wasser wiederverwendet wird. Damit wird der Verbrauch drastisch reduziert und die Wasserrechnung erheblich gesenkt. In dieser Dusche wird das Wasser, das in den Abfluss fließt, sofort wieder gereinigt und in die Dusche zurückgeführt. Das gefilterte Wasser durchläuft einen Boiler, in dem es auf eine ange- nehme Temperatur erwärmt wird, ehe es durch den Duschkopf wieder austritt. Wenn die Dusche mit Recyclingwasser vom Verbraucher angenommen würde, könnte sie unglaublich viel Wasser sparen helfen – vor allem in Gebieten, in denen Wasser knapp zu werden droht und dringend benötigt wird. Die Dusche hat zudem unter anderem einen Chlorfilter und einen Verbrauchsmesser, doch ihr wichtigster Anreiz ist die finanzielle Einsparung, die der Verbraucher durch die Duschwasseraufbereitung erreicht.
Kompost- und Trenntoiletten
Die herkömmliche Schwemmkanalisation verbraucht hohe Mengen an Trinkwasser. Die Entsorgung von Exkrementen über Toiletten mit Wasserspülung führt dazu, dass sich das Volumen der zu entsorgenden Fracht um das 50-Fache vergrößert. Der Aufwand der nachsorgenden Reinigung dieser Abwassermengen ist sehr groß und verursacht hohe Kosten.
In Skandinavien werden seit über 30 Jahren umweltfreundliche Komposttoiletten selbstverständlich eingesetzt. Hygienische Bedenken bestehen nicht. Sie werden nicht nur in entlegenen Gebieten ohne Kanalanschluss, sondern auch bei Neubauten herkömmlicher Einfamilienhäuser verwendet. Die Verbreitung der Komposttoiletten nimmt europa- und weltweit zu.
Die Kompost- oder Humustoilette ist eine Toilette ohne oder mit geringer Wasserspülung, bei der die Fäkalien direkt in einen mit Rindenmulch, Stroh oder Gesteinsmehl gefüllten Behälter geleitet und dort vorkompostiert werden. Durch die Kompostierung wird das Volumen der eingebrachten Menge auf bis zu zehn Prozent reduziert. Übrig bleibt ein humusartiges Material, das durchschnittlich alle vier Wochen als nützlicher Dünger unbedenklich im Garten ausgebracht oder problemlos in der Biotonne entsorgt werden kann. Komposttoiletten sind komfortabel und unkompliziert zu benutzen wie Spültoiletten. Ein technisches Be- und Entlüftungssystem mit Ventilator und konstanter Temperierung fördert die Kompostierung durch Mikroorganismen und verhindert unangenehme Gerüche. Der Unterdruck im Toilettensystem sorgt dafür, dass die Benutzung geruchsärmer ist als bei einem herkömmlichen WC.
Die Trenntoilette fängt flüssige und feste Ausscheidungen voneinander getrennt auf. Der isolierte Urin ist hygienisch unbedenklich und enthält Harnstoff, ein wertvolles Ausgangsprodukt der chemischen Industrie zur Erzeugung von stickstoffhaltigem Pflanzendünger. In der Schweiz wird in einem Projekt die systematische Urinabscheidung untersucht, um die verschiedenen Abwasserfraktionen langfristig aufzutrennen. Toiletten ohne Wasserspülung sind umweltfreundlich, wirtschaftlich und hygienisch. Sie helfen, kostbares Wasser zu sparen und die Nährstofffracht in den überbelasteten Gewässern zu vermindern. Natürliche Stoffkreisläufe können über Düngerstoffe sinnvoll geschlossen werden, so dass die Umweltbelastungen dauerhaft sinken.


