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Mittwoch, 05. November 2008 10:11 Uhr
Kategorie: TopThema

Von: AM/SB

Weshalb Bush der Welt fehlen wird

Obama oder McCain? Biden oder Palin? Dabei würde George W. Bush vielleicht gerne noch eine dritte Amtszeit im Weißen Haus dranhängen. Zeit, mit dem Taschentuch Au Revoir zu winken, an einen einzigartigen US-Präsident, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bild: pixelio.de

Es ist History in the Making, wie die Amerikaner sagen: George W. Bush wird nicht mehr lange Präsident der Vereinigten Staaten sein und wurde nicht einmal gefragt. Anders als in Deutschland kann in den USA ein Präsident nur zwei Amtszeiten regieren. Nach Bill Clinton trifft dieses bittere Los auch den noch amtierenden US-Präsidenten: Das Oval Office wird bald von einem anderen bezogen.

 

Dabei hat gerade Europa Bush so vieles zu verdanken. Die häufigen  Differenzen mit der US-Regierung um George W. Bush haben nicht selten zu einer harmonischen Einigkeit zwischen den Mitgliedsstaaten geführt: Beim Irak Krieg, beim Afghanistan Einsatz, in der  Finanzkrise und natürlich vor allem in Sachen Klimaschutz. Die Konstellation erlaubte es Europa in diesem Bereich besonders voranzugehen und wichtige Schritte auf nationaler und internationaler  Ebene zu realisieren. Bei der letztjährigen UN-Klimakonferenz in Bali waren die USA fast vollständig isoliert – trotz oder gerade wegen Bushs plötzlich unerklärlich-aufflammenden Klimaschutz Paket, dass zwar zahnlos ausfiel aber den Vereinigten Staaten den Anschluss an die Klimaschutz-Spitze bringen sollte.

 

Unvorstellbar: Cocktailspartys ohne Bush-Talk

 

Waren sich Staatsmänner über Bush einig, so fiel die Meinung im Freundes- und Kollegenkreis fast noch harmonischer aus. Bush, so könnte man meinen, ist als Polit-Small-Talk Thema etabliert und nahezu konfliktfrei. Besten Stoff hierzu liefern die besonderen Momente des US-Präsidenten: Ein falsch herum gehaltenes Kinderbuch zum Beispiel oder auch seine rhetorischen Schnitzer, die als so genannte „Bushisms“ bereits Einzug in das amerikanische Standardvokabular gefunden haben. Hoffentlich wird Bush allein deshalb, wenn er aus dem Oval Office auf seine Ranch umzieht, nicht gänzlich aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwinden.

 

Zumindest im kalifornischen San Francisco dürfte die Erinnerung an den „totalen Versager“, wie ihn einst die Präsidentin des amerikanischen Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi bezeichnete, noch länger erhalten bleiben. Dort hatte sich im Sommer eine Bürgerinitiative dafür eingesetzt, erstmals ein Gebäude nach dem noch amtierenden US-Präsidenten zu benennen. Allerdings dürften George W. Bush diese Ehren wenig gefreut haben: Das zu benennende Gebäude ist eine Kläranlage. Mit bislang über 10.000 gesammelten Unterschriften stehen die Chancen für eine Benennung ziemlich gut.

 

Das viel zitierte „desaströse Erbe“, das er hinterlässt, wird ebenfalls in Erinnerung bleiben. Ein Haushaltsdefizit von 455 Milliarden Dollar beispielsweise. Bei seinem Amtsantritt konnte noch ein kräftiger Überschuss verzeichnet werden, den er dank mangelnder Kompetenz, die ihm auch mittlerweile ehemalige Parteifreunde bescheinigen, mit Kriegen und dramatischen Fehlentscheidungen verbummelt hat. Die Wirtschaft ist am Boden, seine Popularität liegt gerade noch bei knapp 25 Prozent und er selbst musste in letzter Zeit schweigen. Sein möglicher parteiinterner Nachfolger wollte vor dem Wahltermin so wenig wie möglich mit ihm in Verbindung gebracht werden.

 

Spärlicher Idolcharakter

 

Als Vorbild dürfte Bush daher nur in wenigen Bereichen dienen. Wegen seines politischen Führungsstils sicherlich nicht, aber vielleicht wegen seiner Urlaubszeiten. Er war der Präsident mit den meist beanspruchten Urlaubstagen seit Ronald Reagan. Satte vier Wochen hatte sich der frisch gebackene Präsident beispielsweise im Jahr 2001 auf seine Ranch zurückgezogen. Er arbeite gern im freien, verkündete der Möchtegern-Cowboy damals in voller Montur dem eigens zu seiner texanischen Ranch angereisten Journalistentross.

 

Für handfeste Tätigkeiten im Freien dürfte Bush ab Januar 2009 daher wieder mehr Zeit finden. Dann kann er wieder anpacken, um die Welt in seinem Sinne zu verändern. Allerdings nur auf seiner großzügigen Ranch in Texas. Der Rest der Welt muss von seinem Nachfolger im Amt erst wieder in Ordnung gebracht werden.


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Kommentare

Gabriele schrieb am 16.11.2008 01:42

Vielen Dank für den herzerfrischenden "Nachbrüller". Unbegreiflich, dass der Mann wiedergewählt wurde! Das Land musste wohl erst tief in der wirtschaftlichen Talsohle ankommen und einen solch gewaltigen Imageverlust erleben um aufzuwachen. Wünschen wir Obama ein langes Leben.




esprit schrieb am 07.11.2008 14:26

...also ich bin nicht traurig Evil



 

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