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Dienstag, 21. Oktober 2008 12:16 Uhr
Kategorie: Dossier, WorldChanging

Von: BA/© KNESEBECK VERLAG

Verantwortungsbewusst konsumieren

Wir alle wissen, dass es ökologisch sinnvoll ist, weniger Dinge zu kaufen. Aber einige von uns glauben, dass dies unseren Lebensstil einschränkt oder den Spaß nimmt. Wir alle haben Bedürfnisse, und die meisten genießen es, neue Dinge zu kaufen. Aber wollen wir schon nicht weniger kaufen, können wir wenigstens klüger kaufen.

WorldChanging

Wer klug konsumieren möchte, sollte herausfinden, wer die besten Produkte herstellt und wo man diese bekommt. Zudem sollte man sich ausreichend informieren, um trügerisches Marketing zu erkennen, egal ob wir nun Kleidung, Nahrung, Autos oder Haushaltsartikel oder sogar Häuser erwerben. Wir haben die Macht, unsere Vorstellungen an der Kasse deutlich zu machen. Wir können nach Kleidung suchen, die aus nachwachsenden Materialien besteht, nach Reinigungsmitteln ohne Gift- und Schadstoffe und nach Produkten, bei deren Herstellung keine Arbeiter ausgebeutet werden. Als Verbraucher können wir unsere Vorstellungen von nachhaltigeren Produkten äußern und auf bessere Arbeitsbedingungen und Herstellungssysteme drängen. Aber bis durch unsere gezielt eingesetzte Kaufkraft alle Erzeugnisse besser und nachhaltiger werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Beste aus dem Vorhandenen auszuwählen. Und so geht’s.

 

Wo man bessere Kleidung findet

 

 

Bei Produkten des unmittelbaren Bedarfs haben wir bereits die Möglichkeit, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Wir können Produkte aus ökologischer Landwirtschaft kaufen, Energiesparlampen benutzen und Hybrid-Autos fahren. Und trotzdem lassen wir uns mit Kleidern sehen, die entsetzliche Produktions- und Arbeitsbedingungen fördern. Beim Kauf eines T-Shirts aus biologisch angebauter Baumwolle erzielen wir leider einen kleineren Effekt als beim Kauf eines Apfels aus biologischem Anbau, denn zwischen dem Baumwollfeld und dem T-Shirt liegen mehr Verarbeitungsschritte als zwischen der Obstwiese und dem Apfel. Die Massenproduktion von Kleidung aus der Naturfaser Baumwolle unterscheidet sich nicht grundlegend von der Fertigung synthetischer Kleidung – und gerade der Herstellungsprozess schadet unserer Umwelt. Aber das bedeutet nicht, dass unsere Entscheidung keinen Wert hat: Mit unserer Verbrauchermacht stimmen wir gegen unfaire Arbeitsbedingungen. Indem wir nachhaltig hergestellte Stoffe verlangen, drängen wir die Textilbranche zu deren Entwicklung, und das ist bestimmt der Mühe wert.

 

Aktuell gibt es zwei gegensätzliche Stilrichtungen für Naturtextilien: die typische Alternativkleidung aus der Müsliecke oder sehr edler und sehr teurer Öko-Schick. In einer modernen »grünen« Welt sollte jedes Bekleidungsgeschäft eine Auswahl modischer Kleidungsstücke aus verantwortungsbewusster Ökoproduktion zu vernünftigen Preisen auf Lager haben – genauso, wie heute in jedem Supermarkt einige Regalreihen mit Bioprodukten zu finden sind. Bis es so weit ist, können wir nur Qualitätszeichen auf Etiketten studieren und nach neuen Entwicklungen Ausschau halten oder im Spezialhandel Naturtextilien einkaufen.

 

Gütezeichen für Naturkleidung

Leider gibt es für ökologisch oder fair produzierte Kleidung bisher noch kein einheitliches Gütezeichen. Wir haben keine andere Wahl, als uns die derzeit gängigen einzeln einzuprägen: Das Öko- Tex-Kennzeichen (www.oekotex.com) »Textiles Vertrauen – schadstoffgeprüft nach Öko-Tex-Standard 100« kennzeichnet auf Schadstoff geprüfte Textilien, die in Betrieben hergestellt wurden, die umweltbewusst arbeiten.

 

Das europäische Umweltzeichen, die »Euroblume«, wird für Textilien vergeben, die umweltfreundlicher und gewässerschonender hergestellt werden als bei der konventionellen Produktion. Der IVN, der Internationale Verband für Naturtextilien (www.naturtextil.com), in dem namhafte Ökotextilhersteller und -verarbeiter organisiert sind, vergibt zwei Qualitätszeichen für Kleidung, deren Naturfasern unbedingt aus ökologischem Anbau stammen müssen: »Naturtextil«, einen orangefarbenen Kreis, der Textilien aus Naturfasern auszeichnet, die nach hohen Standards umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden, sowie das Label »Naturtextil best« (in blauer Farbe), bei dem höchste Standards vorausgesetzt werden. Achten Sie auf diese Kennzeichnungen, wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen.

 

Secondhand-Kleidung

Designerkleidung zu Schnäppchenpreisen? Kein Problem in einem gut sortierten Secondhand-Laden oder bei einem Wohltätigkeitsbasar. Weit gefehlt, dass dort nur minderwertige Flohmarktware zu erhalten ist. Da hängt die Jeans im aktuellsten Schnitt, weil jemand in der Hoffnung auf die Frühjahrsdiät das gute Stück eine Nummer zu klein gewählt hat. Oder der Blazer in der neuesten Modefarbe passt doch nicht so gut zum Teint? Ein klassischer Fehlkauf passiert schon mal. Wäre schade, wenn das teure Stück im Altkleidercontainer landen würde, denn es lässt sich beim Verkauf noch versilbern. Und der nächste Besitzer oder die nächste Besitzerin kann auf ein günstig erstandenes Kleidungsstück stolz sein.

 

Auch bei Baby- und Kleinkinderkleidung bietet sich gut erhaltene Gebrauchtkleidung an. Zu schnell wachsen die lieben Kleinen aus dem Strampler. Und noch ein zweiter positiver Effekt spricht für Kinderkleidung aus zweiter Hand: Schadstoffe, die bei der Verarbeitung oder für die »Ausrüstung« der Textilien eingesetzt wurden, sind längst raus gewaschen.


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