care & click charity

ich bin neu hier - jetzt anmelden

Anzeige



Montag, 26. Juli 2010 09:39 Uhr
Kategorie: Klima Leben, TopThema, WorldChanging

Von: JM/© KNESEBECK VERLAG

Wie Umweltzertifikate funktionieren

Umweltzertifikate sind ein florierendes Geschäft. Mit handelbaren Zertifikaten sollen bedrohte Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume geschützt werden, ohne die kommerzielle Nutzung völlig auszuschließen. Im Kyoto-Protokoll wurde als Anreiz für die Emissionssenkung die Einführung von CO2-»Märkten« vereinbart.

WorldChanging

Länder, die mit ihrer CO2-Produktion unter den vereinbarten Grenzen bleiben, und solche, die derzeit noch nicht von dem Abkommen betroffen sind (im Moment sind das, abgesehen von den USA und Australien, überwiegend Entwicklungsländer), können CO2-Zertifikate an Länder ver- kaufen, deren Ausstoß die festgelegten Grenzen übersteigt.

 

Das mag so aussehen, als könnten die Länder mit hohen Emissionen einfach so weitermachen wie bisher, doch das Konzept ist durchdacht: Nur wenige Länder liegen mit ihren Emissionen unter den Kyoto-Grenzen, so dass es einen erheblichen Anreiz gibt, Zertifikate von nicht teilnehmenden Staaten und solchen mit geringem Ausstoß zu kaufen. Je mehr Länder ihre Emissionen in den Griff bekommen, desto weiter werden die Grenzen gesenkt, so dass der Preis für die verbleibenden CO2-Rechte steigt. Die Staaten haben somit ein wirtschaftliches Motiv, Produzenten von Netto- CO2-Zertifikaten zu werden, mit ihren Emissionen also die Grenze zu unterschreiten, statt Konsumenten, die oberhalb der CO2-Grenze liegen. Für die Entwicklungsländer ist es ein Anreiz, früher sauberere Techniken einzuführen, damit sie weiterhin Zertifikate verkaufen können, statt mit zunehmendem Wirtschaftswachstum Zertifikate erwerben zu müssen.

 

Der Nachteil des CO2-Handels ist, dass er so kompliziert ist, dass clevere Händler die Märkte manipulieren können und dass der Anreiz womöglich nicht von Dauer ist: Liegen die meisten Länder unterhalb des CO2-Limits und versuchen, die verbleibenden Rechte zu verkaufen, könnte der Preis so stark fallen, dass auch der schmutzigste CO2-Produzent es sich leisten könnte, die Luft zu verpesten.

 

Das von der Europäischen Union eingeführte System für den CO2-Handel trat Anfang 2005 in Kraft. Es hat mehr als 12 000 Teilnehmer in den 25 EU-Mitgliedsstaaten. Einmal im Jahr erscheint ein Bericht, in dem die Einhaltung durch die einzelnen Unternehmen dokumentiert wird. Eine Nichteinhaltung wird nicht nur mit einer Geldstrafe geahndet, sondern ist auch imageschädigend für das Unternehmen. Alle Transaktionen werden in einem gemeinsamen Zentralregister (CITL) festgehalten. Doch wenn man nachsehen möchte, wer Rechte kauft und verkauft, muss man Geduld mitbringen: Detailinformationen zu den Transaktionen werden nach der Einführung erst einmal fünf Jahre lang unter Verschluss gehalten.

 

Der Handel mit Zertifikaten wurde eingeführt, um verschiedene Formen der Umweltverschmutzung zu bekämpfen, und das nicht nur in den Industrieländern. Ein Demonstrationsprojekt in Taiwan und ein Pilotsystem für den Schwefeldioxidhandel in China sind vielversprechende Signale für die Zukunft. Für Landbesitzer in den USA (Bau- und Versorgungsunternehmen, Spediteure, Landwirte, Einzelhändler und andere) kann der Rechtehandel Auseinandersetzungen um die Landnutzung in eine lukrative Beziehung für alle Seiten verwandeln, die sowohl der Umwelt als auch dem Unternehmen nützt. Nach dem Gesetz zum Schutz bedrohter Arten (Endangered Species Act) und dem Wasserschutzgesetz (Clean Water Act) müssen Landbesitzer für Schäden in Bächen und Feuchtgebieten oder in Lebensräumen aufkommen, die für vom Aussterben bedrohte oder gefährdete Arten wichtig sind. Vereinfacht ausgedrückt, muss ein Bauunternehmer oder ein anderer kommerzieller Landbesitzer, der ein Habitat in einem Gebiet gefährdet oder schädigt, an anderer Stelle einen gleich großen oder gleich wertvollen Lebensraum schützen oder renaturieren.

 

Die Landbesitzer werden dem Gesetz über so genannte conservation banks für den Schutz bedrohter Arten und mitigation banks für den Schutz von Feuchtgebieten und Bachläufen gerecht. In beiden Fällen müssen Unternehmen, die wichtige Lebensräume oder Feuchtgebiete gefährden, anderen Landbesitzern, die sich gesetzlich verpflichtet haben, ihr Land dauerhaft zu schützen, über diese »Banken« Rechte abkaufen. Die »Banker« können die Zertifikate auf dem offenen Markt verkaufen, zum Teil auf einem Preisniveau, das weit über den herkömmlichen Grundstückspreisen liegt.   

 

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus dem WorldChanging Buch. Lesen Sie mehr


Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

Um einen Kommentar zu schreiben, ist es nötig, eingeloggt zu sein. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie diesen unter Ich bin neu hier - jetzt anmelden einrichten.

 

Weitere Nachrichten, die Sie interessieren könnten

 



Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden