Obwohl wir unser Haus mit solchen Geräten bestücken, betrachten wir das Gebäude selbst oft nicht als Mittel zum Zweck, um unsere Lebensqualität zu steigern. Architekten, Innenarchitekten und Haustechniker denken heute intensiver über die Beziehung zwischen der Wohnung und ihren Bewohnern nach: Wie kann in einer Wohnung der Energieverbrauch effektiver reguliert werden? Wie können mögliche Gefahren aufgespürt werden, damit die Bewohner rechtzeitig gewarnt sind? Wie gestaltet man ein Haus so flexibel, dass auch eine wachsende Familie noch Platz findet? Werden bei der Planung eines Hauses solche Gedanken berücksichtigt, so gewinnt es eher den Charakter eines Instruments denn eines Behältnisses – Le Corbusier, der bekannte Architekt, bezeichnete es als »Maschine zum Wohnen« (1923). Das Haus reagiert auf unsere Bedürfnisse und entwickelt sich mit unserem Lebensstil weiter. Die Häuser von morgen sind flexibel, anpassungsfähig und interaktiv und bringen technische Neuerungen mit unseren sich wandelnden Werten in Einklang.
Die Nutzung der Sonnenenergie zur Strom- und Wärmegewinnung führt im Verein mit anderen hochentwickelten technischen Lösungen und Geräten zu funktionalen und zukunftsfähigen Energiequellen, die ohne fossile Brennstoffe auskommen. Die digitale Fernsteuerung ergibt in Kombination mit Systemen und Anwendungen im Haushalt eine »intelligente Haustechnik«, die es uns erlaubt, Lichter und Geräte auszuschalten, wenn wir nicht zu Hause sind, oder einen Brandherd zu orten, ehe der Brand ausbricht. Die Rolle des Hauses und unser Verhältnis dazu sind demnach in vielerlei Hinsicht einem grundlegenden Wandel unterworfen.
Das Nullenergiehaus
Wer sieht sein Haus schon gerne als Energieschleuder? Und doch sind Gebäude für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in Europa verantwortlich und verursachen damit mehr Treibhausgasemissionen als der Verkehr.
Wir können weniger Energie verbrauchen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Unsere gut gedämmten Häuser sind mit Hilfe von Sonne, Beschattung und Belüftung zu beheizen oder zu kühlen. Es ist sogar möglich, unseren Energieverbrauch auf Null zurückzufahren, so dass wir mit den Häusern so viel Energie erzeugen, wie wir verbrauchen, und manchmal sogar ein Plus produzieren, das ins Netz eingespeist und von jemand anderem verbraucht wird.
Das Nullenergiehaus (Zero Energy Home) der Architektin Zoka Zola (www.zokazola.com) in Chicago ist ein hervorragendes Beispiel für ein stilvolles Wohngebäude mit ausgeglichener Energiebilanz. Das Nullenergiehaus ist vollkommen autark, denn es produziert 100 Prozent seines Energieverbrauchs durch Solar- und Windenergie selbst.
Es setzt bei der Energieerzeugung auf die passive Nutzung der Sonnenenergie, also die Wärmeleitung und Wärmestrahlung, für das Beheizen des Gebäudes. Bei der »aktiven« Sonnenenergienutzung bringen dagegen Pumpen die Wärme aus den Sonnenkollektoren ins Heizungssystem oder Strom wird in Fotovoltaikmodulen erzeugt und dann in die Leitungen eingespeist. Im Falle des Nullenergiehauses wurde das Gebäude mit Schwerpunkt auf die passive Solarnutzung konstru- iert – die Ausrichtung des Hauses nach Süden, das überhängende Dach, sinnvoll platzierte Bäume zur Beschattung und eine sorgfältig berechnete Wärmedämmung erlauben es, Licht und Wärme einzufangen. Über eine transparente Wärmedämmung wird die Sonnenwärme am Tag auf eine speichernde Massivwand übertragen. Bei Nacht oder bei niedrigen Temperaturen gibt diese Speicherwand die Wärme dann langsam wieder ab. Im Winter, wenn die Sonne niedrig steht, lassen die Südfenster des Nullenergiehauses reichlich Sonnenlicht ins Haus eindringen, das die Betonwände aufheizt. Im Sommer spenden die Bäume und der Dachvorsprung Schatten und halten die heißen Sonnenstrahlen vom Haus fern.
In den wärmeren Monaten sorgt eine natürliche Querbelüftung zwischen den offenen Fenstern und den Oberlichtern für gleichbleibende Temperaturen. Das Gebäude ist mit Pflanzen umgeben, die isolieren, Schatten spenden und Schutz vor UV-Strahlen bieten. An der Fassade wächst Efeu, und auch das Dach ist mit bewachsen.
Der deutsche Solararchitekt Rolf Disch (www.rolfdisch.de) hat die passive Nutzung solarer Energien in seinem visionären, drehbaren Solarhaus »Heliotrop« umgesetzt. Disch legt dem Bauwerk die Idee zugrunde, »ein Gebäude zu konstruieren, das höchsten Ansprüchen an Architektur und Umweltschutz genügt und dennoch ohne lästige Einschränkungen seinen Bewohnern exklusiven Wohnkomfort bietet.« In jeder Hinsicht außergewöhnlich, wurde das Haus um eine zentrale Mittelsäule mit Treppe und Installationsschacht in Skelettbauweise aus Holz errichtet. Die Glas- fassade des Hauses dreht sich in die Sonne, wenn die Wärme benötigt wird, oder in den Schatten, um der Hitze zu entgehen. Solarkollektoren erzeugen Wärme für Warmwasser und Heizung. Selbst die Photovoltaikmodule zur Stromerzeugung richten sich nach der Sonne aus.
Das Nullenergiehaus in Chicago und das Heliotrop in Freiburg sind Beispiele außergewöhnlicher Architektur. Die Ideen und Techniken können wir aber in jedem Haus verwirklichen! Es ist einfacher, energieeffiziente Gebäudestrategien in einem Neubau einzuplanen, als sie nachträglich in einem bestehenden Gebäude umzusetzen.
Ein Nullenergiehaus zu bauen, ist zwar ein umfassendes Projekt, doch Architektur, die erneuerbare Energien nutzt, muss nicht mehr kosten, zumindest nicht auf lange Sicht. Werden beim Hausbau eine sinnvolle Ausrichtung, eine gute Be- und Entlüftung und eine angemessene Wärmedämmung berücksichtigt, so wird wenig Energie verbraucht und spürbar auch weniger Geld.
Intelligente Haustechnik
Welche positiven Auswirkungen hätte es auf Ihr Leben, wenn Ihr Haus denken könnte? Intelligente Haustechnik senkt unseren Energieverbrauch und steigert die Sicherheit des Hauses sowie die individuelle Unabhängigkeit seiner Bewohner. Dank digital programmierter Systeme regulieren sich Häuser selbst und überwachen und steuern wir unsere Wohnumgebung leichter. Seien es die Fenster, die sich ferngesteuert öffnen lassen, um den Raum zu belüften, seien es Geräte, die sich abstellen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, oder die Waschmaschine, die sich individuell programmieren lässt.
Beim digitalen Sicherheitssystem, beim Brand- und Überschwemmungsschutz sowie bei Bewässerungssystemen funktioniert die automatische Steuerung sehr gut. Schon heute können wir mit einem Knopfdruck die Tür abschließen, eine Sicherheitsbeleuchtung einschalten und den Garten bewässern. Im Flur, gleich neben der Haustür zum Beispiel, lässt sich mit nur einem Schalter die Energieversorgung für das ganze Haus drosseln. Bei Abwesenheit wird das Licht ausgeschaltet und die Fenster schließen sich. Bei einer Urlaubsreise fällt auch die Heizung in einen Schlaf und wacht rechtzeitig auf, damit wir es bei unserer Rückkehr wieder wohlig warm haben. Intelligente Haustechnik verbessert auch die Chance älterer und behinderter Menschen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – Notrufsysteme, der denkende Arzneikasten und der elektronische Hausschlüssel sind nur Beispiele spezieller Hilfsmittel.
Das unschätzbare Gefühl der Unabhängigkeit, das sich daraus ergibt, erhöht für Menschen, die andernfalls auf Pfleger und Hilfe angewiesen wären, die Lebensqualität und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. Noch sind die Steuerungssysteme teuer, aber die Bequemlichkeiten und Einsparmöglichkeiten werden sich herumsprechen, die Nachfrage wird steigen und infolge dessen werden die Systeme billiger.
Moderne Fertighäuser
Der Markt der Fertighäuser belebt sich wieder. Seit Jahrzehnten gibt es sie, die Häuser, die in hohem Maße vorgefertigt an der Baustelle nur noch aufgebaut werden und dann innerhalb kurzer Zeit bezugsfertig dastehen. Aber ihr Image war schlecht. Einfache Hütten ohne architektonischen Anspruch waren das, zumindest nach der gängigen Meinung. Schlecht verarbeitet, aus minderwertigen Baumaterialien und zum Teil auch schadstoffbelastet.
Diese Vorurteile geraten in Vergessenheit, und Fertighäuser werden im Einfamilienbereich immer beliebter. Die Herstellerfirmen haben aus ihren Anfangsfehlern gelernt. Es gibt sie immer noch, die Bausatzhäuser oder Ausbauhäuser, die kostengünstig sind, aber viel Eigenleistung erfordern. Der Trend jedoch geht in eine andere Richtung: Moderne Ökohäuser mit hohem Anspruch an die verwendeten Materialien und das Design, bestens gedämmt, mit modernsten Heiztechniken und flexibel im Hinblick auf die wechselnden Bedürfnisse der Nutzung sind gefragt. Und die Vorzüge eines Fertighauses, wie der hohe Vorfertigungsgrad, die kurzen Bauzeiten und die individuellen Anpassungsmöglichkeiten, sind nicht von der Hand zu weisen. Fertighäuser haben sich mit ökologischen Konzepten ihren Platz am Markt zurückerobert! Wer sich heute für den Bau eines Fertighauses in Holzbauweise entscheidet und bei der Heiztechnik erneuerbare Energien einsetzt, trägt zum Klimaschutz bei, denn Holzhäuser entlasten die Atmosphäre von CO2, wie Ökobilanzen der Holznutzung belegen.
Hollands schwimmende Häuser
Holland rüstet sich für den Klimawandel. Wenn der Meeresspiegel durch das Abschmelzen des Grönlandeises ansteigt, werden weite Teile der Niederlande unter Wasser stehen, denn ein Drittel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. So wundert es nicht, dass einige Gemeinden bereits Wassergrundstücke verkaufen.
Maasbommel bei Arnheim ist eine von den Gemeinden, die bereits jetzt im Hochwassergebiet liegen. Was liegt näher, als eine »Floating City« zu errichten? Eine Wohnsiedlung mit knapp 50 Häusern, die bei einer Flut einfach auf dem Hochwasser schwimmen. Rostfreie Stahlstützen stehen an Land oder im flachen Wasser. An ihnen sind die Gebäude befestigt. Wasserstandsveränderungen bis zu 60 Zentimetern gleichen sie problemlos aus. Erst bei größeren Schwankungen wird die Verankerung gelöst, und das Gebäude schwimmt. Die »Amphibiengebäude « werden durch flexible Leitungsrohre mit Energie und Wasser versorgt. Mehr als zwei Drittel der Häuser sind von der Baufirma Dura Vermeer bereits fertiggestellt und werden bewohnt. Statt grünem Vorgarten bleibt den Besitzern der Blick aufs (noch) ruhig plätschernde Wasser. Die schwimmenden Häuser sind eine Vorsorgemaßnahme gegen den Klimawandel und die sich ändernde Welt!


