care&click: Gibt es eigentlich umweltschonende Kameras oder Fotostudios?
Jochen Braun: Man nimmt an, dass die digitale Fotografie umweltfreundlicher ist. Jedoch bleibt offen, wie umweltschonend diese bei der Herstellung sind. Und jeder Computer braucht ja bekanntlich Strom und dieser kommt aus der Steckdose. Während des Studiums hatten wir alle Holzrahmen, die bei der Findung eines Motiv für eine Aufnahme mit einer Großformatkamera helfen sollten, bevor man das tonnenschwere Gerät positioniert – Ich denke umweltfreundlicher geht es nicht – Take a picture in your head!
Wo genau ist die Bildreihe, die Sie auf care&click zeigen, entstanden und was zeigt sie?
Die Serie Pisco Sour ist in Santiago de Chile und in Skigebieten bei Santiago de Chile entstanden. Sie zeigt Snowboarder, Berglandschaften und Details aus deren Leben als Snowboarder. Es ging darum eine Verbindung zwischen den Bergen und der urbanen Landschaft herzustellen.
Wie muss ich mir so einen Shoot in den Bergen oder im Grünen wie bei Ihrer Beauty-Reihe vorstellen?
Eine batteriebetriebene Blitzlampe sorgt für das gleichbleibende Licht auf den Portraitierten, die Hintergründe sind alle vorher recherchiert und speziell für die Serie ausgewählt.
Sport und Sportplätze in der Natur sind auch ein Thema bei Ihren persönlichen Arbeiten der Reihe „Reminiscence of Youth“. Was genau reizt Sie daran, Sport- und Sportmöglichkeiten unter freiem Himmel zu fotografieren?
Die Serie erinnert mich an meine Kindheit und Jugend, in der ich viel Sport betrieben habe. Während die Sporthalle eigentlich der Ort des Hauptgeschehens beim Kunstturnen war, gab es doch immer wieder Anlässe, bei denen man auch im Freien aktiv war – und bei dieser Serie handelt es sich um Fotografien dieser Orte.

(c) Pisco Sour, Jochen Braun www.jochenbraun.com
Würden Sie sagen, dass Outdoor-Sport eine intensive Naturwahrnehmung ermöglicht und lässt sich das mit Verantwortung gegenüber unserer Landschaft, zum Beispiel den Bergen vereinen?
Ich betreibe immer noch nur eine begrenzte Menge Outdoor-Sport, die meiste Zeit verbringe ich mit Sport im Fitnessstudio oder im indoor Pool. Dies liegt daran, dass ich in London wohne und indoor Sport einfacher zu betreiben ist als outdoor Aktivitäten.
Outdoor-Sport ist eine wunderbare Sache, meiner Meinung nach aber konzentriert man sich mehr auf die körperliche Tätigkeit als auf die Natur und mit Verantwortung gegenüber der Landschaft hat sie gar nichts zu tun. Speziell Sport in den Bergen wie zB. Skifahren, hat eher negative Auswirkungen auf die Natur als auf den Menschen.
Welche Rolle spielt denn die Landschaft heute in Modefotografie und Werbung? Ist sie eher Kulisse oder Protagonist?
Sie ist die Kulisse ohne die ein Protagonist im Einzelfall nicht auskommt – Das ist alles vom jeweiligen Konzept abhängig, jede Pauschalisierung wäre gelogen!
Gibt es aus Ihrer Perspektive in den letzten Jahren verstärkt grüne Werbung für Unternehmen?
Der Umweltschutz hat sicher mehr Platz im Bewusstsein der Menschen eingenommen, da die negativen Aspekte der Umweltverschmutzung immer bedrohlicher werden. Somit bleibt den Werbern sicher nichts Weiteres übrig, als die Interessen der Konsumenten in der Werbung aufzugreifen und zu behandeln. In England scheint mir Umweltbewusstsein noch unterentwickelt zu sein im Vergleich zur vorbildlichen Haltung Deutschlands! Dennoch steht unter den meisten Emails heute, ich soll mir bitte zweimal überlegen, ob ich diese ausdrucke, da jeder Ausdruck ja der Umwelt schadet!!
Wo geht Ihre nächste Fotoreise hin?
USA...voraussichtlich und auch nach Deutschland. Das ist ja aus London auch schon eine kleine Reise!
Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch.


