Das von Boles gewünschte Endprodukt heißt Butanol. Der Alkohol mit mehr Kohlenstoffatomen wäre dem bisher äußerst umstrittenen Biosprit aus Ethanol mit höherem Wirkungsgrad und leichterer Verwendung deutlich überlegen. Seit im Frühling dieses Jahres die Zukunftsmusik von Biosprit durch ethische, wirtschaftliche und technische Probleme eine Pause einzulegen schien, ist es um die Treibstoff-Diskussion ruhig geworden.
Nun macht Eckhard Boles, Professor am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Frankfurt, auf sich aufmerksam. Medienberichten zufolge forscht er an der Herstellung des effizienten Alkohols Butanol durch Pflanzenabfälle. Das gewünschte Endprodukt verfügt nicht nur über eine höhere Energiedichte, rund 80 Prozent von herkömmlichem Benzin. Zudem ist Butanol weniger wasserlöslich und aggressiv als Ethanol und damit leichter transportierbar.
Die Herstellung gleicht auf den ersten Blick der des bisherigen Ethanols. Eine Mischung aus Zucker, Wasser und Hefe wird unter Erwärmung wie bei der Biergärung zur Fermentation gebracht. Um jedoch Butanol gewinnen zu können müssen andere, vorzugsweise genetisch veränderte Hefearten verwendet werden. Zudem ist die Gewinnung mit Nebenprodukten wie beispielsweise Ethanol oder dem Industrieprodukt Aceton verbunden.
Naturabfälle und Kulturwälder als Rohstoffquellen
Die Diskussion um Biosprit und der ethische Konflikt Nahrungsmittel wie Weizen oder Mais zur Treibstoffherstellung zu verwenden, hat die Forschung auf neue Wege gebracht. Ansätze wie der von Mikrobiologe Boles, der versucht aus Pflanzenabfällen Butanol zu gewinnen, gibt es jedoch schon seit längerem.
Biotreibstoffexperte Marcus Kosel zufolge wird bereits verstärkt an der so genannten Lignozellulose Forschung betrieben. Der Versuch aus Holz den Zelluloseanteil aufzuspalten, und für die Alkoholgewinnung zu nutzen wurde seiner Aussage nach in der Vergangenheit vor allem in Finnland, der Schweiz und Kanada vorangetrieben.
Der Biosprit aus Ethanol scheint sich demnach möglicherweise in einem Abwärtstrend zu befinden. Denn auch die großen Konzerne orientieren sich scheinbar um. In einem Interview mit der Fachzeitschrift Technology Review gab Philip New, Chef der speziell gegründeten BP Biofuels, an, sein Unternehmen habe der bisherigen Strategie von Biosprit aus Ethanol bereits abgeschworen. 2006 schloss sich der Konzern mit dem Biotechnologieunternehmen DuPont zusammen, um die Forschung für eine Technologie zur industriellen Butanolgewinnung voranzutreiben. Ein Jahr später investierte BP zudem 500 Millionen US-Dollar in einen auf zehn Jahre angelegten Forschungsplan mit der kalifornischen Berkeley Universität. Doch bislang, so Biotreibstoffexperte Kosel, sind noch keine Erfolg versprechenden Ergebnisse bekannt geworden.
Erfolgversprechende Forschung
Das könnte sich jedoch bald ändern, denn ein Problem bei der Treibstoffgewinnung aus Lignozellulose war die bisher hohe Energie, die bei der Aufspaltung der Lignozellulose aufgewendet werden musste. Eine Forschungsgruppe um Prof. Christian Kubicek vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der Technischen Universität Wien hat im Juni diesen Jahres einen Schimmelpilz genetisch decodiert, der den Abbau von Lignozellulose fördern soll.
„Bioethanol aus stärkehältigen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Mais oder Zuckerrohr ist – nicht zuletzt wegen der Konkurrenzsituation zum Lebensmittelmarkt - in ein ungünstiges Licht gerückt“, so Professor Kubicek in einer Erklärung seines Instituts. Der jetzt aufgeschlüsselte Schimmelpilz Trichoderma reesei könne bei der Aufspaltung der Lignozellulose behilflich sein, und so den Energieaufwand bei der Herstellung reduzieren. Biosprit könnte damit wieder zu einer ernsthaften Alternative werden, ohne mit moralischen Werten in Konflikt zu geraten.


