Nach Berlin, Hannover und Köln richten jetzt auch München, Frankfurt und weite Teile des Ruhrgebietes so genannte Umweltzonen in ihren Stadtgebieten ein. Dann dürfen nur noch, mit einer Plakette ausgestattete Fahrzeuge in die städtischen Sperrgebiet fahren. Wer dennoch ohne eine der roten, gelben oder grünen Markierungen im Gebiet unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 40 Euro sowie einen Punkt in Flensburg.
Damit wird versucht, die Belastung durch den gesundheitsschädlichen Feinstaub zu vermindern. Je nach Belastung werden den Fahrzeugen ähnlich dem Ampelsystem Farben zugeteilt. Wer eine grüne Plakette für seinen Wagen bekommt, darf sich sorgenfrei bewegen, rot und gelb markierte Fahrzeuge dürfen sich noch weitgehend ungestört fortbewegen. Ab 2010 wollen aber beispielsweise Berlin und Hannover nur noch grüne Plaketten in ihren Umweltzonen fahren lassen. Mit rot und gelb gekennzeichnete Autos bekommen dann ein Fahrverbot auferlegt.
Doch nicht alle Fahrzeuge erhalten die Lizenz für die Umweltzonen. Derzeit entsprechen in Deutschland rund 4 Prozent der Kraftfahrzeuge nicht den Plakettenstandards, beispielsweise Diesel-Fahrzeuge ohne Partikelfilter. Bis Ende 2009 werden Nachrüstungen wie der Einbau von Schadstofffiltern aber noch steuerlich gefördert.
Weniger Autos = bessere Luft?
Fraglich ist, ob die neuen Zonen wirklich zur Verbesserung der Luftverhältnisse beitragen können. Der Leiter des Lehrstuhls für Luftchemie und Luftreinhaltung, Prof. Dr. Detlev Möller, sieht keine wirklichen Vorteile. In seinem Gutachten „Einfluss der Umweltzonen auf die Luftqualität“ fand er heraus, dass sich die Luftbelastung an verkehrsreichen Straßen so um maximal zwei bis drei Mikrogramm Ruß verringern lasse. Dies habe „keine Bedeutung für die Gesamtfeinstaubbelastung“, so der Wissenschaftler.
Auch Manfred Breitkamp von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz ist skeptisch. Er gibt zu bedenken, dass ein Großteil der Belastungen auch vom Wetter abhängig sei. Bei Regen, so Breitkamp in der WELT online, werden die Partikel beispielsweise von den Tropfen aufgenommen und weggeschwemmt. Wind könne sie zudem verteilen und damit die Messungen trüben.
Für die seit 2008 bestehenden Zonen in Berlin, Hannover und Köln liegen noch keine relevanten Messdaten vor, da der Zeitraum zu gering sei, so Breitkamp. Wie erfolgreich das Projekt Umweltzone am Ende sein wird, bleibt abzuwarten. Die seit 2003 für die Londoner Innenstadt erhobene Mautgebühr hat beispielsweise den Verkehr in der englischen Hauptstadt stark verringert. Seitdem sind täglich 50.000 Fahrzeuge weniger im Stadtgebiet unterwegs. Einer Studie des Londoner King´s College zufolge habe sich die Luftqualität jedoch nicht verbessert. Dies wird unter anderem auf den gestiegenen Busverkehr zurückgeführt.


