Wir sind selbst für unser Vermögen verantwortlich, und wir haben vermutlich mehr als früher zur Verfügung, aber so viele Organisationen wollen unser Geld. Außerdem kostet es Zeit und Nerven herauszufinden, welche davon unser Geld am sinnvollsten verwenden werden.
Ein verantwortlicher Bürger mit dem Wunsch, etwas in der Welt zu bewegen, will schließlich wissen, wie er richtig spendet. Wer von uns das Glück hat, ein paar Euro entbehren zu können, beschleunigt den Fortschritt, indem er dieses Geld spendet. Man muss nicht reich sein, um wohltätig zu handeln. Es gibt bereits etliche hervorragende Systeme, die bescheidene Zuwendungen aufstocken, aus unzähligen kleinen Spenden Förderkredite zusammentragen und philanthropische Netzwerke aufbauen. Denken Sie daran: Nicht die Höhe der Spende zählt, sondern die Art, wie sie verwendet wird.
Hilfe zur Selbsthilfe – neue Regeln fürs Spenden
Es ist nicht der Mangel an Gelegenheit, der uns zögern lässt – es ist die Unsicherheit, ob unser Geld an der richtigen Stelle ankommt und dort entscheidende Veränderungen zum Besseren bringt. Die Wirkung bleibt uns meistens verborgen, vor allem, wenn wir nur kleine Beträge spenden.
Dennoch gibt es für uns Einflussmöglichkeiten mit einer Hebelkraft, die die geringste finanzielle Gabe im Laufe der Zeit vervielfacht. Nennen wir die Methode »Philantropie aktivieren«. Was verstehen wir unter diesem sperrigen Begriff? Ehrenamtliches Engagement und das Stiften von Geld für einen guten Zweck!
Eine gute Tat ist zum Beispiel die Vergabe eines Mikrodarlehens für einen Geschäftsaufbau, aus dem anschließend der Lebensunterhalt bestritten wird. Diese finanzielle Unterstützung ist kein Almosen, sondern eine »Hilfe zur Selbsthilfe«. Damit beginnt ein einfacher, aber wirkungsvoller Kreislauf. Ist es nicht ein schöner Gedanke, dass die zwei Milliarden Ärmsten der Welt durch ein kleines Startkapital (»seed money«) zu zwei Milliarden Existenzgründern werden und sich selbst versorgen können?
Hier ein paar praktische Tipps, damit Sie Ihr Geld sinnvoll einsetzen:
- Geben Sie den Ärmsten der Armen, für die schon die kleinste finanzielle Unterstützung eine große Entwicklungschance bedeutet.
- Geben Sie wenigstens 150 Euro, denn damit bewirken Sie schon viel und schenken Hoffnung.
- Fragen Sie sich selbst, ob Ihrer Meinung nach mit der Spende oder dem Darlehen eine Veränderung zum Besseren angestoßen wird.
- Denken Sie beim Spenden vorrangig global!
- Und fragen Sie nach, ob das Geld ohne Umwege und hohe Verwaltungskosten bei den Empfängern ankommt.
Viele Organisationen erleichtern uns die Suche nach geeigneten Projekten. Hier nur eine kleine Auswahl:
Oikocredit – in Menschen investieren
Oikocredit (www.oikocredit.org) hat seine Wurzeln in einer kritischen Auseinandersetzung junger, politisch engagierter Menschen mit der kirchlichen Entwicklungshilfe. Die Kirchen hatten ihr Vermögen bei Großbanken angelegt, die im Ruf standen, Kriege oder Waffenkäufe zu finanzieren oder die Apartheid zu unterstützen. Auf der Suche nach besseren Möglichkeiten kam es 1975 zur Gründung der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit. Die Ärmsten der Erde sollten mit sinnvollen Investitionshilfen gestärkt werden, den Grundstein für eine eigene Existenz zu legen.
30 Jahre später ist Oikocredit eine international anerkannte Organisation zur Entwicklungshilfefinanzierung, die Darlehen, Bürgschaften und andere Formen der Finanzierung an Projekte, Genossenschaften und Mikrofinanzinstitute vergibt. Die Projekte müssen auf einem vernünftigen wirtschaftlichen Konzept basieren, Arbeitsplätze und Einkommen vor allem in Entwicklungsländern schaffen und dürfen die Umwelt nicht schädigen.
Opportunity International
Mikrokredite sind derzeit in internationalen Kreisen der absolute Renner, aus einem verblüffenden Grund: Die Rückzahlquote bei Kleinstkrediten für Arbeiter in Entwicklungsländern ist höher als die Rückzahlquote bei großen Darlehen an deren Heimatländer. Mit anderen Worten, mit Blick auf den eigenen Profit ist es besser, einem bolivianischen Bauern Geld zu leihen als der bolivianischen Regierung. Mehrere gemeinnützige Organisationen, angefangen bei der Grameen Bank (www.grameeninfo.org) in Bangladesch, haben Pionierarbeit bei Mikrokrediten in großem Umfang und für große Investoren geleistet. Ein hilfsbereiter Bürger kann problemlos über die gemeinnützige Stiftung Opportunity International (www.oid.org) für eine breite Palette von Mikrokredit-Programmen Mittel zur Verfügung stellen. Die Organisation bietet seit 30 Jahren Mikrokredite an, schon bevor der Begriff Mikrokredit überhaupt erfunden war. Gleichzeitig schult sie die Kreditnehmer zu Themen wie Unternehmensführung und Gesundheit. Laut Opportunity International beinhaltet der ganzheitliche Ansatz außerdem die Integration der Menschen in eine Kreditnehmergruppe (Trustbank), deren 20 bis 30 Mitglieder (überwiegend Frauen) füreinander bürgen und die sich gegenseitig bei ihrer Geschäftsidee unterstützen.
Kleine Kreise mit großer Wirkung
Auch kleine Geldbeträge verhelfen einem guten Projekt zum Erfolg, vor allem wenn durch eine pfiffige Idee das Sammeln für eine größere Gabe so einfach wird wie bei den »giving circles«: Wir starten mit einer kleinen Spende und fragen unsere Freunde, Kollegen und Nachbarn, ob sie sich ebenfalls beteiligen. Den gesammelten Betrag übermitteln wir anschließend für einen wohltätigen Zweck an eine gemeinnützige Organisation.
Noch effektiver geht »One By One« (»Einer nach dem anderen«, www.fightfistula.org) vor. Die »giving circles« werden auf der Internetseite eingerichtet, und Freunde und Bekannte können via E-Mail zum Spenden ermuntert werden. »One By One« leitet das gesammelte Geld an die Kampagne der Vereinten Nationen zum Kampf gegen die Fistula (medizinisch für Fisteln) weiter (www.endfistula.org), eine Folgeerkrankung bei Frauen mit schweren, unbehandelten Geburtsverletzungen. Diese Verletzungen entstehen in armen, medizinisch unterversorgten Ländern durch zu frühe Schwangerschaften und Geburten.
Über 100 000 junge Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern erleiden jährlich so schreckliche Verletzungen, dass sie für den Rest ihres Lebens stigmatisiert sind und ausgegrenzt werden. Dabei kann eine einfache Operation das Leiden beenden. Aufklärung ist dringend nötig.


