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Montag, 08. März 2010 10:07 Uhr
Kategorie: Klima Leben, TopThema, WorldChanging

Von: AL, BA, SR/© KNESEBECK VERLAG

Richtig handeln und geniessen!

Wir sind noch weit weg von einer Ernährung, die nachhaltig ist und gesund für unseren Körper, unsere Gesellschaften und unseren Planeten. Während wir in der entwickelten Welt im Überfluss leben und unser Gewicht von Diät zu Diät kontrollieren, hungern nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (www.fao.org) 854 Millionen Menschen, und täglich verhungern über 20 000 Kinder.

WorldChanging

Die Landwirtschaft hat im letzten Jahrhundert eine Revolution erlebt. War die Feldbearbeitung früher mühsam und zeitaufwändig mit dem vom Ochsen gezogenen Pflug, so ist heute vieles durch die Nutzung der modernen landwirtschaftlichen Maschinen mehr oder weniger automatisiert. Besonders die Einführung der »Pflanzenschutzmittel« – eine freundliche Bezeichnung für Pestizide, Herbizide, Akarizide, Fungizide und wie sie alle heißen –, der »Kunstdünger« (mineralische Düngung) und die Massentierhaltung haben unsere Landwirtschaft und damit unsere Kulturlandschaft verändert. Kein Wunder, dass Kritiker die moderne Landwirtschaft als umweltzerstörend und klimaschädlich wahrnehmen. Der Maschinenpark eines modernen landwirtschaftlichen Betriebes säuft Diesel im großen Stil. Um eine Kalorie Nahrungsmittel zu erzeugen, werden erst einmal zehn Kalorien Energie verbraucht. Pestizide und Düngemittel belasten die Böden und das Grundwasser, wir Menschen speichern die Giftstoffe anschließend im Körperfett. Unerlaubte antibiotische Zusätze in der Schweine und Geflügelmast rufen Antibiotika-Resistenzen hervor, so dass bewährte Medikamente bei lebensbedrohenden Krankheiten plötzlich ihre Wirkung verlieren. Die Käfighaltung der Hühner und viele Formen der Massentierhaltung stehen im krassen Widerspruch zum Tierschutzgedanken.

 

Zu viel, zu fett, zu salzig, zu süß – unsere Ernährung ist unausgewogen, und unsere tägliche Kost wird für uns alle zum Gesundheitsrisiko. Unsere Essgewohnheiten passen schon lange nicht mehr zu unseren Lebens- und Arbeitsbedingungen: Wir arbeiten am Schreibtisch, fahren mit dem Auto, und wer verrichtet noch körperliche Schwerstarbeit? Dafür gibt es technische Hilfsmittel. Aber wir ernähren uns weiterhin so, als würden wir körperlich schwer schuften. Wen wundert es, dass in den entwickelten Ländern ernährungsbedingte Beschwerden auf dem Vormarsch sind? Die meisten Gesundheitsprobleme werden von einer kleinen Zahl chronischer Krankheiten verursacht, die mit unseren Ernährungsgewohnheiten in Zusammenhang gebracht werden können. Wohin führt das noch? Zusammen mit weiteren Risikofaktoren kann eine unausgewogene Ernährung nicht nur zu Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Allergien, Gicht oder Gallensteinen führen, sondern auch zur Entstehung bösartiger Tumore.

 

Zur Industrialisierung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelerzeugung entwickelt sich eine Gegenbewegung hin zu ökologischem und ressourcenschonendem Anbau, zu handwerklich verarbeiteten Nahrungsmitteln und zu einem anderen Bewusstsein für Genuss und Ernährung – denn unsere Nahrungsmittel sind in Wirklichkeit »Lebens«- mittel!

 

Slow Food

 

Warum kauft man nicht mehr auf dem Markt frische Waren ein, kocht anschließend zu Hause, setzt sich an den Tisch und isst und genießt in aller Ruhe? Warum trifft man sich nicht mehr mit der Familie und Freunden, unterhält sich, tauscht Rezepte aus und probiert ein neues Gericht aus? Weil es Fast Food gibt. Kaum jemand ist gegen die schnell sättigende Esskultur unserer Zeit immun geblieben, genauso wenig wie gegen die Hetze des Alltags.

 

Aber es gibt jemanden, der beschlossen hat, dass diese problematische Entwicklung eine Gegenreaktion erfordert. Gegen die Pläne von McDonald’s im Jahr 1986, die am Fuße der Spanischen Treppe eine Filiale vorsahen, startete der Römer Carlo Petrini einen Aufruf an alle Bürger der Welt, innezuhalten und der Ausbreitung der schnellen Küche Einhalt gebieten. So nahm die Gegenbewegung zu Fastfood ihren Anfang – Slow Food (www.slowfood.com).

 

Slow Food ist mittlerweile »eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten«, gemäß der Beschreibung der Non-Profit-Organisation. Eine verantwortliche Landwirtschaft wird gefördert und das traditionelle Lebensmittelhandwerk hochgehalten. Slow Food bedeutet vor allem auch, dass man bei Bauern aus der Region kauft und die Menschen dazu bringt, sich auf sich selbst und nicht auf Imbissketten zu verlassen, wenn es um ihre Ernährung geht.

 

Das Maskottchen der Slow-Food-Bewegung ist eine Schnecke. Nicht im Schneckentempo, sondern rasend schnell hat Slow Food die Welt erobert und 80 000 Mitglieder in 129 Ländern gefunden. Sie können ganz einfach dem Verein der »langsamen Esser« in Ihrer Heimatstadt beitreten oder eine eigene Gruppe gründen, wenn Sie dazu beitragen möchten, dass wir zu einer guten Esskultur zurückfinden.  


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