care&click: Erst einmal eine Frage vorweg, die uns auf den Nägeln brennt: Wie schafft man es Physik lustig zu machen?
Heinz Oberhummer: Naja, das grundlegende Problem ist doch, dass die meisten Leute ihren Physikunterricht in extrem schlechter Erinnerung haben. Eigentlich besteht aber ein sehr großes Interesse an der Wissenschaft, das nur leider in den Schulen nicht befriedigt wird. Aber nun, wie macht man das? Ganz einfach: Man muss es nur spannend und vor allem verständlich verpacken. Das Wichtigste dabei ist, dass man eben nicht nur Fakten erzählt. Das ist im Grunde auch das Konzept unserer Veranstaltungen. Wir erzählen etwas, dann kommt der Kabarettist, lockert die Leute auf und dadurch sind sie wieder aufnahmefähiger. Sie merken am Anfang gar nicht, was sie alles lernen.
Werner Gruber: Also ich fasse das jetzt nochmals kurz zusammen: Der Physikunterricht in Deutschland und Österreich ist einfach zu schlecht. Hätten wir einen besseren Unterricht, würden die Leute mehr davon verstehen und ganz schnell draufkommen, dass Physik einfach urgeil ist!
Aber was ist denn das „Geile“ an Physik?
Werner Gruber: Ganz einfach: Wenn Du einmal das Konzept der Physik begriffen haben, dann weißt Du, was alles passieren kann. Die Naturgesetze sind eines der wenigen Dinge auf dieser Welt, auf die man sich verlassen kann …
Heinz Oberhummer: ... naja, es gibt schon Leute, die auch daran zweifeln. Das sind dann die so genannten Esoteriker …
Werner Gruber: … ja gut, die gibt es schon auch. Aber das Schöne ist einfach, dass sie sich niemals ändern. Die Naturgesetze werden im Laufe der Zeit durch die Forschung zwar immer weiter verfeinert, aber wirklich ändern werden sie sich nie.
Ihr seid ja sehr erfolgreich, habt ihr dann das Naturgesetz der Lustigkeit gefunden?
Werner Gruber: Also ich als Neurowissenschaftler muss das ja fast sagen! Nein, wir verwenden das Konzept jedes Kabarettisten. Wir erzählen eine Geschichte, führen die Leute sehenden Auges in die Irre und klären sie dann auf, dass das eigentlich Blödsinn war. Das werden sie lustig finden. Das ist das Konzept des Witzes von der Neurowissenschaft. Im Ernst!
(Herr Oberhummer bittet einen Mitarbeiter des Tollwood Festivals um einen Kaffee, der ihn vor die Frage „Filter oder Cappuccino“ stellt. Da kommt bei unserem Reporter die Frage nach dem Kaffeetransport auf.)
Könnt ihr eigentlich als Physiker in Zeiten des Klimawandels noch guten Gewissens Kaffee trinken, wenn die Bohnen dafür um die halbe Welt geflogen werden müssen?
Werner Gruber: Jetzt reden wir mal über guten Kaffee und realistisch. Von gutem Kaffee versteht ihr Deutschen ja leider nicht so viel. Deswegen jetzt zum Klimawandel. Der kommt sowieso. Die Frage ist nur, was davon ist vom Menschen gemacht. Und das ist jetzt das Thema vom Heinz …
Heinz Oberhummer: … Natürlich gibt es da einen Zusammenhang zwischen dem Kohlendioxid Ausstoß auf der Erde und der Wärme. 5 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes kommen vom Menschen, 95 Prozent sind natürlichen Ursprungs. Das Problem ist jedoch, dass die Klimaforscher derart komplizierte Computersimulationen machen und dabei einfach sagen, der Mensch sei schuld am Klimawandel. Mit Sicherheit hat der Mensch Schuld daran, aber nicht ausschließlich. Es wird auch oftmals zu vereinfacht dargestellt. Beispielsweise wird immer die Rechnung aufgemacht, dass mehr Kohlendioxid gleichzeitig bedeutet, dass es wärmer wird. Es kommen aber noch sehr viel mehr Faktoren mit dazu, beispielsweise die Wirkung der Sonne oder des Vulkanismus. In den letzten 10 Jahren ist es zum Beispiel auch nicht mehr wärmer geworden.
Werner Gruber: Und man darf auch nicht vergessen, dass Klimaschutz ein super Geschäft ist. Gerade für die Industrie …
Heinz Oberhummer: … und es geht dabei um riesige Forschungstöpfe.
Werner Gruber: Ja, das natürlich auch. Aber realistisch gesehen wird der Klimawandel kommen, da muss man sich nur das Wetter der letzten 20 bis 30.000 Jahre ansehen. Da ist es immer wärmer und kälter geworden. Ich gebe euch aber vollkommen Recht, dass man nicht Lebensmittel um die halbe Welt fliegen muss, wenn sie doch daheim vor der Türe wachsen, zum Biespiel Obst und Gemüse. Es muss auch nicht jeder alleine in seinem Auto sitzen. Das braucht es nicht. Ob so aber der Klimawandel verhindert werden kann, wage ich zu bezweifeln.
Heinz Oberhummer: Was mich wirklich skeptisch macht, ist die Übertreibung und die Panik, die in diesem Zusammenhang verbreitet wird. Das hat zum großen Teil doch nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, wenn auf den Klimawandel schon Wetten abgeschlossen werden. Und es sollte uns zu denken geben, wenn immer mehr renommierte Wissenschaftler sich von dem IPPC-Report distanzieren, weil sie mit der Methodik nicht einverstanden sind und das nicht mehr mittragen wollen. Überall sonst in der Wissenschaft müssen die Daten offengelegt werden, …
Werner Gruber: … nur nicht beim IPPC-Report. Das ist doch unanständig!
Aber seht Ihr einen Unterschied im Umgang mit dem Klimawandel zwischen Deutschland und Österreich?
Werner Gruber: Na, überhaupt nicht. Da sind nicht nur die Regierungen, sondern auch die Medien absolut gleich eingestellt.
Wenn sich viele Leute durch den Klimawandel angeregt jetzt wieder mit Physik beschäftigen, dann profitiert ihr doch im Grunde davon, oder?
Martin Puntigam: Sie meinen wir sind Trittbrettfahrer des Klimawandels? Nein, nein, wir versuchen das Ganze so kolportagehaft wie möglich darzustellen. Und man muss dazu sagen, dass wir ja auch über sehr viele andere Themen referieren. Wir hatten in den letzten zweieinhalb Jahren insgesamt 24 Programme. Da würden wir ja dann so gesehen jedes Mal zu jedem Thema Trittbrett fahren.
Gut, aber jetzt hätten wir dann doch noch gern von euch jeweils einen Tipp, wie man im Alltag zum Klimaschutz beitragen kann …
Werner Gruber: Also ich bin dafür, dass man in Aktien von Klimaanlagen investieren sollte. Denn wärmer wird’s ja eh, egal was wir tun. Das ist bestimmt eine sichere Geldanlage.
Martin Puntigam: Winterschlaf trainieren!
Heinz Oberhummer: Ich glaube, dass man als Einzelner wenig tun kann. Klar kann man übermäßigen Energieverbrauch vermeiden, aber wirkliche Auswirkungen haben vor allem Maßnahmen der Industrie. Die sind eigentlich gefragt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das 2007 gegründete Trio Science Busters besteht aus den Wiener Physikprofessoren Heinz Oberhummer und Werner Gruber sowie dem Kabarettisten Martin Puntigam. Unter dem Motto „Topwissenschaft und Spitzenhumor müssen keine Feinde sein!“ versuchen sie, Wissenschaft durch Humor für eine breite Öffentlichkeit zu kommunizieren.
http://www.tollwood.de/winterfestival-2009/weltsalon/
Das Tollwood Festival findet noch bis zum 31.12.2009 auf der Münchner Theresienwiese statt.



ancalime schrieb am 13.12.2009 18:35
... (Fortsetzung)
Aber vielleicht meint Herr Gruber ja auch die Hersteller von Solar- und Windkraftanlagen? Ich glaube nicht, dass man diese als "die Industrie" im Allgemeinen bezeichnen kann und dass sie einen so großen Einfluss auf die Klimaschutzpolitik haben wie manch andere Unternehmen und Lobbygruppen.
Ich würde mich auch sehr freuen, wenn diese in der nächsten Zeit sehr viel zu tun hätten. Denn egal wie groß der Einfluss des Menschen auf das Klima denn genau sein mag, es ist doch auf jeden Fall besser, so wenig Co2 zu produzieren, wie möglich! Denn die Wirkung von Co2 auf das Klima wird von Gruber & Co wohl hoffentlich nicht bestritten.
Grubers Vorschlag, in Aktien von Klimaanlagen zu invesiteren um zum Klimaschutz beizutragen ist dagegen einfach nur traurig.
ancalime schrieb am 13.12.2009 18:30
Kurz vorweg: Ich stimme uriuri vollkommen zu! Ich kenne mich zwar nicht bis ins Detail mit dem IPCC-Report aus, halte ihn aber für absolut glaubwürdig und eher vorsichtig in seiner Ausdrucksweise.
Eine Frage hätte ich an Herrn Gruber: Im Interview sagt er: "Und man darf auch nicht vergessen, dass Klimaschutz ein super Geschäft ist. Gerade für die Industrie". Auf welche Weise soll denn "die Industrie" vom Klimaschutz besonders profitieren?
Schließlich ist es doch gerade "die Industrie" die sich am heftigsten dagegen wehrt, strengere Richtlinien umzusetzen. Man sehe sich hierzu beispielsweise die Einstellung der großen Automobilhersteller und deren Lobby zu Themen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen und vor allem Vorgaben zur Effizienzsteigerung der Motoren (und damit Verringerung des Co2-Ausstoßes pro Kilometer) an!
Und was ist mit all den Plänen der Energieunternehmen, weitere Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen? Hier geht es doch bestimmt nicht um Gewinne durch den Klimaschutz...
uriuri schrieb am 13.12.2009 17:04
Was Ihre Bemerkung zur Sonne und dem Vulkanismus betrifft: Die werden sehr wohl behandelt und mit eingerechnet! Betrachten Sie z.B. Abb. 2.4 aus dem AR4 Synthesis Report: www.ipcc.ch/graphics/syr/fig2-4.jpg. Da wird auch die Änderung der Sonneneinstrahlung eingerechnet (Rote Balken stehen für erwärmende, blaue für abkühlende Wirkung). Vulkanismus kann eine Rolle spielen, aber nur über sehr kurze Zeiträume, deshalb wird das hier nicht eingerechnet. Fürs langfristige Klima sind Vulkane unerheblich, es sei denn, es gebe auf der Erde alle paar Monate einen großen Vulkanausbruch.
Wissenchaft verständlich darstellen, ist eine tolle Sache! Wenn schon, dann aber bitte korrekt und sachlich.
uriuri schrieb am 13.12.2009 17:03
Die Wahrheit ist, dass die Berichte den Konsens aller Klimaforscher darstellen und daher so vorsichtig wie möglich formuliert werden. Die große Mehrheit der Forscher (etwa ein paar 1000 Personen) stimmt dem zu, hat sogar mit eigenen Papers dazu beigetragen. Wenn dann ein dutzend Skeptiker sich dagegen aussprechen, fällt das kaum ins Gewicht, zumal diese oft nicht einmal als Klimawissenschaftler tätig sind. Es ist einfach falsch, zu behaupten, die Methodik sei zweifelhaft.
uriuri schrieb am 13.12.2009 17:01
Und was die IPCC-Berichte angeht (Sie scheinen den Namen des "Intergovernmental Panel on Climate Change" ja nicht mal zu kennen, wenn Sie IPPC sagen): Die Methoden und Analyseverfahren der Wissenschaftler sind in den einzelnen Papers transparent dargestellt und können nachgelesen werden. Der IPCC-Bericht stellt nur eine Zusammenfassung der vielen Papers da, die sich damit beschäftigen. Ob die Messdaten selbst offengelegt werden, bleibt dem jeweiligen Experimentator überlassen und ist in der Regel nicht der Fall, in anderen Gebieten der Physik wie hier. Warum Sie deshalb aber die Arbeit Ihrer Kollegen aus der Meteorologie denunzieren müssen, verstehe ich nicht. Gehen Sie doch mal ans meteorologische Institut einer Uni in Deutschland oder Österreich (z.B. der Uni Wien: www.univie.ac.at/IMG-Wien/) und fragen Sie die Wissenschaftler dort, wie viele von ihnen den IPCC-Bericht ablehnen!
uriuri schrieb am 13.12.2009 17:00
An die Herrn Physikprofessoren: Natürlich bringt es nichts, wenn die Menschen der Klimaproblematik mit Panik begegnen. Dass der einzelne nichts tun kann, ist jedoch falsch! Gerade wenn die Industrie ein Hauptverursacher ist, so liegt es doch am Konsumenten, den Produzenten klar zu machen, dass für sie Umwelt und Klima ein wichtiges Thema ist.
Jeder einzelne kann über Demos, Unterschriftenaktionen oder einfach das eigene Kaufverhalten Druck ausüben! Schon zu Ökostrom gewechselt? Zu resignieren und die Aufgabe an "die Insdustrie" abgeben, heißt verdrängen und es sich so bequem wie möglich machen. Aufklären und wachrütteln ist gefragt!