care & click charity

ich bin neu hier - jetzt anmelden

Anzeige



Mittwoch, 03. Februar 2010 10:01 Uhr
Kategorie: Klima Leben, Dossier, TopThema, WorldChanging

Von: SR/© KNESEBECK VERLAG

Ökohaus Urca

In Urca, einem Stadtviertel des brasilianischen Rio de Janeiro, unweit des Strands und des Zuckerhuts, führte die Architektin Alexandra Lichtenberg ein Renovierungsprojekt durch, bei dem umweltfreundliche Prinzipien auf ein durchschnittliches Stadthaus angewendet wurden.

WorldChanging

Das Projekt illustriert, dass nicht nur teure Luxusresidenzen oder abgelegene Häuser ohne Stromanschluss umweltfreundlich werden können. Das Ökohaus Urca beweist, dass jeder willige Durchschnitts- Hausbesitzer in einem ganz gewöhnlichen Stadtviertel sein Haus ökologisch umbauen kann.

 

Das Projekt sollte für die Hausbewohner eine umweltfreundliche Umgebung schaffen und als Versuchshaus für die Evaluierung von Komfortstufen ökologisch fortschrittlicher Häuser mit hocheffizienten Belüftungs-, Wasser- und Beleuchtungssystemen dienen. Das Ziel der Architektin war es, einen Komfort zu schaffen, der den eines konventionellen Hauses erreicht oder übertrifft, und gleichzeitig die Ökologie des Gebäudes zu verbessern. Das Haus in Rio dient mittlerweile weltweit als Vorbild für umweltfreundliche Häuser in feuchtwarmen Klimaten.

 

Die folgenden Maßnahmen des Öko- haus- Umbaus sind für Hausbesitzer zu minimalen Mehrkosten zu haben. Die meisten lassen sich in einem bestehenden Gebäude ebenso leicht umsetzen wie in einem neuen:

 

Regenwasserzisterne

Das Regenwasser läuft vom Dach und von der Veranda durch einen mechanischen Schwerkraftfilter und sammelt sich in einer Zisterne. Anschließend wird das Wasser zur Wiederverwendung in einen Tank gepumpt, der oben auf dem begrünten Dach steht. Von dort gelangt es über die Schwerkraft in die Toiletten, das Gartenbewässerungssystem sowie die Hähne für das Wasser, das nicht als Trinkwasser dient. Im ersten Jahr deckte dieses System 28 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs im Ökohaus ab.

 

Abwasseraufbereitung

Selbst die überzeugtesten Umweltschützer scheuen bisweilen davor zurück, sich um das Abwasser und das Grauwasser zu kümmern (das Wasser also, das im Waschbecken, in der Dusche und der Waschmaschine, nicht aber für die Toilette benutzt wurde). Dank einer ganzen Reihe gut durchdachter kompakter Abwasserreinigungssysteme ist aber die Wiederverwendung des Wassers in Haushalten einfach und sauber. Das brasilianische Unternehmen Mizumo stellte für das Ökohaus-Projekt von Urca ein Testsystem zur Verfügung. Die Anlage, für kleine städtische Wohneinheit konzipiert, misst 1,2 mal 2,6 mal 2,1 Meter. Sie stellt Wasser für die gleichen Zwecke bereit wie das Regenwassersystem. Dieses Wasser durchläuft, ehe es in den Tank auf dem Dach gepumpt wird, eine Filterung durch Sand und UV-Licht, die Verunreinigungen beseitigt.

 

Passive Kühlung

Das passive Wärmen und Kühlen eines Hauses erreicht man am besten durch eine wohldurchdachte Ausrichtung. Bei bestehenden Gebäuden kann man die passiven Techniken auch anders nutzen, etwa durch die strategische Pflanzung von Bäumen, die Schatten geben, die Verlängerung der Dachgesimse, überhängende Dächer und spezielles Fensterglas. Wenn die Außenmauern, die Fenster und das Dach eines Hauses kühl gehalten werden, indem sie das direkte Sonnenlicht zurückstrahlen oder ihm gar nicht erst ausgesetzt sind, bleibt es auch innen ohne Klimaanlage oder andere energieintensive Geräte kühl.

 

Begrünte Dächer und Fassaden

Im Ökohaus wurde das Dach aus Keramikziegeln durch ein begrüntes Dach ersetzt, das überwiegend mit Gras und Kräutern bewachsen ist. An die Nordwestfassade des Hauses montierte man ein Aluminiumspalier für einen dicht wachsenden Wein. Der Wein bildet einen Schutzschild, indem er das direkte Sonnenlicht, das andernfalls auf die Wände fallen würde, absorbiert.

 

Natürliche Belüftung

Am einfachsten lässt sich eine natürliche Belüftung beim Bau eines Hauses durch Fenster und Oberlichter einplanen. Beim Umbau zum Ökohaus änderte die Architektin den Grundriss, um eine natürliche Belüftung zu erreichen. Die Luftzirkulation ist extrem wichtig, nicht nur, um die Heiz- und Kühlkosten zu senken, sondern auch für die Gesundheit der Bewohner. Der ständige Zustrom frischer Luft verbessert die Atmosphäre in der Wohnung, so dass es niemals stickig ist.

 

Erneuerbare Energie

Zwei Solaranlagen bereiten im Ökohaus das gesamte Warmwasser. Beide sind passive »Thermosiphon« - Anlagen, die sich der Schwerkraft bedienen und damit das Pumpen des warmen Wassers überflüssig machen. In vielen Systemen erwärmen Sonnenkollektoren auf dem Dach das Wasser, bevor es in einen Tank mehrere Stockwerke darunter fließt. Es muss anschließend zum Dach zurückgepumpt werden, wo es wieder erwärmt wird. In einer »Thermosiphon«-Anlage befindet sich der Tank auf dem Dach über dem Solarkollektor. Mit steigender Temperatur nimmt die Dichte des Wärmeträgermediums ab. Die Flüssigkeit steigt und sorgt für eine natürliche Konvektion, so dass eine passive Zirkulation in den Leitungen in Gang gesetzt wird. Im Ökohaus hat eine der beiden Solaranlagen eine unterstützende Stromquelle; die andere läuft ausschließlich über die Sonnenenergie.


Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

Um einen Kommentar zu schreiben, ist es nötig, eingeloggt zu sein. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie diesen unter Ich bin neu hier - jetzt anmelden einrichten.

 

Weitere Nachrichten, die Sie interessieren könnten

 



Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden