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Mittwoch, 27. Januar 2010 10:07 Uhr
Kategorie: Interview, TopThema

Von: FH

„Nicht jedes Schlauchboot braucht ein Paddel“

Gerade hat Florian Horwath sein neues Album „Speak To Me Now“ auf den Markt gebracht. Im Januar und Februar ist er mit “Element of Crime” auf Deutschland- und Österreich-Tour. Deren Frontmann Sven Regener lobt ihn als den „ersten österreichischen New-Folk-Star“. care&click hat mit ihm über sein neues Album gesprochen, über den Umweltschutz und darüber, wie es ist, Österreicher zu sein.

Bild: www.beatsinternational.com

 

care&click: In einer Beschreibung von dir steht: „Er ist dem deutschen Publikum in bester, lebhafter Erinnerung als barfüßigen Mischung aus Cat Stevens, Jesus und Abba“. Wir wird man denn dazu?

 

Horwath: Ich kann Abba was abgewinnen, Jesus auch und Cat Stevens sowieso. Nein, das hat möglicherweise mit dem Lied „When the Light came arround“ zu tun, das ja auch eine Reminiszenz an Cat Stevens ist. Und barfüssige spiele ich ganz gerne mal meine Konzerte. Es hat einfach eine andere Qualität, wenn man ohne etwas dazwischen auf dem Boden steht.

 

Du bist ja im Januar und Februar mit „Element of Crime“ auf Tour. Erträgt man die eigentümlichen Texte wirklich so lange?

 

Ja, auf jeden Fall und aus vollem Herzen. Für mich hat die Musik von „Element of crime“ so eine Wucht und eine Klarheit, da erübrigt sich jede Frage. Sie bringen Geschichten so verdichtet auf den Punkt, das halte ich lange aus.

 

Sven Regener hält ja große Stücke auf dich. Woher kennt ihr euch eigentlich?

 

Wir kennen uns aus Berlin. Wir sind uns lange Zeit immer wieder begegnet. Das hat sich dann immer mehr verdichtet und wir haben uns immer öfter einbezogen. Ich habe Sven dann unsere Musik vorgespielt, er hat viele weise Dinge gesagt, dann haben wir das Album aufgenommen und er hat es gemischt.

 

Wo siehst du die Schnittstellen zwischen deiner Musik und der von „Element of Crime“?

 

Ich denke, dass die Direktheit uns verbindet. Vom Klang her sind wir sehr unterschiedlich, aber ich habe das Gefühl, dass es dieses direkte Zugehen auf die Menschen ist, das wir gemeinsam haben. Dieses, sich nicht hinter Formalien und Attitüden zu verstecken, sondern einfach mit Musik eine Geschichte zu erzählen.

 

Als Österreicher bekommt man ja meistens sehr schnell den „Naturburschen“-Stempel aufgedrückt. Nervt das? Oder ist das vielleicht sogar eine Chance, sich für Umweltthemen stark zu machen?

 

Ja, daran ist Reinhold Messner schuld. Für mich ist das mit dem Naturburschen eher so, dass ich eine Verbindung zur Natur spüre und sie wahrnehme. Schon alleine das Wahrnehmen von Natur ist heute nicht mehr so einfach. Viele Wahrnehmungen verschwinden im urbanen Leben.

Aber es liegt mir nicht, gezielt auf etwas aufmerksam zu machen. Der Ausgangspunkt zur Veränderung ist jeder selbst. Und bevor ich große Kampagnen starte, muss ich schauen, was kann ich noch besser machen, was kann ich noch tun, wo kann ich noch mehr Kraft entfalten? Aber natürlich kann ich mit der Wahl der Themen meiner Songs Bewusstsein schaffen. Bewusstsein dafür, dass alles zusammenhängt und letztendlich auf einen zurückfällt. Das geht nur so, nicht über großes Geschimpfe und Parolen.

 

Wobei du ja in den Texten auf deinem neuen Album „Speak To Me Now“, das am Freitag erschienen ist, schon viele Elemente aus der Natur einbaust. Also doch der österreichische Naturbursche?

 

Ich kenne beides. Ich komme ja aus Innsbruck in Tirol. Von dort kenne ich sowohl die Nähe zur Natur als auch die absolute Verdrängung von Natur. Ich liebe die Berge, aber es ist nicht so, dass mich eine magische Kraft hinaufzieht. Aber in der Stadt ist man ja oft schon beeindruckt, wenn man mal vier Bäume sieht.

Die Bilder der Natur, die in meinen Texten auftauchen, sind reduziert auf sehr einfache, klare Bilder, die eine sehr deutliche Sprache sprechen. So haben sie für mich am meisten Kraft. Man muss nicht alles bis auf die Einzelteile zerlegen. Das fasziniert mich schon: Egal, was man tut, wie sehr sich die Menschheit auch aufplustert und die Natur verdrängt, man bleibt im Vergleich zum Lauf der Natur doch sehr klein.

 

Das Cover wirkt ja doch sehr naturverbunden. Wo ist das denn entstanden und wieso sitzt du in einem Schlauchboot? Und wieso hat es keine Paddel?

 

Das ist am Wörthersee entstanden. Dort, in einer kleinen Wetterstation, ist auch ein Großteil meiner Songs entstanden. Aber das war kein klassischer Prozess. Das hat sich in enger Zusammenarbeit mit der Fotografin einfach so ergeben. Das ist ja auch ein sanftes Zerrbild der Natur. Denn jetzt enthülle ich ein großes Geheimnis: Ganz so idyllisch sieht´s da gar nicht aus. Aber es ist, finde ich, schon ein inspirierender Ort. Und ein bisschen sagt das Bild das auch aus. Man sitzt verloren in einem Boot, ohne Paddel und fühlt sich ein bisschen wie ein Kind, auch wenn man der Situation eigentlich entwachsen ist, so wie ich dem Schlauchboot.

 

Aber das ist noch nicht deine apokalyptische Version von der großen Sintflut, oder?

 

Ja, kurz davor. Nein, nein, ist es nicht. Aber der Gedanke gefällt mir schon, dass jederzeit alles möglich ist. An so einem See kann das Wetter sehr plötzlich umschlagen von Sonnenschein auf Gewitter. Genauso gut kann morgen die Apokalypse vor der Tür stehen. Oder vor dem Schlauchboot stehen.

 

Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Schritt für einen erfolgreichen Naturschutz?

 

Wichtig ist, dass Bewusstsein entsteht, dass alles zusammenhängt und nicht endlos reproduzierbar ist; Eine Verbindung zu den Ressourcen. Man sollte einfach immer daran denken, wo kommen die Sachen her, was bedeutet das und welche Folgen hat das. Also zum Beispiel nicht nur an den Baum, der gefällt wurde, denken, sondern auch an das Tier, das darin gewohnt hat, die Landschaft, die sich dadurch verändert und damit letztendlich an den Menschen, der dort lebt. Alles kommt irgendwann zurück. In einer so ich-bezogenen Zeit ist es umso wichtiger, das transparent zu machen und sich das vor Augen zu führen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Tourdaten:

 

Florian Horwath
mit Element of Crime auf Tour:

25.01. München Tonhalle
26.01. Stuttgart Theaterhaus
27.01. Erlangen Heinrich-Lades-Halle
28.01. Leipzig Haus Auensee
29.01. Dresden Alter Schlachthof
30.01. Offenbach Capitol Offenbach
01.02. Köln Palladium
02.02. Bielefeld Ringlokschuppen
03.02. Bochum Jahrhunderthalle
04.02. Hannover Capitol
05.02. HH Alsterdorfer Sporthalle
06.02. Bremen Pier 2
07.02. Berlin Arena

 


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