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Mittwoch, 30. September 2009 09:40 Uhr
Kategorie: Klima Leben, TopThema, WorldChanging

Von: DOE, JM/© KNESEBECK VERLAG

Nachhaltige Unternehmensführung schafft Werte

Ein »gesundes« Unternehmen hat in einem »ungesunden Umfeld« langfristig keinen Bestand. Gewiss erwirtschaften Unternehmen Gewinne, während sie Luft und Wasser verschmutzen, die Landstriche plündern und die natürlichen Ressourcen verschwenden, aber sie können nicht unbegrenzt so weitermachen.

WorldChanging

Soziale Probleme und Umweltthemen wühlen die Geschäftswelt auf, zwingen Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen, ihre internen Abläufe, selbst ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. In dem Wandel entdecken anpassungsfähige Unternehmen aller Größen und Sektoren Gelegenheiten, konkurrenzfähiger und profitabler zu wirtschaften, indem Nachhaltigkeitsziele mit ihren Kerngeschäftsstrategien in Einklang gebracht werden. Viele Unternehmen kennen bereits die Kosten, die Standorte mit gravierenden Umweltproblemen verursachen: eine verstärkte Regulierung, teurere Bodenschätze, größere Schwierigkeiten, Fachkräfte anzulocken und zu halten.

 

Die Welt des Handels ist auf eine gesunde, natürliche Umgebung angewiesen. Die Systeme der Natur bieten der Wirtschaft ein Vermögen an greifbaren und nicht greifbaren Dienstleistungen – »kostenlose« Lieferungen im Wert von rund 33 Billionen Dollar im Jahr, sagen Experten im Millennium Ecosystem Assessment Synthesis Report. Dazu zählen etwa fruchtbarer Boden, frisches Wasser, saubere Luft, Bestäubung, Habitate für unzählige Arten, Bodenbildung, Schädlingsbekämpfung, erträgliches Klima und eine Fülle anderer Dinge, die wir oft für selbstverständlich halten.

 

Von diesen »Dienstleistungen der Natur« taucht keine einzige in den Bilanzen der Konzerne auf, aber ihre Verfügbarkeit, beziehungsweise das Fehlen, wirkt sich dramatisch auf die Finanzen aus. Zum Beispiel investieren viele Unternehmen in neue, effizientere Technologien, um die unvermeidliche Senkung der Kohlendioxidemissionen zu erreichen. Wenn die Dienstleistungen der Natur – in diesem Fall die Fähigkeit des Planeten, Emissionen der Industrie umzuwandeln und die Temperaturen auf einem erträglichen Niveau zu halten – überschätzt werden, dann geht das zu Lasten der Wirtschaft.

 

Unternehmensleitbild und Handlungsgrundsätze

 

In der Biologie spricht man vom »spezifischen Nestgeruch«, an dem das Jungtier sein Zuhause wieder erkennt. In gewisser Weise lässt sich dieses Bild auf ein Unternehmen übertragen.

 

Ein Unternehmen will auch für seine Mitarbeiter »unverwechselbar« im Sinne einer beruflichen Heimat sein. Es hat eine Identität, die sich in dessen Leitbild, Philosophie und der eigenen unternehmerischen Vision begründet. Das von den Mitarbeitern gelebte Leitbild zeichnet die spezifische Unternehmenskultur aus. Je größer die Identifikation mit dem Unternehmen, desto geringer die Fluktuation unter den Mitarbeitern, die zu ersetzen teuer wäre. Und wer sich mit etwas identifizieren kann, der hat »außen« etwas gefunden, das sich in den eigenen, »inneren« Werten wiederfindet. Ein so motivierter Mitarbeiter trägt nicht nur mehr zum gemeinschaftlichen Werk bei, sondern wirkt zudem als überzeugende Empfehlung auf interessierte künftige Mitarbeiter. Wem es gelingt, auf der Basis von Unternehmensleitbild und Handlungsgrundsätzen eine vom Einzelnen gelebte Unternehmenskultur zu entwickeln, der schafft nachhaltig Werte – für alle Beteiligten und das Unternehmen.

 

Handlungsgrundsätze, auch Code of Business Conduct genannt, beschreiben im Grundsatz den fairen Umgang mit Mitarbeitern, Aktionären, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit. Sie alle sind Anspruchsgruppen (stakeholder), die einen unterschiedlichen Einfluss auf die strategischen Ziele und die Entwicklung des Unternehmens ausüben. Der offene Dialog mit diesen Anspruchsgruppen (stakeholder dialogue) stellt sicher, die unterschiedlichen Erwartungen einschätzen zu können und diese in der Nachhaltigkeitsstrategie angemessen zu berücksichtigen. Der »faire Umgang« beschränkt sich also keineswegs nur auf interne Beziehungen, sondern gilt auch für externe. Die Integrität des Einzelnen im Auftreten, Verhalten, Handeln und im wertschätzenden Umgang miteinander wird zum wesentlichen Maßstab des Unternehmens bei der Wahrnehmung seiner gesellschaftlichen Verantwortung und für die Nachhaltigkeit seiner Kultur und Werte.

 

Wie wirken solche Handlungsgrundsätze? Was kann ich mir darunter vorstellen?

Es geht prinzipiell dabei um Führung, Fairness, Eigenverantwortlichkeit und vor allem Transparenz.

 

Aktuelle Beispiele wie Korruption, unlauterer Wettbewerb, Untreue oder Betrug mit der Folge von Unternehmenspleiten in Milliardenhöhe, wie die Beispiele ENRON oder World-Com in der Vergangenheit zeigten, sind Symptome, die in einem Milieu mangelnder Transparenz optimal gedeihen. Handlungsgrundsätze schaffen hier Klarheit und bieten eine grundsätzliche Orientierung. Eine gute Basis für solche Handlungsgrundsätze stellen die OECD-Richtlinien für internationale Unternehmen dar.

 

Als Führungskraft liegt es an uns, das Verständnis für solche Grundsätze zu fördern; als Mitarbeiter haben wir die Möglichkeit, diese zu fordern. In ihrer unternehmensspezifischen Ausführung sind sie für alle Mitarbeiter bindend und regeln wenigstens folgende Inhalte:

 

 

  • Der Geltungsbereich schafft Klarheit darüber, wo Handlungsgrundsätze ihre Anwendung finden. »Schlupflöcher« gilt es zu stopfen. Es gilt das Prinzip gleicher Rechte und Pflichten für alle, und das überall im Unternehmen.
  • Grundsätzliche Prinzipien regeln zum Beispiel den Umgang mit Informationen. Das sind Themen wie Insiderregelungen, Datenschutz und -sicherheit, Vertraulichkeit oder Dokumentation. Auch die Vermeidung von Interessenskonflikten wird hier angesprochen, wie sie zum Beispiel bei Nebentätigkeiten entstehen können oder bei der Nutzung von Firmeneigentum. Andere grundsätzliche Regelungen betreffen die Aufsicht und Kontrolle.
  • Die Einhaltung von Gesetzen ist ein übergeordnetes Gebot. Dies trifft auf nationale beziehungsweise internationale Rechtsvorschriften sowie nichtstaatliche Regelungen zu. Die »Integrität« eines Unternehmens lässt sich direkt an der Anzahl von Rechtsverstößen ablesen. Jeder trägt die Verantwortung für das Ansehen des Unternehmens.
  • Innenverhältnis – Für den Umgang mit Mitarbeitern gelten die Grundsätze der Chancengleichheit, Ehrlichkeit und des respektvollen Umgangs miteinander. Darunter fallen eine Reihe von Themen wie zum Beispiel Diskriminierung, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, Arbeitszeiten und -verträge, Vergütung oder Disziplinarmaßnahmen.
  • Außenverhältnis – Für den Umgang mit Aktionären, Geschäftspartnern und Öffentlichkeit gelten in ähnlicher Weise die Grundsätze für einen respektvollen und fairen Umgang gegenüber allen externen Anspruchsgruppen. Hierunter fallen insbesondere Themen wie zum Beispiel die Vermeidung von Annahme oder Gewährung von Vorteilen, aber auch Regelungen bei der Vergabe von Aufträgen oder Spenden.
  • Weitere Handlungsgrundsätze behandeln den Anspruch auf Mindeststandards in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Gesundheit. Es gilt hier das Prinzip der Vorsorge und der kontinuierlichen Verbesserung.
  • Eine nachhaltige Unternehmenskultur will gelebt sein und eignet sich deshalb nicht als Deckmantel. Umso wichtiger sind deshalb Handlungsgrundsätze für den fairen und offenen Umgang mit Beschwerden und Hinweisen (Whistleblowing). Jedem Mitarbeiter werden dadurch ein klarer Weg und die Möglichkeit aufgezeigt, wie er bei wem auf ein mögliches Fehlverhalten oder Missstände hinweisen kann.

 

Ein spezieller Aspekt unternehmensverantwortlicher Handlungsleitlinien betrifft die Lieferantenkette (Supply Chain). Die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten sind nicht nur komplex, sondern auch global und reichen oft in solche Billiglohnländer hinein, in denen vergleichsweise schlechte und unsoziale Arbeitsbedingungen herrschen. Ob Zwangs- oder Kinder- arbeit, ob gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen oder umweltbelastende Produktionsprozesse, all diese Faktoren stehen im Fokus der Unternehmensleitung, die sich nachhaltig ihrer unternehmerischen Verantwortung stellt.

 

Diese Verantwortung und Herausforderung haben insbesondere Handelsunternehmen als Chance entdeckt. Mit umfangreichen Warenkatalogen suchen gerade sie eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Wer hier einkauft, der setzt voraus, dass das Unternehmen sorgfältig sowohl Ware als auch Lieferanten überprüft hat. Ein von »Kinderhänden gefertigter Turnschuh« oder ein »mit Giftstoffen belastetes Spielzeug« wäre nicht nur unverkäuflich, sondern hätte neben wirtschaftlichen Einbußen auch eine kostspielige Beschädigung des Unternehmensimage zur Folge.

 

So haben sich 2004 zahlreiche Handelsunternehmen unter dem Dach des Europäischen Handelsverbands (Foreign Trade Association, kurz FTA) zusammengeschlossen und die BSCI (Business Social Compliance Initiative) gegründet, die sich für die Einhaltung weltweiter sozialer Mindeststandards einsetzt. Der Verhaltenskodex nimmt dabei Bezug auf verschiedene internationale Richtlinien (OECD), Konventionen (ILO) sowie staatengemeinschaftliche Erklärungen (UNO, UN Global Compact).

 


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