Auf der Suche nach dem von uns gewünschten Stil vergessen wir zu erfragen, wo das Material für den Esszimmertisch herkommt, wie sich das Polster der neuen Couch auf unsere Gesundheit auswirkt und wie viel Platz der Medienschrank später auf der Müllhalde einnehmen wird, wenn wir uns einen neuen kaufen.
Die Möbelbranche hilft uns da nicht weiter – sie lebt von unserem Durst nach Marken, unseren ständig wechselnden Vorlieben und der Gewohnheit, unsere Inneneinrichtung schon mit der Vorgabe zu kaufen, dass wir sie irgendwann erweitern, renovieren oder wieder hinauswerfen. Vor diesem Hintergrund ist es angeraten, vorauszudenken und etwas zu kaufen, das nicht nur vom Material her, sondern auch von unserem Geschmack her beständig ist. Vor dem Kauf sollten wir uns fragen: »Wollen wir das wirklich? Ist es bequem? Ist es nachhaltig und solide, und wird es in den nächsten fünf oder zehn Jahren Bestand haben?«
Zudem müssen wir uns klarmachen, dass nur sehr wenige Einrichtungsgegenstände nachhaltig, ja dass viele geradezu gesundheitsschädlich sind. Viele Leute merken nicht, dass billige Holzmöbel in Wahrheit überwiegend aus Spanplatten hergestellt sind, die Formaldehyd in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Diese Materialien geben in der Wohnung Gase ab, reizen die Atemwege und gefährden die Gesundheit. Möbel mit Schaumstoffpolsterung, etwa Sofas und Sessel, bergen eine andere Gefahr: Der Schaumstoff enthält Weichmacher und ist mit Flammschutzmitteln behandelt.
Solche Probleme gibt es nicht nur bei billigen Möbeln. Auch Designerstücke aus Kunststoff und Metall können giftige Anstriche oder andere Zusätze enthalten. »Exotische « Luxushölzer wie Teak und Mahagoni, die in Handarbeit zu teuren Möbeln verarbeitet werden, stammen meist aus gefährdeten Urwäldern in Myanmar oder Brasilien.
Die Öko-Möbeldesigner können von Glück sagen, dass Nachhaltigkeit in der Prioritätenliste der Verbraucher und der Möbelhersteller gleichermaßen nach oben klettert. Das Zukunftsinstitut in Kelkheim (www.zukunftsinstitut.de) hat 2007 in seiner Studie »100 Top Trends« den Öko-Chic als eine »wichtige neue Marschrichtung« ausgemacht. Nachhaltige Inneneinrichtung wurde schon in den vergangenen Jahren vermehrt nachgefragt, und die Designer haben mit einer großen Bandbreite an stilvollen und umweltfreundlichen Möbeln darauf reagiert. Da sie in ihren Entwürfen die spielerischen Elemente des zeitgenössischen Designs aufnehmen, verhelfen sie der Nachhaltigkeit zu der Attraktivität, die sie braucht, um in der Breite zu wirken. Mit der Wahl nachhaltiger Ausgangsstoffe– von Kork und Bambus über wiederverwertete Baustoffe bis hin zu neuen Materialien wie lichtleitenden Fasern – können die Designer der Umwelt einen Dienst erweisen und gleichzeitig das Möbeldesign weiterentwickeln.
Recycling-Möbel auf dem Vormarsch
Nicht jeder kann sich mit der Vorstellung anfreunden, seine Einrichtung von einem Gebrauchtwarenhaus zu beziehen. Doch immer mehr findige urbane Wiederverwerter zaubern aus gesammeltem und aufbereitetem Material Einrichtungsgegenstände, die mindestens so gut sind wie neue. So kann man einem Möbelstück heute kaum noch ansehen, ob es vom Gebrauchtwarenhaus kommt.
Scrapile (www.scrapile.com) ist das Möbelprogramm der Designer Carlos Salgado und Bart Bettencourt aus Brooklyn. Die Möbel sind zwar aus gebrauchtem Holz gefertigt, aber alles andere als schäbig. Die Designer fahren mit dem Lastwagen durch den Nordosten der USA und sammeln Sperrmüll ein, den sie anschließend in ihre Werkstatt bringen. Dort schichten und glätten sie das Holz und bringen so die vielfarbigen gestreiften Muster hervor, die typisch für ihre Arbeiten sind.
Das Ergebnis ist ein raffiniertes und einzigartiges Möbelstück, dessen Schichten von seiner Geschichte erzählen – ein Kaffeetisch könnte von einem alten Steinway-Flügel herstammen oder auch von den Bodendielen eines abgerissenen Vorstadthauses.
Ganz anders die frechen Metallmöbel von Kiwi Design in der Schweiz (www.kiwidesign.ch) oder der TrashDesignManufaktur in Österreich (www.trashdesign.at): Das Grundelement ihrer Möbel besteht immer aus einer Edelstahl-Waschmaschinentrommel, die aus dem Recycling stammt.
Erneuerbare, nachwachsende Werkstoffe
Wer sich den Kauf neuer Möbel in den Kopf gesetzt hat, kann Möbel aus schnell nachwachsenden holzähnlichen Rohstoffen kaufen, etwa aus Kokospalmen, Sorghum oder Bambus. Sehen Sie sich folgende Alternativen einmal an:
Durapalm (www.durapalm.com):
Das Holz der Kokospalme hat eine individuelle natürliche Musterung und die dunkle Färbung exotischer Hölzer. Kokosplantagen produzieren in Form »ausrangierter« Stämme eine enorme Menge an Ausschuss – die Palmen bringen 80 bis 100 Jahre lang Nüsse, doch danach werden sie gefällt und durch jüngere, ertragreichere Bäume ersetzt. Damit das gute Palmholz nicht weggeworfen wird, kaufen Holzhändler es mittlerweile auf, und findige Designfirmen verarbeiten es zu Möbeln.
Kirei (www.kireiusa.com):
Zuckerhirse (Sorghum bicolor) sieht man im Café eher selten neben dem Zucker stehen – manchmal dient sie in Sirupform als Süßmittel –, sie ist in Nordamerika und Europa im Anbau unüblich. In anderen Teilen der Welt dagegen zählt Sorghum zu den wichtigsten Getreidesorten. Nach der Ernte der Körner für Nahrungszwecke werden die Stängel entweder verbrannt oder entsorgt.
Für die Herstellung der neuartigen Werkstoffe der amerikanischen Firma Kirei werden nun die Abfälle aus der Sorghumernte verwertet, indem die Stängel mit einem ungiftigen Kleber unter Verzicht auf flüchtige organische Verbindungen gepresst werden. Dadurch reduziert sich der Abfall und darüber hinaus die Luft- und Wasserverschmutzung. Kirei schafft Arbeit für die Bauern auf dem Lande und hat zudem den Vorzug, dass es völlig anders aussieht als Holz. Aufgrund der stark gemusterten und abwechslungsreichen Oberfläche entstehen wunderschöne individuelle Stücke, seien es Stühle, Tische oder Schränke, Fußbodenoder Wandbeläge.
Plyboo (www.plyboo.de):
Die Massivholzplatten von Plyboo sind aus Bambus. Aus dem ausgedehnten Wurzelsystem der Bambuspflanze wachsen schnell und reichlich neue Triebe heraus. Deshalb ist das Gras ein rasch nachwachsender Rohstoff. Plyboo ist eine Verbundplatte aus Bambusstreifen, aus denen zuvor die Stärke herausgekocht wurde. Viele Designer, Baufirmen und Tischler verwenden Plyboo-Platten, weil sie eine gute Alternative zum allgegenwärtigen Sperrholz darstellen.
Farben und Lacke
Durch farbige Anstriche geben wir unseren Wohnungen einen persönlichen Touch. Aber ein neuer Anstrich riecht! Für uns bedeutet es, dass wir schädliche Dämpfe einatmen. Ob das nun leicht flüchtige Kohlenwasserstoffe oder die langsam ausdünstenden »Hochsieder« (das sind Weichmacher) als Lösemittel sind – sie können Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen und beeinträchtigen unsere Gesundheit. Beim Einkauf von Wandfarben oder Lacken sollte deshalb auf Umweltsiegel geachtet werden.
Der Trend zu gesünderen und umweltfreundlicheren Produkten ist auch bei den Farben angekommen. »Baubiologische«, gesündere Produkte sind in Ökoläden, aber auch in gut sortierten Baumärkten erhältlich.
Reine Mineralfarben auf Silikatbasis stellen eine schadstofffreie Alternative mit gesundheitlichen und technischen Vorteilen dar. Aber leider sind sie für unbedarfte Heimwerker nicht unbedingt geeignet und deshalb in den Baumarktregalen nicht zu finden. Sie gehen auf kalk- oder zementhaltigem Untergrund eine sehr gute chemische Verbindung ein. Die Beurteilung des Untergrundes sollten wir allerdings einem Fachhandwerker überlassen.


