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Montag, 19. Mai 2008 13:33 Uhr
Kategorie: WorldChanging

Von: DOE/© KNESEBECK VERLAG

Managementsysteme

Jedes Unternehmen hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck, verursacht diejenigen Umweltauswirkungen, die – vereinfacht gesagt – einerseits vom Geschäftsbetrieb und andererseits von der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung der Produkte (Lebenszyklus) ausgehen.

WoldChanging

Die Verknappung von Ressourcen, die Belastung der Umwelt führten in den 1990er Jahren dazu, dass Umweltmanagementsysteme international standardisiert wurden. Die bekanntesten Standards sind die europäische EG-Öko-Audit- Verordnung (EMAS II) und der internationale Industriestandard ISO 14001 (2004). Ähnlich den Qualitätsmanagementsystemen bieten auch diese Standards eine Überprüfung durch externe Gutachter an. Anders als beim ISO-14001-Standard enthält EMAS II eine Verpflichtung zur regelmäßigen Berichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit.

 

Welche Ziele verfolgt so ein Managementsystem, und welche Vorteile bringt es dem Unternehmen?

 

Das Ziel ist die effektive und effiziente Steuerung und Kontrolle von Unternehmensabläufen im Hinblick auf eine Optimierung der Umweltauswirkungen und die Einhaltung aller Rechtsvorschriften. Die Unternehmensleitung setzt strategische Ziele, die in die jeweiligen Unternehmensbereiche übersetzt werden. Diese Bereiche erarbeiten Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele und berichten wiederum an die Unternehmensleitung über den Fortschritt und die erreichten Ergebnisse. Neue Ziele werden gesetzt, der Kreislauf beginnt von neuem, und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess nimmt seinen Lauf.

 

Der Vorteil, sich mit einem solchen Managementsystem erstmals zu befassen, liegt sicherlich darin, dass man mit »anderen Augen« und »systematisch« an die Unternehmensabläufe herangeht und diese analysiert im Hinblick darauf, wie groß der eigene ökologische Fußabdruck ist und an welchen Stellen er verursacht wird. Die grundsätzlichen Fragen, die ein solches Managementsystem aufwirft, helfen einem, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verzetteln. Es geht um die wesentlichen Umweltauswirkungen und das, was man selbst kontrollieren, und erst in zweiter Linie darum, was man nur indirekt beeinflussen kann. Dabei werden auch Überlegungen angestellt, die in außergewöhnlichen Situationen, wie zum Beispiel bei Störfällen, entstehen können.

 

Wer nachhaltig denkt, der wird in diesem Zusammenhang seine Umweltziele nicht im Elfenbeinturm formulieren. Eine aufgeschreckte Öffentlichkeit würde schnell zu einem unangenehmen Nachbarn und umgekehrt, denn die Beurteilung der Ziele durch solche Gesprächspartner ist vielleicht eine ganz andere. Wer die »Wesentlichkeit « seiner Ziele mit externen Anspruchsgruppen diskutiert und abstimmt, der nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung wahr und gestaltet aktiv sein Umfeld. Es kommt dabei gar nicht darauf an, dass man die Wünsche und Erwartungen der externen Gruppen zu 100 Prozent erfüllt. Entscheidend ist es, dass die gesteckten unternehmerischen Ziele die richtigen sind. Und ein Ziel ist nur dann ein richtiges, wenn man die Risiken auf dem Weg zum Ziel richtig einschätzen und kontrollieren kann.

 

Weitere Standards seien an dieser Stelle nur kurz erwähnt:

 

  • Der am weitesten verbreitete Standard für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ist der OHSAS 18001 (Occupational Health and Safety Management).
  • Andere Managementstandards, wie der AA 1000, befassen sich mit der Verantwortung von Unternehmen gegenüber Anspruchsgruppen, das heißt der Förderung der ethischen, ökologischen und sozialen Gesamtleistung.
  • Der SA 8000 behandelt neben Sozialaspekten auch die Einhaltung und Kontrolle von sozialen Mindeststandards im Unternehmen und innerhalb der Lieferantenkette. (Siehe auch Handlungsgrundsätze.)

 

Berichte

 

Die Wirtschaft ist der zentrale Motor für gesellschaftliche Veränderungen, und sie erfasst alle Lebensbereiche der Bevölkerung. Umwelt und Soziales sind untrennbar miteinander verbunden. So haben wir eingangs gesehen, wie wichtig es ist, dass Unternehmen ihre Führungsaufgabe in der Wirtschaft verantwortungsvoll wahrnehmen. Leitlinien und Handlungsgrundsätze schaffen Klarheit, geben Orientierung und vermitteln Werte. Managementsysteme bieten Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten, Zustände im Unternehmen zu verbessern und neue Ziele zu erreichen.

 

Nachhaltigkeitsberichte sind ein Instrument der Rechenschaftslegung und dienen dem Nachweis der gesellschaftlichen Verantwortung. Sie berichten über den Fortschritt ökologischer und sozialer Entwicklungen im Unternehmen. Dies ist die konsequente Fortführung des Dialogs mit internen und externen Anspruchsgruppen. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen nimmt seit Jahren an Wettbewerben (Ranking) um den besten Umwelt-, Sozial- beziehungsweise Nachhaltigkeitsbericht teil. Diese Berichte stießen außerdem auf ein großes Interesse bei Kunden, Geschäftspartnern, Behörden, Finanzmärkten, Gewerkschaften, Mitarbeitern, Umwelt- oder Verbraucherorganisationen.

 

Ein guter, regelmäßig erscheinender und öffentlich zugänglicher Bericht zeichnet sich nicht durch die »schönste Verpackung« aus, sondern folgt den Grundsätzen der Richtigkeit, Wesentlichkeit und Vollständigkeit.

 

Die Global Reporting Initiative (GRI; www.globalreporting.org) ist der Herausgeber eines internationalen Leitfadens für Berichtsprinzipien und inhaltliche Anforderungen von Nachhaltigkeitsberichten. Die Berichtsprinzipien geben den Unternehmen vor, welche Qualitätskriterien sie bei der Themenauswahl und Datenerhebung berücksichtigen müssen. Die Anforderungen decken die Kategorien Ökonomie, Umwelt, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Gesellschaft, Produktverantwortung ab, die wiederum in zahlreiche Aspekte untergliedert sind.

 

Die Umweltaspekte (nach GRI), die in einem (Nachhaltigkeits-)Bericht behandelt werden sollen, sind hier beispielhaft aufgeführt:

 

  • Materialien und Rohstoffe:Welche Mengen werden im Unternehmen verarbeitet? Wie hoch ist der Recyclinganteil daran?
  • Energie: Wie hoch ist der Energieverbrauch? Welche Energieformen werden genutzt? Wie hoch ist der Anteil an erneuerbaren Energien?
  • Wasser: Wie hoch ist der Wasserverbrauch? Wird Regenwasser genutzt? Wie viel Abwasser wird erzeugt?
  • Emissionen: Wie hoch ist der Ausstoß von Treibhausgasen (CO2) oder anderen Schadstoffgasen (SOx; NOx)?
  • Abfall: Welche Mengen und welche Abfallarten fallen an? Wie hoch ist der Abfallanteil, der einem Recycling zugeführt werden kann?
  • Produkte und Dienstleistungen: Welche Initiativen gibt es, die Produkte umweltverträglicher zu gestalten? Welche Umweltdienstleistungen werden angeboten, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren?
  • Rechtsvorschriften: Gibt es Verstöße gegen Umweltgesetze? Wie hoch waren die verhängten Bußgelder?
  • Transport und Mobilität: Gibt es »Job-Tickets« für Mitarbeiter? Gibt es ökologische Kriterien für den Fuhrpark?

 

Der Trend zur nachhaltigen Unternehmensführung hat seinen Anfang genommen. Es liegt an uns, ganz gleich ob Unternehmer oder Mitarbeiter, daraus eine Massenbewegung zu machen. Als Unternehmer können wir diese Entwicklung fördern, als Mitarbeiter fordern. Gemeinsam nehmen wir es mit den ökologischen und klimapolitischen Herausforderungen auf.

 


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