care&click: Wie „grün“ kann Musik eigentlich sein?
Nun, wir denken, dass Musik ein großartiges Werkzeug ist, das Musiker benutzen können, um Botschaften mit einer enormen Reichweite zu kommunizieren. Wenn man das gut einsetzt, kann man der Welt wirklich helfen.
„Forro“ ist ja bekannt als Party-Musik, die den brasilianischen „way of life“ in ein romantisches Licht rückt. Wie lässt sich damit die Idee des Klimaschutzes verbinden?
Es braucht so wenig, um glücklich zu sein, aber die Leute machen es sich oft so schwer. Die Menschen von heute glauben, sie brauchen den neuesten Computer, das neueste Handy, das beste Auto, etc. Sie geben ihr Geld aus ohne nachzudenken. Dabei verschwenden wir viel und machen viel kaputt, um an diesen Wünschen festzuhalten, statt darüber nachzudenken, was wir bereits haben. Also: Warum „zünden wir nicht einfach eine Kerze an“ („Light a Candle“), schnappen uns denjenigen, der uns wichtig ist und tanzen in der Dunkelheit, romantisch im Mondschein an einen besonderen Ort? Wir haben so viele wundervolle Plätze auf der Erde…
Einer eurer Songs nennt sich „Silence is golden“. Darin heißt es „Stille erlaubt dir, zu Atem zu kommen, nachzudenken und deinen nächsten Schritt zu überdenken.“ Was wäre demnach der nächste Schritt zu einem erfolgreichen Klimaschutz?
Anhalten, darüber nachdenken, wo wir leben, wo unsere Kinder und Enkel aufwachsen werden. Darüber nachdenken, was wir diesem herrlichen Planeten angetan haben und was wir tun können, um das Schicksal zu ändern, das uns erwarten könnte. Wenn alle das wollen, können wir das schaffen.
Ihr habt sowohl das Leben in den USA als auch in Brasilien mitbekommen. Was können diese beiden Länder für den Klimaschutz voneinander lernen?
Wir denken nicht, dass weder das eine, noch das andere Land in dieser Beziehung gute Arbeit leisten. Die Politiker sind nicht bereit zu helfen, generell denkt die Menschheit nur an Geld und Macht. In beiden Ländern gibt es Menschen, die hart für eine bessere Welt arbeiten, aber sie müssen immer noch kämpfen, um etwas Gutes tun zu können. Wenn wir alle zusammen arbeiten können wir eine Veränderung erreichen, aber dazu muss jeder seinen Anteil leisten. Wir müssen behutsam mit unseren Ressourcen umgehen und neue, regenerative Alternativen zur Energiegewinnung nutzen, wie Solarenergie, Wind, etc.
So jetzt mal ehrlich: In Songs wie „Lilou“ oder „Anao de Jardim“ schont ihr eure Pifanos (traditionelle Holzflöte aus dem Nordosten Brasiliens) nicht gerade. Wie viele davon verbraucht ihr pro Jahr? Ist das nicht schädlich für den Regenwald?
Jorge Continentino (Pifano, Saxofon und Vocals): Das ist ein wirklich guter Punkt! Aber ich muss wirklich sagen, dass ich ein sehr „grüner“ Pifano-Spieler bin. Ich benutze nur eine Pifano für alles, das ich spiele. Manchmal bringe ich noch eine zweite ins Spiel, mit einem tieferen Register. In „Lilou“ benutze ich nur eine Pifano und in „Anao de Jardim“ ist es gar keine Pifano, sondern eine Alt-Flöte und eine „Ocarina“, ein Instrument aus Keramik – meine ist aus Argentinien.
Also diese spezielle Pifano benutze ich seit 1999, da habe ich sie aus Pernambuco, Brasilien, mitgebracht. Es ist sehr schwer, eine wirklich besondere zu finden. Wenn ich das getan habe, halte ich mich daran für immer und hoffe, dass sie niemals bricht! Wenn sie nicht bricht, kann sie für immer halten.
Jorge, vielen Dank für das Gespräch.


