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Montag, 19. Mai 2008 10:41 Uhr
Kategorie: WorldChanging

Von: AS, CS, JC/© KNESEBECK VERLAG

Landminen – neue Ideen zur Räumung in Sicht

Landminen zählen fraglos zu den schrecklichsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Die tödlichen und billigen Minen (in der Herstellung kosten sie nur zwei Euro) wurden in den Kriegsgebieten rund um den Erdball in großer Zahl ausgelegt.

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Dem US-Außenministerium zufolge liegen noch immer mehr als 45 Millionen Minen im Erdboden und warten darauf, dass jemand darauftritt. Der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen zufolge werden weltweit 1500 Menschen im Monat von Landminen getötet oder verstümmelt.

 

Die Landminen verursachen aber nicht nur körperliche Schäden. Meistens werden sie dort platziert, wo es besonders wahrscheinlich ist, dass Menschen vorbeikommen. Ackerland, das die hungrigen Menschen ernähren könnte, bleibt darum häufig unbebaut. Straßen und Wege, die Dörfer verbinden und einen lukrativen Handel erlauben würden, werden nicht genutzt. Städte, die den Menschen Unterschlupf bieten könnten, werden verlassen.

 

Das Entfernen der Landminen ist unglaublich schwierig und kostet bis zu 800 Euro pro Mine, wenn es von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt wird. Weil Landminen heutzutage überwiegend aus Kunststoff bestehen, lassen sie sich darüber hinaus nicht mit Metalldetektoren aufspüren. Einige Minen können von ausgebildeten Hunden erschnüffelt werden, doch die übliche Technik besteht darin, dass Minenräumer auf dem Bauch über den Boden kriechen und mit einem Minensuchgerät vor sich nach Minen suchen. Die verbreitetste Innovation im Bereich der Minenräumung im letzten Jahrzehnt ist – ein besseres Minensuchgerät.

 

Nach Auskunft der Vereinten Nationen wird es mehr als 1000 Jahre dauern und 22 Milliarden Euro kosten, um bei dem der- zeitigen Tempo alle Landminen, die bereits deponiert wurden, zu beseitige. Eine breite Ratifizierung des Antipersonenminen-Verbotsvertrags vorausgesetzt, werden die existierenden Landminen die letzten sein, um die wir uns sorgen müssen. Wenn es je einen Schauplatz für weltverändernde Innovationen gegeben hat, so ist es die Entwicklung besserer Techniken für die Minenräumung. Glücklicherweise sind bahnbrechende Ideen bereits in Sicht.

 

Der Minenwolf räumt schnell auf

 

Der Minenwolf ist, wie es das ReliefWeb der Vereinten Nationen formuliert, die »erste Minenräummaschine, die diesen Namen auch verdient«. Er kann das Land fast zehnmal so schnell räumen wie Konkurrenzgeräte und rund 200-mal so schnell wie Menschen, die mit Hunden und Minendetektoren arbeiten.

 

Dieser Durchbruch ist Heinz Rath zu verdanken, einem pensionierten deutschen Ingenieur, der das Räumen von Landminen ähnlich angeht wie die Ernte von Zuckerrüben – mit dem Unterschied, dass jenes weitaus gefährlicher ist. Der Minenwolf ist im Grunde ein stark modifizierter Traktor, der allerdings fast 700 000 Euro kostet. In der Stunde räumt er fast 2000 Quadratmeter.

 

Es ist die erste Minenräummaschine, die für humanitäre und nicht für militärische Zwecke entwickelt wurde. Statt eine Schneise für die vorrückenden Soldaten freizumachen, räumt der Minenwolf nach Kriegsende das Land für die Zivilbevölkerung. Doch damit man ein mit Landminen übersätes Gebiet wieder für den Ackerbau nutzen kann, braucht es mehr als das Räumen der Minen. Der Minenwolf übernimmt alle Umwandlungsschritte vom Minenfeld zum Getreidefeld. Er ist teils Panzer und teils Traktor, kämpft sich über das Terrain vor, bringt mit der Fräse Antipersonenminen und mit dem Schlegel Antipanzerminen zur Explosion. Der Fahrer sitzt derweil geschützt in einer explosionssicheren Kabine. Wenn ein Gebiet geräumt ist, werden die Räumgeräte durch Mulch- oder Baggeraufsätze ersetzt, um das Land zu kultivieren.

 

Dragon – ein Drache fackelt Minen ab

 

Was ist mächtiger als ein Wolf? Richtig – ein Drache. Der Minenwolf ist eine hervorragende Innovation, doch er hat ein Problem: Er entfernt die Minen, indem er sie aufbricht oder sprengt. Das Sprengen von Landminen bei der Räumung kann aber für die Menschen der Umgebung gefährlich werden.

 

Der Dragon, der von Disarmco, einer Spezialfirma für Minenräumung, und Sprengstoffexperten der britischen Cranfield University entwickelt wurde, ist eine pyrotechnische »Fackel«, die Landminen zerstört, indem sie sie ausbrennen lässt, statt sie zu sprengen. Ein Dragon kann an Ort und Stelle mit einem tragbaren Bausatz und Materialien aus der Umgebung hergestellt werden. Er ist so einfach zu bedienen, dass Zivilisten ihn ohne umfangreiche (und teure) Ausbildung oder die Aufsicht durch einen Spezialisten bauen und anwenden können.

 

Prototypen wurden im Jahr 2004 im Libanon getestet und im Mai 2005 in Kambodscha eingesetzt. Der Dragon hat zwar nicht so viele Funktionen zu bieten wie der Minenwolf, gleicht dies aber dadurch aus, dass die Minenräumung mit ihm günstig, einfach zu handhaben und für Mensch und Umwelt sicherer ist.

 

Mit Blumen auf die Minensuche

 

Wissenschaftler des dänischen Unternehmens Aresa Biodetection bedienen sich beim Aufspüren von Landminen der Natur. Beim Zersetzen der Sprengstoffe in den Minen wird Stickstoffdioxid in den Boden abgegeben. Aresa hat eine genetisch modifizierte Blume entwickelt (oder eher ein Unkraut), die die Farbe verändert, wenn ihre Wurzeln mit NO2 in Berührung kommen. Die Acker-Schmalwand wurde zuvor bereits so verändert, dass sie sich verfärbt – von Grün nach Rot oder Braun –, wenn sie widrigen Bedingungen wie extremer Kälte ausgesetzt ist. Nun veränderte Aresa das Erbgut der Pflanze lediglich dahingehend, dass die Farbveränderung auftritt, wenn die Acker- Schmalwand mit Stickstoffdioxid in Kontakt kommt. Die Pflanze wurde auch deswegen ausgewählt, weil sie in nur sechs Wochen keimt und wächst.

 

Das Unternehmen hat bereits Feldversuche unternommen; die Umsetzung könnte innerhalb der nächsten Jahre folgen. Obwohl es erst einmal abwegig erscheint, auf einem Minenfeld Pflanzen auszusäen, ist man bei Aresa überzeugt, dass Gefahren ausgeräumt werden können, indem man das Saatgut mit Flugzeugen ausbringt oder auf ausgewählten Minenfeldabschnitten konventionelle Aussaatmethoden anwendet.

 

Ein Minenfeld adoptieren

 

Jeder von uns kann bei der Beseitigung von Landminen helfen. Zunächst können wir unsere Regierungen dazu auffordern, den Landminen- Vertrag zu unterzeichnen – kaum zu glauben, aber die USA haben das bislang nicht getan. Zweitens können wir ein Minenfeld »adoptieren«. Die United Nations Association of the USA hat die weltweite Aktion »Adopt-A-Minefield« ins Leben gerufen, in deren Rahmen Unternehmen und Privatleute, die ausreichend Kleingeld in der Tasche haben, ein Minenfeld adoptieren können. Auf diese Art finanzieren sie ein Minenräumteam für die zwei Monate, die es dauert, bis ein Landstrich an die Zivilisten, deren Lebensunterhalt davon abhängt, zurückgegeben werden kann. Jeder kann auch einen kleinen Betrag spenden, der dem Räumen von Minenfeldern oder dem Hilfsprogramm für Minenopfer zugutekommt. In diesem Programm werden Menschen, die Landminenunfälle überlebt haben, medizinisch betreut, erhalten kleine Darlehen, eine Ausbildung und Beratung.


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