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Freitag, 04. Juli 2008 15:02 Uhr
Kategorie: Klima Leben, Klima News

Von: SB

Kokain zerstört den Regenwald

In Afghanistan und Burma sprießt Opium aus allen Ecken, statt Balkonpflanzen züchten die Europäer lieber Cannabis und das Kokain vernichtet Gramm für Gramm den kolumbianischen Regenwald. Der Drogenrausch hat Klimafolgen. Die Initiative „Shared Responsibility“ will jetzt darauf aufmerksam machen

Bild: pixelio.de

Der Kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos rechnet vor, wie stark der Kokainanbau mittlerweile dem Regenwald schadet. „Jedes Gramm Kokain zerstört vier Quadratmeter Regenwald“, so Santos bei der Präsentation seiner Initiative „Shared Responsibility“ in London. Die Koka-Bauern würden für ihre Kokaplantagen systematisch den Regenwald roden. In den Hauptabsatzländern aus Europa und Amerika will Santos daher mit seiner Initiative auf die drogenbedingten Umweltschäden in seinem Land aufmerksam machen.

 

Kolumbien kämpft schon seit Jahrzehnten gegen sein Drogenproblem an. Doch die Eindämmung des Kokaanbaus bereitet ein kaum lösbares Problem. Zumal sich die Koka-Bauern mittlerweile aus Angst vor Kontrollen immer weiter in den Regenwald zurückziehen, und sich in der Wildnis in vermeintlicher Sicherheit wiegen. Die Ausmaße sind alarmierend: In den letzten 20 Jahren wichen 2,2 Millionen Hektar Tropischen Regenwaldes den Koka-Anbauflächen. Jahr für Jahr „frisst sich der Drogenanbau tiefer in den Bergwald“ hinein, meint auch Luis Mazariegos-Hurtado von der kolumbianischen Hummingbird Conservancy. Mit dem Regenwald, so der Vogelschützer, werde zudem der einmalige Lebensraum vieler vom Aussterben bedrohter Tierarten zerstört. Auch dies dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

 

Pestizide machen keinen Unterschied

 

In den kolumbianischen Nachbarländern Peru und Bolivien sieht die Lage zwar anders, aber keinesfalls besser aus. Polizei und  Militär versuchen dort durch Pestizide dem Drogenanbau Einhalt zu gebieten.  Der Konsum der Kokapflanze gehört in den Andenregionen aber zur Tradition, weshalb sich der Bolivianische Präsident Evo Morales und ein Großteil der Bevölkerung schon seit Jahren für die Legalisierung einsetzen. Doch der Anbau hat auch dort derart zugenommen, dass nur noch ein geringer Anteil auf den traditionellen Konsum der Andenvölker zurückzuführen ist.

 

Die eingesetzten Herbizide, meist Entlaubungsgifte, töten unterschiedslos alle Pflanzen. Daher können auch versehentlich betroffene Anbauflächen stark beschädigt und die Lebensmittelversorgung vereinzelter Dörfer gefährdet werden. Hinzu kommen die noch nicht abschätzbaren Folgen der chemischen Keule, denn Regenfälle spülen das Pflanzengift in Bäche und Flüsse und verunreinigen damit auch das Trinkwasser.

 

Die Rückstände der Pestizide sind daher nicht nur in der Umwelt zu finden. In den betroffenen Gebieten stieg laut wissenschaftlichen Untersuchungen des ecuadorianische Professors César Paz y Miño die Krankheitsrate nach Spritzaktionen enorm an: Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Atembeschwerden machten der Bevölkerung zu schaffen, die auch mit weiteren Spätfolgen zu rechnen haben wird: César Paz y Miño konnte bereits zahlreiche Schäden im Erbgut der Betroffenen nachweisen. Der Professor aus Ecuador rechnet in naher Zukunft mit einem Anstieg der Krebs- und Fehlgeburtenrate in den betroffenen Gebieten.

 

Bio-Cannabis auf dem Balkon

 

Doch der Konsum von Kokain scheint weltweit nicht abzureißen. Rund 13 Millionen Menschen schnupfen sich in regelmäßigen Abständen in Form von weißem Pulver ein bisschen Regenwald durch die Nase. Weitaus umweltfreundlicher erscheint hingegen der Genuss von Cannabis zu sein, zumal laut einer EU-Studie der Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenkonsum in Lissabon der Trend zum Eigenanbau stetig steigt. Das beweisen auch die Polizeistatistiken:  2007 spürte die deutsche Polizei hunderte von Groß- und Kleinplantagen im Bundesgebiet auf, während Großbritannien laut EU-Angaben mittlerweile fast seinen gesamten Cannabiskonsum mit Ernten aus Privatanbau abzudecken scheint.

 

Die sonderlich anmutenden Balkonpflanzen mit der berauschenden Wirkung schaden trotz den jährlich hergestellten 50.000 Tonnen dem Klima nicht in dem Maße wie die Kokainproduktion, denn neben Anbau und Bekämpfung schädigt die chemische Aufbereitung des Koka-Rohstoffes zusätzlich. Laut der US-Drogenbehörde DEA benötige man pro Kilogramm Kokain drei Liter Schwefelsäure, bis zu 80 Liter Kerosin und einen Liter Ammoniak. Jährlich werden weltweit rund 900 Tonnen Kokain produziert.

 

 


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