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Mittwoch, 08. Oktober 2008 13:00 Uhr
Kategorie: Kolumne

Von: VC

Klimasünder für ein Wochenende– ein Selbstversuch

Klimawandel? Umweltschutz? Energiesparen? Alles Quatsch. „Raushauen, was geht“ sollte zwei Tage lang zu meinem Motto werden.

Bild: pixelio.de

Ich hatte mir zuvor einen Plan zurechtgelegt, doch in den Schuhen eines Klimasünders zu leben ist nicht so einfach, wie es klingt.

Tag 1

 

Noch vom Bett aus schalte ich den Fernseher ein, wie ich es mir tags zuvor vorgenommen hatte. Dann gehe ich an den PC, rufe meine Mails ab und lasse auch ihn laufen. Auf dem Weg in die Küche knipse ich sämtliche Lichter an. Beim Frühstück überlege ich, was ich noch alles anstellen könnte. Ein unbehagliches Gefühl steigt schon jetzt in mir auf, wenn ich an Fernseher, Computer und Lampen denke, die völlig sinnlos angeschaltet sind. Ich schiebe es, so gut es geht, beiseite und gehe ins Bad. Das Duschwasser lasse ich schon laufen, damit es angenehm warm wird. Beim Zähneputzen drehe ich den Hahn schon fast wieder ab, als mir einfällt, dass ich das nicht darf.

 

Überall läuft nun das Wasser, brennt das Licht, flimmern die Bildschirme und ich fühle mich unwohl beim Gedanken an all die Verschwendung. Das alles auch während ich außer Haus bin, laufen zu lassen, bringe ich nicht über mich - irgendwo ist die Schmerzgrenze erreicht.

 

Meine Erledigungen werden heute ausschließlich mit dem Auto gemacht. Vielleicht sollte man dazu erwähnen, dass ich in der Münchner Innenstadt wohne und somit alle Geschäfte zu Fuß zu erreichen wären. Ich stehe im Stau, bin schlecht gelaunt und blicke neidisch einem Radfahrer hinterher, der gemütlich rechts an mir vorbeirollt. Damit sich die Fahrt auch rentiert, gehe ich heute wenigstens woanders einkaufen. Doch dabei hatte ich nicht an die Parkzonen gedacht, für die ich keine Lizenz habe. Nach etlichen Runden um den Block, finde ich schließlich doch einen kostenfreien Parkplatz, begrenzt auf eine Stunde. Zum nächsten Supermarkt laufe ich nun fast genauso weit, wie ich von zu Hause aus zu meinem gewohnten Tengelmann gelaufen wäre. Dieser Gedanke geht mir an die Nieren.

 

Beim Einkaufen achte ich penibel darauf, möglichst viele Plastikverpackungen einzukaufen, außerdem natürlich Tomaten aus Spanien, Paprika aus Griechenland und Salat aus Italien. Ich will schon aus Gewohnheit alles in den Wagen schmeißen, da fallen mir die kleinen Tütchen ein: also jedes Gemüse in eine kleine Plastiktasche. Solange hatte ich beim Einkaufen schon lange nicht mehr gebraucht. Auch die restlichen Erledigungen dauern länger als üblich.

Als es schließlich zu regnen beginnt, freue ich mich schon fast, ein Auto zu haben. Doch nachdem ich wieder 20 Minuten lang einen Parkplatz gesucht habe, ist auch diese Freude wieder verflogen. Zu Hause muss ich erstmal abschalten. Ich habe heute keine Lust mehr auf Klimasünder-Stress.

 

Tag 2

 

Morgens bin ich nicht sehr viel motivierter. Ich hätte mehr Lust meinen Tag ganz normal zu beginnen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, wie ich am meisten Energie verbrauchen könnte. Ich beschließe mir ein wenig Motivation aus dem Internet zu holen und gehe auf unterschiedliche Homepages von Klimaskeptikern. Ich versuche so denken zu lernen wie sie, doch irgendetwas in mir hindert mich daran und lässt mich über diese Ansichten nur schmunzeln.

 

Wenn das nicht funktioniert, muss ich mir eben das Klimasündigen so schön wie möglich machen. So beginne ich also den Tag mit einem heißen Schaumbad, das Radio daneben. Das Handtuch bleibt auf der Stange, ich föhne mich trocken. Mit einem heißen Kaffee und ein paar zweifach verpackten Croissants setze ich mich wieder vor den PC, surfe ein bisschen nach Flügen und träume von Urlaub am Strand. Für 60 Euro in die Türkei und zurück? Da redet man sich doch gerne ein, dass Kerosin der Umwelt nicht schadet.

 

Ich entscheide mich für die einfache Variante und fahre mit meinem Freund an den Starnberger See. Meinen schwer ergatterten Parkplatz wieder zu verlassen, versetzt mir einen Stich, doch was sein muss, muss sein. Auf der Autobahn trete ich aufs Gas und überhole mit meinem kleinen Polo sogar einen Audi. Das macht zwar Spaß, aber die Tanknadel fällt und ernüchtert mich wieder.

 

Wir sitzen am See, machen Brotzeit und während ich Alufolie und Plastik auf der Wiese verstreue, teile ich meinem Freund meine neuen Ansichten mit. Das Klima verwandle sich schließlich seit Jahrtausenden, das sei ganz natürlich. Dieser ganze Klimaschutz sei doch eine Hysterie, auf die sich die Menschen stürzen, um überhaupt noch an irgendwas zu glauben. Nein, ich lasse mich nicht verdummen. Leider durchschaut mich mein Freund sofort und lacht nur. Ich bringe es nicht einmal über mich, den Abfall einfach liegen zu lassen. Ich sammle doch wieder alles ein, wundere mich, wie sehr der Umweltschützer doch in einem steckt und frage mich, ob ich mich nun darüber ärgern oder freuen sollte.

 

Am Abend denke ich über die letzten beiden Tage nach: Zum einen war es ziemlich anstrengend, ständig umdenken zu müssen, zum anderen auch um einiges teurer, wenn ich nur an meinen Tank denke. Dabei ist mir bewusst geworden, dass einem viele Umwelt schützende Handlungen heute in Fleisch und Blut übergangen sind und es schwer fällt, sie umzustellen. Es widerstrebte mir zutiefst, völlig sinnlos Energie zu verschwenden und ich befand mich in einem ständigen Gewissenskonflikt zwischen dem, was ich mir vorgenommen hatte und dem, was ich intuitiv tun würde. Ich war schließlich einfach nur froh, den nächsten Tag wieder gewohnt leben zu dürfen.


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Kommentare

HabediEhre schrieb am 09.10.2008 16:36

Meiner Meinung nach wird die Verschwendung erst allen weh tun, wenn es so richtig ins Geld geht. Aber leider is der Ölpreis wieder runter und der gute Atomstrom is ja auch schön günstig. Man kann zwar auch bei kleinen Beträgen Geld sparen, aber dessen muss man sich erst bewusst werden.




curriculum schrieb am 03.10.2008 17:42

ich schließe mich gerne dem Kommentar von JaGa an - mein Wunsch die Umwelt zu schützen hat mich nicht nur mein Unternehmern www.das-curriculum.de gründen lassen, sondern auch privat liebe ich mein Tupperdosen (möchte sie am liebsten immer gleich mit ins Restaurant für die dogypacks mitnehmen und die Alufolie damit effektiv vermeiden - daran arbeite ich aber noch ...) Energie zu verschwenden tut mir weh und apropos Alufolie: die wird abgewaschen und wiederverwand ... smile




JaGa schrieb am 02.10.2008 14:09

wirklich eine schöne Geschichte. Beim lesen merkt man wirklich wie vieles unbewusst schon Normal ist. Wasser laufen lassen oder den ganzen Tag Licht+Pc+Tv anzulassen würde mir niemals in den Sinn kommen. Leider gibt es noch sehr viele Menschen, die während dem TV schauen noch am Chatten und surfen sind.
Ich selber bin kein Fanatiker (wenn Konsole, Plasma und Surround-System laufen werden sicher locker 500-600Watt verbraucht) aber zwei solche Tage zu verbringen würde ich nicht hinbekommen.




charly schrieb am 01.10.2008 21:51

Dein Kommentar
So etwas ähnliches habe ich vor 20 Jahren auch mal gemacht und man muss es tatsächlich mal machen, um sich zu klar zu werden, dass man eigentlich völlig verrückt ist, wenn man es so macht, leider sind sich noch viel zu wenige davon bewusst. - Eine schöne Geschichte.



 

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