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Mittwoch, 25. Juni 2008 14:07 Uhr
Kategorie: TopThema

Von: AM

Klimaschutz Sozial

Die SPD will die soziale Komponente im Klimaschutz verstärken. Die Kfz-Steuer sowie Energie- und Umweltkosten sollen sozial gerecht gestaltet werden. Dabei ist der Klimawandel überhaupt nicht sozial – im Gegenteil.

Anfang des Monats kamen die Umwelt- und Sozialpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion zusammen um Klimawandel und soziale Gerechtigkeit enger zu verbinden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass „die Energie- und Umweltkosten sozial schwächere Gruppen bis zu dreimal mehr belasten als besser verdienende Schichten Gesellschaft“ erklärte zu diesem Anlass Michael Müller, Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

 

Auch der Sozialpsychologe und Buchautor Harald Welzer identifiziert den Klimawandel als neue soziale Frage. In seinem Buch Klimakriege – wofür im 21. Jahrhundert getötet wird illustriert Welzer, dass vor allem die sozialen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu schlimmen Folgen führen – sozialen Katastrophen, Krieg, Hungersnöten und Klimaflüchtlingen.

 

Angesichts solcher Szenarien wirken die Pläne der SPD-Abgeordneten, die Kfz-Steuer sozial verträglich von Hubraum auf Kohlendioxid-Ausstoß umzustellen beinahe hilflos. Dabei wollen die Sozialdemokraten dadurch einem sich abzeichnenden Trend entgegenwirken: Klima-Armut, bedingt durch ständig wachsende Energiekosten.

 

 
Physik und Wortgewalt

 

Beides macht zwei unterschiedliche Ausprägungen des Klimawandels deutlich. Einerseits die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre und die Häufung von extremen Wetterlagen. Andererseits die sozialen Folgen von Erderwärmung und Umweltverschmutzung wie steigende Kosten und wirtschaftlichen Konsequenzen für Individuen und Unternehmen.

 

Der Mensch hat die physikalischen Veränderungen des Klimas maßgeblich angestoßen. Die Folgen wirken auf die Gesellschaft zurück. Harald Welzer bezeichnet beispielsweise die vom Hurrikan Kathrina betroffenen als erste eindeutige Klimaflüchtlinge. Soziale Auswirkungen von Entwicklungen in der Erdatmosphäre, die nichts Soziales an sich haben: Chemische Reaktionen und Prozesse, kurz: physikalische Abläufe, die zwar durch menschengemachte Verhältnisse bedingt sind, aber jetzt auch ohne Menschen ablaufen.

 

Für Bereiche wie Politik und Wirtschaft, die sich ausnahmslos im sozialen Raum bewegen ist das eine Herausforderung. Denn die kleinste Einheit der Sozialen, die Kommunikation, kann keinen oder nur einen ungewissen Einfluss auf die physikalische Welt ausüben. Das tun Kraftwerke, Autos, Kühlschränke, Flugzeuge und auch Heizungen.

 

 Der doppelte Klimawandel

 

Die globale Erwärmung wird doppelt spürbar: In einem physikalischen Klimawandel und einem sozialen. Politik und Wirtschaft haben auf letzteren größeren Einfluss – durch Kommunikation – was die explosionsartig gestiegene Zahl von Nachhaltigkeitsberichten eindrucksvoll belegt. Dazu gehört auch die SPD-Forderung nach sozialem Klimaschutz, die Gesellschaft und Natur verknüpft. Der Klimawandel ist nicht sozial und damit ist ein sozialer Klimaschutz unmöglich.

 

Möglich hingegen ist es, den gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimaschutz sozial zu gestalten, durch Regeln, Gesetze, Aktionen oder gesellschaftlichen Wandel. Dinge, die durch Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien unmittelbar beeinflusst werden können.


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