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Mittwoch, 04. November 2009 10:23 Uhr
Kategorie: Interview

Von: SB

Klimaschutz mit Lutz

Die Erde ist rund, und der Fußball auch. Im Interview mit care&click erklärt Torwart Lutz Pfannenstiel, warum das Runde nicht immer ins Eckige muss, sondern auch beim Klimaschutz helfen kann.

Bild: Lutz Pfannenstiel

Global Goal heißt das Projekt von Torwart Lutz Pfannenstiel. Mit Benefizspielen des FC Global United, einer Initiative der ehemalige Sportler oder Persönlichkeiten beitreten können, versucht er auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Fußball regiert die  Welt, und daher werden vor allem Spiele an vom Klima bedrohten Regionen organisiert, die durch Sponsoren unterstützt werden. Alle Spenden gehen direkt an die Klimaallianz, ein Zusammenschluss aus knapp 100 Organisationen, die sich für einen konsequenten Klimaschutz einsetzen. Voraussichtlicher Höhepunkt der Aktion wird ein Spiel  in der Antarktis sein.

 

 

 

care&click: Herr Pfannenstiel, seien wir mal ehrlich: Was hat Fußball eigentlich dem mit Klimaschutz zu tun?

 

Es ist doch ganz simpel: Fußball ist wohl der globalste Sport überhaupt. Er wird auf der ganzen Welt begeistert verfolgt. Doch, abgesehen von Europa, ist die Aufmerksamkeit für das globalste aller Probleme, den Klimawandel, nicht so hoch. In Brasilien z.B. interessieren sich vielleicht 15 Prozent der Bevölkerung für den Klimaschutz, aber 85 Prozent für Fußball. Wenn man also einen Teil der Fußballbegeisterten dazu bekommt, etwas über ein Spiel des FC Global United zu erfahren, bekommt man sie vielleicht dazu, über Klimaschutz nachzudenken. Das ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber insgesamt kann er bestimmt viel bewegen.

Über unser Projekt wird ja meist auch in der Sportpresse berichtet. Damit erreichen wir vor allem die, die die Zeitung von hinten lesen, also mit dem Sportteil anfangen…

 

….und warum engagiert sich gerade ein Torwart für den Klimawandel? Ist die Position besonders prädestiniert dafür?

 

(lacht) Naja, ich würde mal sagen, ein Torwart hat bestimmt mehr Zeit zum Nachdenken als ein Stürmer….

 

….Das klingt logisch. Mit ihrem Projekt organisieren Sie international Spiele für den Klimaschutz. Haben Sie denn eigentlich immer genug Mitspieler für eine Mannschaft des FC Global United?

 

Auf jeden Fall! Momentan haben wir rund 70 Leute, die mit im Boot sitzen. Seit geraumer Zeit bekommen wir sogar Anfragen von Sportlern, die mitmachen möchten. Das ist natürlich schön. Aber es sind nicht nur ehemalige Fußballer wie z.B. Fredi Bobic, sondern auch Sänger wie Robbie Williams oder Morten Harket von A-ha. Im Sommer ist z.B. ein großes skandinavisches Event mit zwei Spielen und Konzerten geplant. Eines in Oslo, und eines in Spitzbergen. Da werden wir aber nicht wie sonst gegen lokale Mannschaften, sondern gegen eine skandinavische Allstar-Mannschaft antreten. In Nepal oder Tansania haben wir bisher immer gegen Lokalclubs gekickt.

 

Träumen Sie manchmal von einer internationalen Klima-Liga, zum Beispiel einem CO2-Cup? Das wäre doch ein guter Ersatz für den UI-Cup, der jetzt ausfällt?

 

….eigentlich schon (lacht). Träumen würde ich jetzt aber nicht sagen, denn eigentlich das Projekt jetzt schon wie eine Art Tournee, die sich über die ganze Welt erstreckt. Der Name CO2-Cup gefällt mir aber ziemlich gut…

 

Eines ihrer Spiele mit dem FC Global United wird in der Antarktis veranstaltet. Wen muss man eigentlich fragen, wenn man dort Fußball spielen will?

 

Sie müssen alle fragen! Nein, im Ernst, es hat sehr lange gedauert, bis man alleine einen Ort dort unten gefunden hat, wo so etwas möglich ist. Wir werden aber nicht direkt am Pol spielen, sondern auf King George Island. Dort stehen bereits sehr viele Forschungsstationen und es gibt einen Flughafen, der regelmäßig angeflogen wird. Wir wollen ja nicht Extra-Emissionen verursachen, um dann wieder auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.

 

Was ihre Laufbahn auszeichnet ist unter anderem, dass sie bisher als Spieler auf allen Kontinenten unter Vertrag waren. Da hat ihnen die Antarktis wohl noch gefehlt, oder?

 

(lacht) Das stimmt schon. Aber das war jetzt nicht ausschlaggebend…Es war anfangs eine fixe Idee, die aber immer konkreter geworden ist. Allerdings werden wir dort nicht gegen eine lokale Mannschaft spielen, sondern mit zwei Teams anreisen.

 

Wenn Sie ihr erstes Tor in der Antarktis schießen, könnten Sie doch bestimmt noch mal in das Guinness Buch der Rekorde eingehen…

 

…He, Sie bringen mich auf Ideen...das könnte natürlich passieren!

 

Trotz Polkappen und Pinguinen wollen sie dort auch nach normalem FIFA Regelwerk spielen. Da ist aber doch kein Fußballplatz? Werden vor dem Spiel dann gemeinschaftlich die  Iglu-Tore aufgebaut?

 

Das wäre wohl ein bisschen instabil! Wir wollen dort auch ganz normalen Fußball spielen. Aber bei diesem besonderen Spiel werden wir die Linien mit Klebeband begrenzen, und nein, keine Iglu-Tore aufbauen. Wir werden stabile Tore mitnehmen, die auch transportierbar sind. Es wird schon anders sein, weil wir dort wohl ziemlich allein sein werden….

 

…besonders spannend wird das ja dann nicht?

 

Fußballerisch wird es für uns Spieler bestimmt nicht das spannendste Spiel. Aber das soll es auch nicht. Wir wollen alle etwas für das Klima tun, und daher soll es auch kein Spaziergang sein. Das Spiel dort wird angesichts des Spielortes eher ungemütlich werden, ebenso wie Anreise und Aufenthalt. Aber wir wollen ja den Fußball nutzen, um auf das Problem Klimawandel aufmerksam zu machen. Zu allen Spielen werden auch Filme gedreht, die es auch auf DVD geben wird. Dabei ist das eigentliche Match eher im Hintergrund. Vielmehr drehen wir, wie die Spieler die Umwelt vor Ort erkunden, und wollen so die Leute für das Problem sensibilisieren.

 

Sind wurden oft als der „Robin Hood des Klimaschutzes“ bezeichnet. Würde nicht eher der „Al Gore der Fußballwelt“ besser passen?

 

Naja, den Namen Robin Hood hat mir die Presse gegeben. Ich habe eine Zeit lang beim englischen Club Nottingham Forrest gespielt und Robin Hoods Sherwood Forrest ist da ganz in der Nähe. Die Presse interpretierte außerdem, dass ich das Geld der Reichen, in unserem Fall der Sponsoren, nehme, und es an die -  im übertragenen Sinne – Armen,  verteile. So kam es zu dem Namen. Aber Al Gore der Fußballwelt finde ich fast besser.

 

Na gut, dann sind Sie für uns jetzt der Al Gore der Fußballwelt! Herr Pfannenstiel, vielen Dank für das Gespräch.

 

 


Lutz Pfannenstiel, 35, steht derzeit in Norwegen als Torwart auf dem Platz. Als weltweit erster Profifußballer war er auf allen Kontinenten aktiv, was ihm auch einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde einbrachte. Neben seinem Klimaschutzprojekt Gobal Goal engagiert er sich zudem für mit Organisationen wie Viva con Agua oder Conelys Help für Trinkwasserprojekte in Afrika.


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