care & click charity

Anzeige



Montag, 06. Oktober 2008 11:47 Uhr
Kategorie: Interview

Von: Sibylle Bauschinger

Inspiration mit Thomas D

Auf seiner neuen Platte will Thomas D. die Welt verbessern ― allerdings auf leichte Art. care&click sprach mit ihm über sein Engagement fürs Klima, fleischlosen Umweltschutz und seine Vision einer besseren Welt.

Bild: Andreas Bär Läsker

care&click: „Get on Board“ mit Thomas D? Wo soll´s denn hingehen?

 

Thomas D.: Auf und davon, und natürlich steil nach oben! Denn ich bin der Meinung, wir müssen einmal richtig abheben, bevor wir aufschlagen. Alle mit, Fanfare und Täräää!

 

Nach sieben Jahren hast du wieder eine Soloplatte gemacht. Die letzte war ja ziemlich nachdenklich und düster. Woher kommt der Pop auf Kennzeichen D.?

 

Die Platte, die ich jetzt gemacht habe, greift, finde ich, so ein bisschen dieses Rückenwind-Gefühl auf, was ich mit meiner ersten Platte ansatzweise hatte. Auf der Zweiten gab es das dann wieder überhaupt nicht mehr, sondern eine eher düstere, weltuntergangsmäßige und apokalyptische Stimmung.
Deshalb wollte ich jetzt wieder leichtere Sachen machen. Das beschreibt es eigentlich ziemlich gut. Ich wollte mit der Platte mehr Leichtigkeit verbreiten.

 

Trotzdem ist der moralische Zeigefinger in einigen Tracks noch unterschwellig dabei. Was ist deine Botschaft? Willst du gleich die ganze Welt retten?

 

Ja, das war ein großer Plan von mir, den ich lange und ernsthaft verfolgt habe! Allerdings bin ich mittlerweile der Meinung, dass du mit einem geretteten Leben auch irgendwie die ganze Welt gerettet hast. Wenn ich also erst einmal mein eigenes Leben rette, dadurch dass ich Texte und Songs über Dinge schreibe, die ich sonst nicht verarbeiten könnte, dann ist erstmal meine eigene Welt gerettet. Und das fühlt sich schon mal ziemlich gut an. Jeder der also seine eigene Welt gerettet haben will, ist eingeladen. Ich will niemanden zwingen. In dieser Hinsicht bin ich nicht mehr so verbissen wie früher, als ich noch die ganze Welt retten wollte. Wie gesagt, mal gucken, wer an Board kommt, wer eh dabei ist, und wer nicht will, ist auch ok.

 

Du isst kein Fleisch, das ist hinlänglich bekannt. Zusammen mit der Tierschutzorganisation Peta hast du diesen Sommer eine Kampagne mit dem Spruch „Vegetarier sind Klimaschützer“ gemacht. Ist ein Fahrrad fahrender Nicht-Vegetarier aus deiner Sicht dann ein Klimaschützer oder nicht?

 

Also er macht ja schon mal das eine richtig: Zumindest fährt er Fahrrad, um einen CO2 Ausstoß zu vermeiden. Aber, und das ist ja der wesentliche Punkt, die Fleischgewinnungsindustrie verbraucht wesentlich mehr CO2 als das gesamte Verkehrswesen und daher macht das schon einen Unterschied. Der Radler belastet das Klima dadurch natürlich deutlich weniger, als wenn er auch noch Auto fahren würde. Aber ich als Vegetarier kann mir immer noch drei Sportwagen leisten und fahre günstiger als der mit seinem Fahrrad….

 

…also klimatisch gesehen, oder? Demnach sieht dein Klimakonto deutlich besser aus als das vom Schnitzel essenden Radler?

 

…jaja, geldmäßig natürlich nicht (lacht). Meinen Ausstoß meine ich!

 

Aber wie sieht dein Klimaschutz im Alltag aus? Bist du ein kritischer Konsument á la Lohas, oder achtest du auf die kleinen Dinge wie Wasser sparen, Ökostrom und ausgeschaltete Glühbirnen?

 

Auf ALLES! Ich bin total erpicht darauf, beim Zähneputzen das Wasser zwischendrin auszumachen, genauso wie beim Händewaschen. Ich habe Solarzellen auf dem Dach, genauer gesagt Photovoltaikanlagen. Und letztens habe ich mir eine Pelletsheizung einbauen lassen! Das heißt, ich arbeite mit einem Endprodukt aus der Holzverarbeitung, das klimaneutral ist. Beim Brennen verursacht es so viel CO2 wie der Baum verbraucht hat, daher ist es leider nicht wirklich neutral. Außerdem warte ich gerade noch auf mein vier Liter Hybridauto. Ich bin zwar schon ein großer Fan von Individualverkehr und finde deswegen Autos so toll. Aber ich sehe nicht mehr ein, 12 Liter zu verbrauchen und habe es jetzt eben freiwillig auf vier Liter reduziert. Da hab ich dann zwar weniger Spaß, dafür aber kein schlechtes Gewissen.

 

Die meisten Künstler oder Musiker trennen ihr Umweltengagement von ihrer Musik und den Texten, Du nicht. Können wir also bald mit der Thomas D. Klimahymne rechnen? Du wärst doch prädestiniert dafür?

 

Genau, ich rette das Klima mit ´ner Hymne! Naja, ich finde das erste Lied „Deshalb bin ich hier“  auf meinem neuen Album, spricht schon in einer - wie ich finde - sehr, sehr gelungenen Art darüber: Nämlich ohne groß den Zeigefinger zu heben. Ich sage „ich bau auf Bio, will mein Geld nicht denen geben, die das billigste produzieren auf Kosten der Welt“! Ich glaube es wäre der richtige Weg, so ernste Themen leicht und lustig zu verpacken. Ich finde diese „Ihr macht das Klima kaputt – und wir tun das für euch“ – Mentalität funktioniert nicht. Keiner der schuldig gesprochen wird, wird sofort einlenken und etwas an seinem Verhalten ändern. Ich finde man soll inspirieren, nicht manipulieren...

 

…das ist aber schön gesagt! Könntest du dir denn vorstellen, mit deiner neuen Platte auch mal für den Klimaschutz zu rocken? Also beispielsweise deine Tour im Dezember klimaneutral zu gestalten, mit Ökostrom und Kerzenschein?

 

Bei mir ist das so eine Mischung. Ich schaue schon immer sehr darauf, was ich tue, bin aber dann eher so ein Typ, der sagt: Lasst uns lieber so und so viel Prozent der Einnahmen spenden. Es gibt schon welche, wie z.B. Radiohead, die selber Strom produzieren. Aber ich denke, das wäre für mich nicht sinnvoll, denn ich müsste beispielsweise Akkus lagern. Das ganze Prinzip von Musik hat mit Elektronik und Strom zu tun. Aber entweder oder. Ich bin der Meinung, dass ich durch meine Musik den Leuten am Konzert etwas mitgebe. Das rechtfertigt meine Anreise und meinen Ausstoß bei der Tour. Ich mach dann lieber Energie, die das Geld mit sich trägt und spende einen Teil der Einnahmen.

 

Thomas D Kennzeichen D Tour

10.12.08 Berlin Admiralspalast
11.12.08 Hamburg Docks
12.12.08 Dresden Alter Schlachthof
14.12.08 Köln Live Music Hall
15.12.08 Stuttgart Theaterhaus
16.12.08 Zürich Volkshaus
18.12.08 Wien Gasometer
19.12.08 München Tonhalle


Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

Um einen Kommentar zu schreiben, ist es nötig, eingeloggt zu sein. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie diesen unter Ich bin neu hier - jetzt anmelden einrichten.


Kommentare

charly schrieb am 10.10.2008 14:01

Sicher ist, dass wir zu viel Fleisch essen und dass die Massentierhaltung ein Unding ist. Aber so einfach ist das nicht, halt ich wie die Chinesen und wie wir es vor 50 Jahren auch noch gemacht haben, ein "Jahresschwein", welches von den Küchenabfällen ernährt wird, um dann den Mist als Dünger zu verwenden, ist dieses sinnvoller als die Abfälle zu kompostieren. Das gleiche gilt für die Rinderhaltung, verfüttere ich die Gründüngung und verwende den Mist stattdessen als Dünger, produziere ich 40% effizienter. Zudem wäre das Rind schon längst ausgestorben, würden wir es nicht nutzen.
Herrn Bär Läsker empfehle ich zudem einen Tesla Roadster oder einen Lightning GT, da hat er sogar noch mehr Spaß dabei, wenn er sich den Hals abfährt und fährt ganz CO2-neutral, wenn er Ökostrom "tankt".



 

Weitere Nachrichten, die Sie interessieren könnten

Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden
test