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Mittwoch, 16. September 2009 09:24 Uhr
Kategorie: Interview, TopThema

Von: SB/AM

„Ich mag es einfach nicht im Stau zu stehen“

care&click traf den Musiker Niels Frevert vor seinem Auftritt in München und sprach mit ihm unter Anderem über Küchengeräte, Demonstrationen und die Crux der political correctness.

Bild: copyright by Tobias Stachelhaus

care&click: Deine aktuelle Platte heißt „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“. Gehst Du dann zu Fuß weiter oder fährst Du Fahrrad?

 

Niels Frevert: (lacht) Naja, ich fahre tatsächlich Fahrrad, denn ich habe gar kein Auto. Ich habe das irgendwann mal an den Nagel gehängt, als ich gemerkt habe, dass ich in der Stadt mit dem Fahrrad genauso schnell ankomme wie mit dem Auto. Nur bin ich zusätzlich noch gut gelaunt! Bei der Entscheidung mein Auto zu verkaufen haben dann eigentlich zwei Faktoren mitgespielt: Einerseits natürlich der ökologische Aspekt,  und andererseits auch meine Aversion im Stau zu stehen….Seitdem fahre ich in der Stadt eigentlich nur noch Fahrrad.

 

 

Bei deinen Texten und Songs ist es auch ungewöhnlich, dass sie gerne von Gebrauchsgegenständen handeln, z.B. von einer Waschmaschine, Tiefkühltruhe, Baukran, Einwegfeuerzeug, Tütensuppe etc. Ist das vielleicht ein subtiler Aufruf zum Energiesparen?

 

 

(lacht schon wieder!) ...Ne! ich weiß gar nicht so genau wie das so kommt. Ich mag einfach diese wohlklingenden Worte. Und es ist mein Stil…

 

….Lieder über Waschmaschinen gibt es ja wirklich nicht oft….

 

 

…..naja, aber jeder hat doch ein bestimmtes Verhältnis zu seiner Waschmaschine! In meine Songs schleichen sich aber  regelmäßig Küchenbildern ein, weil ich mich einfach gerne in der Küche aufhalte und dort viel schreibe.

 

Laufen die Geräte in deiner Küche dann auch mit Ökostrom?

 

Tatsächlich habe ich letztes Jahr gewechselt! Eigentlich war ich immer zu faul, aber dann habe ich es doch gemacht. In Hamburg haben wir natürlich auch das Problem, dass dort ein neues Kohlekraftwerk gebaut werden soll. Und wenn ich das nicht möchte, dann kann ich wenigstens verhindern, dass die das mit meinem Geld tun! Ich habe als Jugendlicher schon mit meiner Mutter gegen Atomkraft und vieles mehr demonstriert. Aber irgendwie fand ich es auf die Dauer frustrierend, weil ich die Erfahrung daraus mitgenommen habe, dass es nie was hilft. Die Dinge gegen die ich mich damals eingesetzt hatte, konnte ich nicht verhindern.

 

Heute kann ich wenigstens eine Entscheidung treffen zwischen Kohle-/ und Atomkraft oder Erneuerbaren Energien. Aber das ist natürlich ein Thema, das einem immer wieder begegnet, und in Hamburg natürlich ganz speziell.

 

Würdest Du denn deine Musik als politisch beschreiben?

 

Nein, auf keinen Fall. Einerseits bin ich genug damit beschäftigt mein Leben so hinzukriegen dass ich damit selber zufrieden bin. Und andererseits finde ich nicht, dass ich etwas vorleben oder anderen sagen muss, wie sie ihr Leben zu führen haben.

 

Unpolitisch scheinst Du dagegen aber nicht zu sein?

 

Political Correctness ist so schwer vollkommen auszufüllen, deshalb lehne ich mich da einfach nicht so weit aus dem Fenster. Sicherlich bin ich ein politisch denkender Mensch, aber kein politischer Künstler. Ich bin einfach kein Freund von Liedern mit politischen Parolen. Wenn man sich meine Texte aber genauer anhört, dann kann man sich schon ausdenken, wo ich politisch stehe. Aber mich vorne hinzustellen und zu sagen, so wie ich das mache müsst ihr das auch tun, da bin ich der falsche Ansprechpartner.

 

Niels, vielen Dank für dieses ungeplant politische Gespräch!

 

Niels Frevert live:

 

16.09.2009    Schaffhausen (CH) – Fassbeiz

17.10.2009      Dornbirn  (A) - Spielboden

18.10.2009      Baden (CH) – Herbert

19.10.2009      Frankfurt (a.M.) – Yellowstage @ Hazelwood Studios

 

25.09.2009   Hamburg – Reeperbahnfestival (mit Band und Streichern)

10.10.2009   Berlin – Chansonfest – Bar jeder Vernunft

 


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