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Mittwoch, 27. Mai 2009 10:06 Uhr
Kategorie: Interview

Von: Pia Fröchtenicht

„Ich habe vielleicht keinen grünen Daumen, aber dafür ein kleines Boot“

care and click sprach mit der Sängerin Kristin Asbjornsen, die mit ihrem zweiten Soloalbum „The Night Shines Like The Day“ die Pop Charts in Norwegen stürmte über Ihre neuen Songs und Ihren Beitrag zum Klimaschutz.

Quelle: Kristin Asbjornsen

Die erste Single aus Deinem zweiten Soloalbum „The Night Shines Like The Day“ heißt „Snowflake“, also „Schneeflocke“.  In diesem Song vergleichst Du Dich mit einer Schneeflocke. Ist das nicht gefährlich in Zeiten globaler Erderwärmung?

 

Als dieser Song entstanden ist, habe ich nicht unbedingt an die globale Erderwärmung gedacht. Es geht vielmehr um das Schweben einer Schneeflocke. Schwierig hier eine Verknüpfung zu machen...

 

Was denkst Du über den Klimawandel?

 

Ich habe das Glück in Norwegen zu leben. Hier gibt’s jetzt manchmal etwas weniger Schnee und dafür mehr sonnige Tage! Aber davon abgesehen, bin ich mir der Auswirkungen des Klimawandels bewusst und so wie alle davon betroffen. Der Klimawandel ist auf uns Menschen und auf unsere Art zu leben zurückzuführen. Es ist sehr wichtig große Schritte im Klima- und Umweltschutz zu tun, viel größere, als bis jetzt gemacht worden sind. Ich wünschte, dass Norwegen als kleines Land außerhalb der EU, noch mehr radikale Veränderungen vornehmen würde, um als gutes Beispiel voranzugehen und wichtige Lösungen zu finden. Was das angeht, bin ich sehr unzufrieden mit Norwegen.

 

Bist Du zufrieden was Deine eigenen Schritten im Umwelt- und Klimaschutz angeht? Was tust Du für die Umwelt?

 

Ich denke mein größtes Problem, wie auch von den meisten Musikern, sind die vielen Flüge.

Wenn ich auf Tour bin, dann bin ich unheimlich viel mit dem Flugzeug unterwegs. Es ist sehr schwer das Fliegen zu vermeiden, das ist das Schlimme. In Norwegen gab es verschiedene Festivals, die es unterstützten, wenn man mit dem Zug zu dem Konzert kam. Was das Auto fahren angeht, ich selbst kann nicht fahren und versuche so oft wie möglich das Fahrrad zu nehmen.  Leider verfalle ich noch zu oft dazu ein Taxi zu rufen (lacht).

 

Hast Du einen grünen Daumen?

 

Oh, ich wünschte ja (lacht)! Nein, damit bin ich überhaupt nicht gesegnet.

Meine Pflanzen zu Hause gieße ich schon ab und zu, aber Grünes gedeiht bei mir einfach nicht so gut. Momentan lebe ich in einem Haus in einer Art Wohngemeinschaft mit meiner Schwester, meinem Bruder und zwei Freunden. Wir haben auch einen großen Garten. Hier versuchen wir schon ein paar Kräuter und Salate anzubauen, um unser Essen selbst zu machen. Ich hoffe, dass ich eines Tages noch mehr dazu lerne. Ich habe vielleicht keinen grünen Daumen, aber dafür ein kleines Boot. Mit dem gehe ich manchmal raus aufs Meer, um meinen eigenen Fisch zu fangen. Aber aufgrund der Umweltverschmutzung können wir ja nicht mehr sicher sein, ob der Fisch auch gesund und genießbar ist.  

 

Du singst barfuß auf der Bühne. Warum? Zeigst Du so vielleicht Deine Verbundenheit zur Erde?

 

Es geht mir nicht so sehr um Symbole oder Signale, wie es vielleicht scheint. Ich tue das eigentlich nur, weil ich mit Schuhen nervöser bin. Es geht mir darum „geerdet“ zu sein. Ich fühle mich sicher, wenn ich die Erde unter mir spüre. Ich versuche auch Schuhe zu tragen, aber das funktioniert einfach nicht.

 

Gibt es etwas in der Natur, das Deine Kreativität beflügelt?

 

Ich mache morgens oft Qi Gong draußen in meinem Garten und am Meer. Der blaue Himmel, die Sonne, das Wasser und im Winter natürlich auch der Schnee, geben mir sehr viel Kraft und Energie. Die Elemente der Natur reinigen meinen Geist und helfen mir „geerdet“ zu sein.  Das Album „The Night Shines Like The Day“ ist sehr von natürlichen Elementen beeinflusst. Schon während der ersten Entstehungsprozesse, wurde mir nach und nach bewusster, dass dieses Mal das Cover von klaren Farben inspiriert sein sollte. Es sollte das starke, kräftige Gelb der Sonne sein, das klare Blau des Himmels, Grün und auch Weiß. Am Anfang fühlte sich das komisch an, denn die Farben begannen während meiner ersten Arbeiten an den Songs lebendig zu werden. Sie sind mit den Elementen in der Natur verbunden. Die Fotos für „The Night Shines Like The Day“ wurden alle in Norwegen in einem Wald aufgenommen.

 

Deine Songs erinnern an jemanden, der verschiedene emotionale Zustände durchmacht.

Du singst von Liebe, Verlust, Einsamkeit und dem sich Abfinden mit einer Situation am Schluss. Müssen wir Dinge, die wir nicht ändern können akzeptieren, oder sollten wir für unsere Ideen kämpfen? Zum Beispiel gegen die Klimaerwärmung?

 

In meiner Musik machen sich Gefühle auf eine emotionale Reise. Ich würde sagen, dass es wichtig ist Dinge zu akzeptieren, damit zu leben und darauf aufzubauen. In der Akzeptanz  wurzelt auch die Kraft Änderungen herbei zu führen. Akzeptanz heißt nicht gleich weg zu laufen und die Augen zu verschließen. Es ist aber auch nicht richtig nur zu kämpfen. Man muss sich bewusst machen, was die Realität ist und diese annehmen. An meine Songs und meine Musik bin ich auf zwei unterschiedliche Weisen herangegangen. Einerseits habe ich versucht mich an einen buddhistischen Ansatz zu halten. An das „in sich Ruhen“ und „bei sich Bleiben“. An die Weisheit nicht zu fliehen und den Glauben, dass wenn eine schwierige Zeit im Leben durchgestanden werden muss, dies akzeptiert werden sollte, um sie zu überwinden und daran zu wachsen.  Auf der anderen Seite finde ich auch eine Art Sportpsychologie gut: Positiv denken und aktiv nach Lösungen suchen, den Sieg fixieren und gewinnen. Der Glaube an den Sieg, durch den Glauben siegen.  Für meine Musik waren beide Ansätze wichtig. Was das Klima angeht, muss ich sagen, dass es natürlich wichtig ist mutig und stark zu sein. Man sollte nie aufgeben.  Man darf seinen Glauben etwas ändern zu können und seine Visionen nicht verlieren. Es ist so wichtig, nie die Hoffnung aufzugeben. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, was ist.

 

Die 37 jährige Sängerin Kristin Asbjornsen blickt auf eine Musikkarriere von 15 Jahren zurück. Sie sang bereits für die Bands Kvitretten, Kroyt und Dadafon. Asbjornsens Musik vereinigt Elemente aus Jazz, Folk, Blues, Rock, Pop, Gospel, Spiritual und afrikanischer Musik. Ihr neues Soloalbum „The Night Shines Like The Day“, das ausschließlich eigene Kompositionen und Texte enthält, kommt Anfang Juni auch in Deutschland auf den Markt.


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