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Montag, 18. Februar 2008 06:03 Uhr
Kategorie: Klima Leben, Kolumne, Dossier

Von: Albrecht Mangler

Glosse: Wunderwelt der Technik

Die technische Entwicklung beschert dem Klima neuerdings unerwartet viel Hoffnung auf Besserung: Kohlekraftwerke ohne Kohlendioxi, ungefährliche Atomkraft und grüne Autos. Oder ist diese Ingenieurskunst etwa alter Wein in öffentlichkeitswirksamen Schläuchen.

Sie kann schon anstrengend sein, die so genannte Co2isisierung der Gesellschaft: Soundsoviel Kilo CO2 verursacht der Flug nach Hamburg, die Bahnfahrt legt noch ein paar Kilo drauf und am Jahresende ist die persönliche Klimabilanz komplett verpfuscht. Von den Burgern, Autofahrten, Klamotten und sonstigen Konsumgütern ganz zu schweigen.

Immerhin: Nachhaltiger Konsum ist in. Der Öko-Joghurt aus Italien hübscht zwar den ökologischen Fußabdruck nicht auf, beruhigt aber das Gewissen dafür umso mehr und ist dazu auch viel gesünder. Viele Unternehmen engagieren sich dazu für den Klimaschutz - manche mehr und manche weniger. Greenwashing nennt das der Kohlendioxid-gewiefte Fachmann. Greenwashing heißt grob gesagt die bösen Kohlendioxid Moleküle grün anzustreichen - es wird schon keiner merken, dass sich nichts ändert.



Das Perpetuum Mobile der Kohle-Griller

Der Energiekonzern Vattenfall hat nun die Lösung nahezu aller Probleme mit der lästigen Erderwärmung gefunden: Zwischen Kartellrechtsprozessen und Strompreiserhöhungen hatten die Ingenieure des Energieriesen Zeit ein kleines technisches Wunder zu vollbringen: Das kohlendioxidfreie Kohlekraftwerk.

Das Treibhausgas soll dabei bei der Kohleverbrennung gar nicht erst entstehen. Das Bisschen CO2, das dennoch vielleicht entsteht, wird ganz praktisch im Erdreich abgelagert. Da bleibt es denn auch brav und kommt nicht wieder nach oben, wie Umweltschützer zu bedenken geben.


Atomkraft ist Privatsache für alle

Auch Atomkraft soll nun das Klima-Retten. Obwohl immer mehr Studien, zuletzt eine von der Bundesregierung beauftragte Untersuchung, Zusammenhänge zwischen Krebserkrankung und Kraftwerk andeuten, sei nukleare Energie der Schlüssel für die Zukunft. So denken zumindest Politiker in Großbritannien, Finnland, Frankreich und Bulgarien.

Private Unternehmen sollen in England nun neue Kraftwerke bauen, ganz ohne staatliche Subventionen wie früher. Bis heute hat sich allerdings noch kein Konzern aufraffen können. Vielleicht weil die kohlendioxidfreie Kohle doch mehr Reibach verspricht und nicht das enorme Katastrophenpotential eines Atommeilers haben.



Gas geben bis zum Abheben

Der Straßenverkehr soll nun nach dem Willen der europäischen Kommission seine Emissionen verringern. Dabei ist, glaubt man den PR-Abteilungen der Hersteller, bereits jedes Auto klimafreundlich optimiert. Autofahren ist wieder richtig sauber und darf wieder Spaß machen - gegen oder gerade wegen der Ökosteuer und der damit verbunden Verteuerung der Energie.

Der Kampf gegen den Klimawandel geht also voran. Nicht zuletzt wegen der großartigen Leistungen von Ingenieuren und PR-Profis, die diese Neuerungen auch angemessen verkaufen. Nichts ist unmöglich: Kohle ohne Gas, Atomkraft ohne Strahlung, Autos ohne Benzin. Seltsam nur, dass bei dieser Innovationskraft fast immer altbekanntes neu formuliert wird. Die Konzepte, die den Klimawandel strukurell bedient haben, scheinen unantastbar.



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Kommentare

ShadowMan schrieb am 18.02.2008 21:57

LOL Mr. Green wirklich gut!!! :-) Höre ich da ein KLEIN WENIG Sarkasmus raus?? Mr. Green



 

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