Amerika ist zwar als Agrarland bekannt, doch die Produktion der Lebensmittel findet zum Großteil in wenigen bestimmten Regionen statt, um sie anschließend über die Staaten zu verteilen. Daher legt eine amerikanische Tomate oder Kartoffel vom Feld zum Supermarktregal durchschnittlich 2.400 Kilometer zurück. Der Großteil der amerikanischen Lebensmittel stammt aus riesigen Plantagen im Mittleren Westen oder Kalifornien, die den auf Großkapital ausgelegten Markt mit billigen Preisen dominieren.
Bei den derzeitigen Spritpreisen und den entsprechenden Zukunftsprognosen wird jedoch deutlich, dass diese Logistik die Händler auf Dauer teuer zustehen kommen könnte. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart hat dies erkannt und eine neue Strategie eröffnet: in Zukunft sollen mehr regionale Produkte in den Regalen der Handelskette stehen, um die Kosten zu senken. Ob der Produktpreis auch sinken wird, ist noch unklar, denn mit der Marktmacht des Großunternehmens kann Wal-Mart weiterhin die Preise für den Markt festlegen.
Verwirrende Transportwege
Mittlerweile finden sich zwar exotische Früchte und ausgefallene Lebensmittel in die Supermarktregale, doch gleichzeitig eröffneten sie auch ausgefallene Produktionsketten, die sich teilweise über den ganzen Globus erstrecken. Echte Nordseekrabben werden zum pulen nach Marokko geflogen, um dann in der Tiefkühltruhe deutscher Supermärkte zu landen. Auch werden Bio-Äpfel aus Argentinien eingeflogen, um sich gegen die schnöden Spritzäpfel aus Südtirol durchzusetzen.
Bereits in den neunziger Jahren dokumentierte die Raumplanerin Stefanie Böge in ihrer Aufsehen erregenden Diplomarbeit „Der Weg des Erdbeerjoghurts“ die Distanzen der Lebensmittelindustrie. Sie verfolgte an einem 125 Gramm-Glas der Südmilch AG die Wege der Produktion. Die Erdbeeren kamen aus Polen, wurden zur Vorbehandlung nach Aachen geschickt und danach in die Molkerei nach Stuttgart transportiert. Die Rohbakterien für die Milch kamen dann aus Flensburg nach Baden-Württemberg, und schließlich klebten die Etiketten aus Kulmbach auf den Plastikbechern aus Österreich, die am Ende im Kühlregal eines deutschen Supermarktes auf ihren Verzehr warteten.
Auch wenn die Studie schon älter ist, so ist sie laut Greenpeace Agrarexperte Martin Hofstetter bis heute noch aktuell, da sich „die Märkte nicht verändert haben.“ Der Giessener Professor für Prozesstechnik in Lebensmittelbereichen, Elmar Schilch, hat dazu in Anbetracht der steigenden Spritkosten noch weitere Erkenntnisse. Eine Schiffsladung von Neuseeland nach Rotterdam könne vergleichsweise billig sein, wenn man sie mit einer Deutschlandtour von München nach Hamburg im alten und Sprit fressenden LkW vergleiche.
Kurzer Weg spart nicht immer Energie
Eine Studie der Uni Gießen belegt zudem, dass die Einkäufe aus der Umgebung in Sachen Energie nicht immer besser abschneiden als das Importobst aus Übersee. Laut den Ergebnissen spiele der Transportweg bei der Umweltbilanz nur eine geringe Rolle, was auch eine Analyse des Freiburger Ökoinstituts bestätigte: Lediglich drei Prozent der von der Lebensmittelproduktion verursachten CO2-Emissionen seien die auf die Transportwege zurückzuführen. Herstellung, Verarbeitung und Lagerung seien aufwendiger. Der Giessener Studie zufolge ist die Betriebsgröße im Verhältnis zur Marktentfernung durchaus relevanter.
Diese Ergebnisse zeichnen ein neues Bild für Konsumenten: Für Äpfel aus Kleinbetrieben werde in manchen Fällen bis zu fünfmal mehr Energie aufgewendet als für Äpfel aus Großbetrieben, auch wenn deren Transportwege kürzer sein können. Im Verhältnis würde ein Apfel des Obstbauern von nebenan mehr Energie verbrauchen, weil dieser viel weniger produziere als eine Plantage. So kann auch der kurze Transportweg mit einigen Kisten auf der Ladefläche energetisch aufwändiger sein, als der Transporter mit Tonnen von Äpfeln im LkW-Anhänger.
Für den Verbraucher scheint die Verwirrung nun perfekt. Was kaufen, wenn alles klimaschädlich erscheint? Vielleicht sollte man das Bauchgefühl entscheiden lassen und bei Gelüsten nach Äpfeln auch mal einen Griff zum Apfelbaum im Nachbargarten wagen. Das würde zumindest Energie sparen.







