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Montag, 27. Juli 2009 10:42 Uhr
Kategorie: Interview, TopThema

Von: SB

Gleiches Recht für alle?

Das gilt nicht beim Klimaschutz. Dr. Jörg Tremmel von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen erklärt im Gespräch mit care&click warum Gerechtigkeit im Klimaschutz so komplex ist und die Welt trotzdem noch nicht untergehen wird.

Bild:pixelio.de

care&click: Klimaschutz und Wirtschaftskrise, läuft das nicht auf ein „nach uns die Sintflut“ hinaus, so lange die Bänder nicht stillstehen?

 

Dr.  Tremmel: Auch wenn das nahe liegend wäre, muss es nicht passieren. Normalerweise ziehen Wirtschaftskrisen immer eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes nach sich, da die Produktionen zurückgehen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Klimaziele hinten anstehen müssen, wenn Regierungen versuchen die Wirtschaft wieder richtig anzukurbeln, so wie es derzeit der Fall ist. Neben der hohen Staatsverschuldung, die derartige Maßnahmen mit sich bringen, kommt dann noch ein erhöhter CO2-Ausstoß hinzu. Beim G20 Gipfel vergangene Woche haben sich die beteiligten Staaten in ihrem Abschlussdokument jedoch darauf geeinigt zu versuchen, die wirtschaftliche Krise nicht auf Kosten der Klimaziele auszutragen. Es soll beides möglich gemacht werden. Allerdings ist es fraglich, ob das durchsetzbar ist…..

 

 

…aber ist das nicht wie die Geschichte vom Mann, der vom Hochhaus fällt und während des Sturzes zu sich selbst sagt: Bis hierhin ging es ja ganz gut?

 

 

Das ist ein wenig plakativ! Aber ja, der  Klimawandel hat schon begonnen, die Pole schmelzen und das alles wird nicht sofort aufhören, selbst wenn wir gar keine Klimagase mehr produzieren sollten. Es ist wie ein Tanker, der nun mal sehr lange zum Umlenken braucht. Wir müssen versuchen, den Klimawandel und seine die Auswirkungen so gut wie möglich zu begrenzen.

 

 

Wie kann denn angesichts des Klimawandels überhaupt gegenüber kommenden Generationen gerecht gehandelt werden?

 

 

Nun ja, gerecht wäre es, das Risiko für ökologische und technologische Zusammenbrüche zu vermeiden. Weltweit hat der Klimawandel unterschiedliche Auswirkungen, was ihn in Bezug auf Gerechtigkeit auch komplex macht. Die Folgen kumulieren sich in der Zukunft. Doch in der südlichen Halbkugel werden die Auswirkungen wie beispielsweise in Afrika oder Bangladesch, sehr viel stärker sein, als in den Ländern der nördlichen Halbkugel, die zum Großteil für die Entwicklungen verantwortlich sind. Schon jetzt ist in vielen südlichen Gebieten die Verbreitung von Krankheitserregern oder Todesfälle durch Hitze auf die gestiegenen Temperaturen durch den Klimawandel zurückzuführen.

Die Frage nach der Generationengerechtigkeit in Bezug auf den Klimawandel ist daher eher eine Frage nach internationaler Gerechtigkeit. Würde beispielsweise jedem Mensch das Recht auf einen bestimmten Ausstoß an CO2 zugestanden, wäre das in der Masse wahrscheinlich schon zu viel. Daher wären Begrenzungen gerechter, z.B. hierzulande Abwrackprämien für Häuser einzurichten, um die Wärmeeinsparungen sinnvoll voranzutreiben.

 

 

 

Die Stiftung für Rechte zukünftiger Generationen spricht von einer ökologischen Gerechtigkeit – können Sie diese in wenigen Sätzen beschreiben?

 

Im Endeffekt bauen wir dabei auf verschiedene Faktoren: Zum einen sollten Erneuerbare Energien nur so weit verbraucht werden, wie sie die Umweltmedien Boden, Grund- und Oberflächengewässer sowie Luft und Atmosphäre aufnehmen und wieder produzieren können. Zudem muss die Tier- und Pflanzenwelt erhalten bleiben und auch die menschliche Gesundheit sowie essentielle Umweltfunktionen, auf die der Mensch nicht verzichten kann, müssen erhalten bleiben. Für den Bereich der nicht erneuerbaren Ressourcen gilt indes, diese sparsam zu verwenden, und bei Möglichkeit zu substituieren.

 

 

Haben Sie drei nützliche Tipps, die jeder im Alltag tun kann, um dazu bei zu tragen, diese Vision zu verwirklichen?

 

 

Natürlich! Ich würde hier die drei Säulen Konsum, Bevölkerung und Technologie ansetzen. Jeder kann beispielsweise ab und an auf das Auto verzichten und lieber sein Fahrrad benutzen. Im Bereich der Technologie sollte man darauf achten, umweltfreundliche Geräte zu verwenden und auf Kennzeichnungen wie beispielsweise den blauen Engel zu achten. Für die Bevölkerung gilt, dass man sich schon überlegen sollte, wie viele Kinder man sich anschafft.

 

 

Letzte Frage: Was glauben Sie, wie lange dauert es noch, bis die Welt untergegangen ist?

 

(lacht) Obwohl der Klimawandel Teile von Mensch und Natur bedroht ist er noch lange keine konkrete Bedrohung für die Menschheit an sich. Ich glaube, dass es mindestens noch 6000 Jahre dauern wird. Ich sehe das ziemlich optimistisch.

 

Herr Dr. Tremmel, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

Dr. Jörg Tremmel ist wissenschaftliche Direktor der SRzG. Er hält an verschiedenen deutschen Hochschulen Vorlesungen und Seminare zu den Themen „Generationengerechte Politik“, Bevölkerungssoziologie“ und „Wissenschaftstheorie“.


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