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Donnerstag, 10. Juli 2008 14:13 Uhr
Kategorie: Klima News

Von: SB

G8: Großes Echo, kleine Wirkung

Der diesjährige G8 Gipfel in Japan wurde als mediales und politisches Großereignis angekündigt. Die Ergebnisse bleiben aber bei der Hilfe für Afrika oder dem Klimaschutz größtenteils hinter den Erwartungen zurück. Internationale Spekulationen über eine Umstrukturierung des aufwändigen Treffens werden immer lauter.

Bild: pixelio.de

Dominiert wurde das Treffen der G8 Länder von drei großen Themen, die jedoch alle ohne denkwürdige Ergebnisse blieben. Die Tatsache, dass Afrika nur ein Viertel der in der Vergangenheit bereits zugesagten Gelder erhalten soll, ist dabei einer von zahlreichen internationalen Kritikpunkten. Aber vor allem bei den Vereinbarungen zum Klimawandel hätten sich Experten auf Grund der globalen Situation und dem wissenschaftlich bestätigten Zeitdruck, mehr erwarten können.

 

Halbierung der Emissionen ist zu wenig

 

Die auf den ersten Blick gefeierte Erklärung, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 halbieren zu wollen erweckt zunächst den Anschein eines durchschlagenden Ergebnisses, zumal die USA sich erstmals auf ein konkretes Ziel festlegten. Bis zum Gipfel hatte die Bush-Regierung stets eine Zusage zu konkreten Klimavereinbarungen abgelehnt, da sie von boomenden Schwellennationen wie Indien oder China ebenfalls konkrete Aussagen zum Klimaschutz erwarteten. Solange diese sich nicht an ähnlichen Zielen beteiligten, so der bisherige Tenor Amerikas, hätten Abkommen dieser Art keinerlei Zukunftsaussichten.

 

In Toyako stimmten auch die USA den G8–Klimazielen zu. Einen wirklichen Fortschritt bedeutet dieses Abkommen laut Wissenschaftsexperten jedoch nicht. Neuesten Modellprognosen zufolge werden die ersten starken Auswirkungen des Klimawandels bereits ab dem Jahr 2030 für gewisse Regionen spürbar sein. Bis dahin ließe das Ziel von Toyako allerdings noch  weiter 20 Jahre auf sich warten. Klimaexperten halten daher eine Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent für äußerst gering, wirklich Veränderungen würden erst bei einem Rückgang um 80 bis 95 Prozent eintreten.

 

Diese Prognosen wirken utopisch, zumal bereits die geplante Halbierung bis 2050 enorme Disziplin aller Nationen erfordert. Dabei werden besonders die boomenden Wirtschaftsnationen der Schwellenländer ausschlaggebend sein. Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer hält daher Vereinbarungen zu einer technologischen Zusammenarbeit von G8- und Schwellenländer für eine entscheidende Bedingung eines global erfolgreichen Klimaschutzes. Töpfer zufolge könne zudem die auf dem Gipfel beinahe als neues Wundermittel gegen den Klimawandel gepriesene Atomenergie „ohne jeden Zweifel nicht die Lösung des Problems“ gelten, sagte er im Interview mit der Hannoverschen Neuen Presse.

 

G8, G10 oder auch G13?

 

Wie wichtig Nationen wie Indien und China geworden sind, zeigt auch die neuerliche Struktur des Gipfels. Der Club der acht Wirtschaftsgrößen ist alleine nicht mehr handlungsfähig und benötigt so genannte Outreach Staaten, die an dem Gipfel teilnehmen und sich untereinander auszutauschen. Dieses Jahr waren Vertreter aus 14 verschiedenen Staaten an dem Treffen beteiligt, alleine sieben davon kamen aus afrikanischen Ländern. Doch laut dem Ranking der größten Wirtschaftsnationen müsste die G8 Teilnehmerliste bereits seit einigen Jahren überarbeitet werden. Als viertgrößte Wirtschaftsnation hat China mittlerweile gute Chancen, Deutschland den dritten Platz streitig zu machen  und Indien liegt noch vor Russland, das eigentlich den 12. Rang belegt.

 

Doch nicht nur China und Indien betonen ihren Anspruch auf einen Platz im elitären Kreis der reichen Staaten. Auch Vertreter aus Südamerika, wie beispielsweise Brasilien oder Mexiko, sowie Südafrika würden gerne in der oberen Liga der vermeintlichen Entscheidungsträger mitspielen. Frankreichs Ministerpräsident Nicolas Sarkozy hatte daher auf dem Gipfeltreffen bereits den Vorschlag unterbreitet, neue Mitglieder aufzunehmen.

 

So könnte also das 34.Treffen dieser Art, das einst 1975 als Kamingespräche  zwischen Valéry Giscard d´Estaing und Helmut Schmidt begann, könnte internationalen Kommentatoren zufolge in Toyako seine Zukunft besiegelt haben. In dem Sinne, dass sich etwas ändern muss, so Zeitungskommentatoren in London, Ungarn, Frankreich oder den Niederlanden. Allerorten wird dem Gipfel ein negatives Zeugnis ausgestellt, weil die Ergebnisse den Aufwand bei Weitem in den Schatten stellen.

 

Prognosen über den diesjährige Klima-Fußabruck des G8-Treffens im japanischen Toyakosind zwar noch veröffentlicht, doch er dürfte in etwa dem des Vorjahres in Heiligendamm entsprechen. Damals verbrauchte das Treffen Berechnungen des Spiegel zufolge in den drei Tagen fast 30.000 Tonnen CO2.  Die dreiwöchigen Fußballweltmeisterschaft  2006 verbrauchte im direkten Vergleich dazu gerade einmal ein Drittel, nämlich rund 10.000 Tonnen CO2.

 

 

 


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