Bei care&click zeigen Sie Fotografien von Schmetterlingen. Im Juni 2009 erschien ihr Kalender „Nomaden des Windes“. Wie reist ein Schmetterling denn?
Die Schmetterlinge waren ein zweijähriges Fotoprojekt. Zunächst gab es ein Buch „Nomaden des Windes“, eine ausführliche Reportage in GEO Deutschland und einer Menge anderer Magazine weltweit. Viele Schmetterlingsarten wandern. Die größte, und eine der längsten Schmetterlingswanderungen, ist die der Monarchfalter. Sie reisen von den großen Seen im Norden der USA bis ins zentrale Hochland von Mexiko um dort den Winter zu verbringen. Das sind über 3.500 Kilometer! Man schätzt, dass dort bis zu 400 Millionen Monarchfalter überwintern. „Unser“ Distelfalter hält den Weitwanderrekord. Er wandert in klimatisch günstigen Jahren von Nordafrika über die Alpen, in Einzelfällen sogar bis zum Polarkreis. In diesem Jahr gab es eine „Distelfalter-Invasion“. Viele Menschen haben den Masseneinflug der Tiere beobachtet und die Medien waren voll mit Berichten dazu. Auch jetzt, im Sommer, lassen sich Distelfalter beobachten. Sie fressen besonders gerne den Nektar des Sommerflieders.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie solche Tiere fotografisch begleiten möchten?
Dazu ist ein genauer Plan notwendig. Als ich die Monarchfalter für mein Schmetterlingsprojekt begleitete, hatte ich die Route der Schmetterlinge vorher genau recherchiert und bin dann zum entsprechenden Zeitpunkt an verschiede Stellen der Zugroute gereist und habe dort fotografiert. Man muss zeitlich etwas flexibel sein. Wetterumschwünge sorgen immer wieder für Verzögerungen, manchmal fliegen die Schmetterlinge aber auch mit viel Rückenwind schneller als geplant.
In Zusammenarbeit mit der deutschen Wildtierstiftung haben Sie faszinierende Aufnahmen heimischer Wildtiere gemacht, zum Beispiel das eines Hasen. Auf der Homepage der deutschen Wildtierstiftung gibt es dann auch einen spannenden Steckbrief dazu. Welche Motivation steht hinter einem Projekt wie diesem?
Ziel meiner Arbeit als Naturfotograf ist es, den Menschen die Schönheit und die Faszination der Natur zu zeigen. Ich möchte sie für Tiere, Pflanzen und Landschaften begeistern und so für den Naturschutz zu werben. Der Fotoauftrag für die Deutsche Wildtierstiftung war genau darauf ausgelegt. Wie ich hörte, war die Resonanz auf die Kampagne ungeheuer groß und sehr positiv. Es freut mich natürlich sehr, wenn meine Bilder etwas bewirken.
Wie sieht es denn mit der momentanen Situation von Rothirsch, Feldhase und Wasserfrosch angesichts der Intensivierung der Landwirtschaft und Verschmutzung der Gewässer aus?
Genaue Zahlen und Forschungsergebnisse kenne ich nicht. Ich glaube, dass die Wildtierstiftung diese drei Tierarten stellvertretend für viele andere Arten und deren Lebensräume ausgewählt hat. Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Gewässerverschmutzung sind Probleme an denen wir intensiv weiter arbeiten müssen.
Ihr Kinderbuch „Geheime Welt der Raupen“ wurde 2009 für den Deutschen Literaturpreis nominiert. Auch ihr neues Kinderbuch „Im Moos ist was los“ macht Lust auf das Abenteuer Natur. Was reizt Sie an Kinder- und Jugendliteratur zu den Themen Tier und Umwelt? Kinderbücher sind neben unseren großen Bildbänden ein wichtiges Arbeitsfeld geworden. Es gilt ganz besonders die Kinder für die Natur zu begeistern. Kinder sind unsere Zukunft und werden zukünftig für den Erhalt der Natur sorgen müssen. Umso wichtiger ist für sie anspruchsvolle Kinder- und Jugendbuchliteratur zu schaffen. Wir müssen die Neugierde der Kinder wecken, sie schon früh für die Natur gewinnen.
Die Fotografien der verschiedensten Tiere aus ganz unterschiedlichen Ländern machen neugierig auf die Geschichten dahinter. Was war Ihr faszinierendstes Erlebnis mit einem Tier?
Jede Reise birgt ganz besondere Erlebnisse. Besonders die Begegnungen mit Menschenaffen sind mir in bester Erinnerung. Wenn man einmal aus wenigen Metern Entfernung einem Berggorilla-Silberrücken in die Augen gesehen hat, ist man hin und weg. Das sind ganz großartige und friedfertige Tiere. Das Leben eines Tierfotografen ist voll von tollen Erlebnissen mit Tieren aus aller Herren Ländern, deshalb kann ich mir auch keinen schöneren Beruf vorstellen.
Sie haben auch die Antarktis bereist. Wie ist dort die Situation der Tierwelt? Haben Sie bereist Spuren des Klimawandels wahrnehmen können?
2004/2005 war ich für drei Monate mit dem Deutschen Forschungsschiff Polarstern in der Antarktis unterwegs. Mit dem Autor Claus-Peter Lieckfeld zusammen habe ich dort gearbeitet. Auf dieser außergewöhnlichen Expedition haben wir an einer mehreren Quadratkilometer großen Eisscholle festgemacht und sind mit ihr von der zentralen Weddellsee mit der Meeresströmung in wärmere Gewässer getrieben. Das Ziel war es, herauszufinden was beim Abschmelzen der Eisscholle im Großen und im Kleinen passiert. Wir hatten auch einige „Klimaforscher“ mit an Bord. Die Forschungsergebnisse haben schnell gezeigt, dass die Klimaerwärmung tatsächlich auch schon in der Antarktis angekommen ist. Das ist jetzt auch schon wieder vier Jahre her und inzwischen geht es nicht mehr nur darum den rasch fortschreitenden Klimawandel zu belegen. Es geht vielmehr darum, so schnell wie möglich die Ursachen zu bekämpfen. Sicher hat es schon immer starke Klimaschwankungen auf der Erde gegeben, aber noch nie sind die Temperaturen über einen so kurzen Zeitraum so drastisch angestiegen. Das hat auch diese Antarktis-Expedition ergeben. Unter Der Klimaerwärmung leiden natürlich alle Tiere des Südpolarmeeres. Ein kleiner Temperaturanstieg kann dafür sorgen, dass der Lebensraum einer Tierart innerhalb weniger Jahre unbewohnbar ist. Bei einigen Pinguinarten ist das bereits geschehen. Sie mussten ihren angestammten Lebensraum verlassen und in kältere Gebiete abwandern.
Darf man schon einmal fragen, wo denn die nächste Reise hingeht und was das Thema sein wird?
Ende der Woche werde ich für das Projekt „Wild Wonders of Europe“ www.wildwondersofeurope.com nach Frankreich reisen, um Mufflons zu fotografieren. Und die nächsten Monate sind auch schon komplett verplant. Was ich dann fotografiere, darf aber noch nicht verraten werden.
Weitere Informationen zur Arbeit von Ingo Arndt finden Sie unter www.ingoarndt.com


