Wenn wir ökologischere Gebäude bauen und nachhaltigere Produkte erzeugen und kaufen, werden wir in zunehmendem Maße angenehmer leben können, ohne den Planeten Erde zu zerstören. Aber wir dürfen dabei die Energieversorgung nicht außer Acht lassen. Wir müssen jetzt mit größtem Engagement die vorhandene Energie intelligenter einsetzen.
Kleine Dinge haben oft keine großen Auswirkungen. Beim Energieverbrauch ist das anders: Mit kleinen Änderungen, unspektakulären Verbesserungen mindern wir unsere Strom- und Heizkosten und klinken uns dar- über hinaus in eine globale Bewegung ein, deren Ziel es ist, mit weniger mehr zu erreichen. Stellen wir uns vor, wir verschwenden dieses Jahr nur drei Prozent weniger Energie – sagen wir, indem wir alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen und immer das Licht ausschalten, wenn wir es nicht brauchen. Ein erster Schritt! Im nächsten Jahr verpflichten wir uns dann, wieder drei Prozent weniger zu verbrauchen, beispielsweise, indem wir eine effizientere Waschmaschine anschließen oder das Dach isolieren. Wir würden die Stand-by-Schaltung unseres Fernsehers überlisten, unsere Warmwasserleitungen dämmen, die Temperatur der Wohnung um ein Grad senken …
Gehen wir Jahr für Jahr so vor, nutzen wir bessere Techniken, sobald sie zu haben sind, machen wir uns stärker bewusst, wie wir die Energieverschwendung einschränken können. Es würde von Jahr zu Jahr natürlich immer schwieriger, weil wir die einfachen Maßnahmen in unserem Haushalt abgehakt hätten. Die Erfahrung zeigt, dass durch weiterentwickelte Technik ganz automatisch immer energiesparendere Geräte auf den Markt kommen. Welche Folgen hätten diese vielen kleinen Schritte? Enorme. Drei Prozent Energie pro Jahr einzusparen, würde bedeuten, dass wir bis zum Jahr 2100 insgesamt weniger Energie verbrauchen als heute, obwohl wir einen Planeten Erde mit zehn Milliarden Menschen hätten, die so wohlhabend sind wie der Durchschnittseuropäer heute. Art Rosenfeld und John Wilson von der Kalifornischen Energiekommission nennen diesen Effekt »Conservation Bomb« – viele kleine Schritte machen den Unterschied. Sollten wir diese drei Prozent nicht konsequent einhalten, können wir trotzdem viel erreichen. Wir müssen unsere Effizienz verdoppeln. Weniger als die Hälfte der Energie wäre nötig, damit diese zehn Milliarden Menschen gut leben können. Sofern wir das tun und weiterhin mit vollem Einsatz an der Entwicklung sauberer Energien arbeiten, schaffen wir bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts durchaus eine Welt, die überwiegend mit erneuerbaren Energien auskommt. Kombinieren wir die erhöhte Energieeffizienz mit dem Einsatz erneuerbarer Energie und anderen in diesem Buch beschriebenen Maßnahmen, so könnte schon die nächste Generation in einer solaren Welt leben.
Bis es so weit ist, sparen wir durch die Effizienzsteigerung in unserem eigenen Lebensumfeld nicht nur Geld, sondern verändern auch die Welt um uns. Wir kurbeln damit den Markt für effizientere Produkte an, wir bereiten den Markt für die Erzeugung erneuerbarer Energien, und wir geben Innovationen den nötigen Schwung, damit sie auch den ärmsten Menschen auf unserem Planeten zugutekommen.
Fangen Sie an, Energie zu sparen! 10 wichtige Tipps
1) Energieberatung in Anspruch nehmen!
Nehmen Sie vor der Sanierung Ihres Hauses eine Energieberatung in Anspruch, um einen Überblick über den technischen Stand des Heizsystems und des Gebäudes zu erhalten. Die Verbesserungsvorschläge für ein Sanierungskonzept für die folgenden Jahre sind auf Ihren Geldbeutel zugeschnitten. Jeder einzelne Schritt ist eine wichtige und energiesparende Maßnahme, aber die einzelnen Maßnahmen müssen aufeinander abgestimmt werden. Fehler kosten Geld, und mit einer guten Beratung und einem vernünftigen Energiekonzept wird das Einsparpotenzial bestens ausgeschöpft. Ein gutes Energiekonzept enthält eine individuelle Analyse der Schwachstellen und einen Maßnahmenkatalog für die wirtschaftliche Gebäudesanierung.
2) Haus energetisch sanieren!
Mit einer vernünftigen Wärmedämmung Ihres Hauses, auf der Grundlage eines guten Energiekonzeptes, können Sie den Energieverbrauch für die Heizung um die Hälfte oder mehr senken. Erkundigen Sie sich, ob Sie für die Maßnahmen Förderung von kommunaler Seite erhalten. Wer etwas für die Umwelt und das Klima tut, wird manchmal beschenkt. Ihr Geldbeutel wird es Ihnen ohnehin danken, wenn die Heizkosten sinken.
3) Die Stromfresser entlarven!
Wundern Sie sich, dass Ihre Stromrechnung schon wieder so hoch ist? Bewegen Sie sich wie ein Energiedetektiv durch die Wohnung und suchen Sie nach den energieverschlingenden Verursachern. Ist es der Toaster, der einen Defekt hat und mehr als sonst verbraucht, oder läuft da ein Gerät unentdeckt auf Stand-by, obwohl Sie der Meinung sind, Sie hätten es ausgeschaltet? Verwenden Sie einen Strommengenzähler für die Suche. Die günstigen nützlichen Helfer werden zwischen Gerät und Steckdose geschaltet und messen den Stromverbrauch. An der Digitalanzeige werden dann die Ergebnisse abgelesen. Sie können aktiv handeln, sobald Sie eine Stromschleuder entdeckt haben.
4) Stand-by-Schaltungen überlisten!
Der Fernseher, die Stereoanlage – die komplette Unterhaltungselektronik – zieht dauernd Strom aus der Leitung, obwohl Sie den »Aus«-Schalter gedrückt haben. Was verrückt klingt, ist leider ein häufig unterschätztes, aber weit verbreitetes Übel, durch das Unmengen Strom unnötig vergeudet werden. »Stand-by-Schaltung« nennt sich dieser Stromfresser. Moderne Geräte sind immer »unter Strom«, oft können sie nicht mehr ausgeschaltet werden, sondern laufen in ständiger Bereitschaft und benötigen dabei halb so viel Energie wie im direkten Betrieb. Zwei große Kernkraftwerke laufen in Deutschland, nur um den Strom für diese Energieverschwender zu erzeugen. Sie sollten schon beim Kauf eines Gerätes auf die Angaben für den Energieverbrauch und den Stand-by-Energieverbrauch achten: Am besten wäre ein Gerät mit einem richtigen Netzschalter, der die Stromverbindung wirklich kappt. Bei manchen geht das aber nicht, da können Sie nur den Stecker aus der Dose ziehen – oder Sie kaufen sich eine schaltbare Steckdosenleiste, in die Sie Lautsprecheranlage, Stereoanlage und Fernseher stecken und dann mit einem Schaltvorgang vom Netz trennen.
5) Heißwasserverbrauch reduzieren!
Es kostet viel Energie, Warmwasser bereitzustellen oder bereitzuhalten. Stellen Sie zuallererst den Heißwasser-Temperaturregler der Heizung auf 50 Grad ein. Tag und Nacht wird warmes Wasser durch die Rohrleitungen gepumpt, damit es jederzeit warm aus dem Wasserhahn kommt. Dabei geht wertvolle Wärme verloren. Deshalb reduzieren Sie zusätzlich die Laufzeit der Zirkulationspumpe durch eine Zeitschaltuhr oder schalten Sie sie durch ein Funksignal gezielt ein und aus. Ändern Sie Ihr Verhalten: Duschen Sie, anstatt zu baden, und setzen Sie wassersparende Duschköpfe ein. Lassen Sie Spülmaschine und Waschmaschine immer nur vollbeladen laufen.
6) Raumtemperatur senken!
Senken Sie die Raumtemperatur um ein Grad. Sie werden es kaum bemerken, der Effekt ist dennoch enorm: Sie sparen dadurch fünf bis sieben Prozent Heizenergie.
7) Licht aus!
Schalten Sie das Licht aus, wenn Sie den Raum verlassen. Das gilt auch für moderne Leuchtstoffröhren mit elektronischem Vorschaltgerät. Ersetzen Sie Ihre alten Glühbirnen durch energiesparende Leuchtmittel wie Energiesparlampen (Kompaktleuchtstoffröhren), neue Hochleistungsleuchtdioden (LED) oder energieeffiziente Niederhalogenlampen mit Infrarotbeschichtung (IRC). Nutzen Sie im Außenbereich Bewegungsmelder, dann wird das Licht am Hauseingang automatisch angeschaltet, wenn sich jemand nähert. Später geht die Beleuchtung ebenso automatisch wieder aus.
8) Augen auf beim Kauf!
Achten Sie beim Kauf von Haushaltsgeräten auf energiesparende Geräte. Orientieren Sie sich dabei am europaweit gültigen Energieeffizienzkennzeichen für Haushaltsgeräte und wählen Sie die Energieeffizienzklasse A. Eine schlechtere sollte es nicht sein. Sie setzen damit ein Signal an die Hersteller, die Geräte immer energiesparender zu entwickeln.
9) Warmwasserleitungen dämmen!
Die Warmwasserrohre vom Heizkessel zu den einzelnen Heizkörpern verlaufen häufig ungedämmt durch ungeheizte Kellerräume – da geht eine ganze Menge Wärme sinnlos verloren. Dämmen Sie nachträglich mit Dämmschalen. Das können Sie ganz einfach selbst umsetzen.
10) Rollladen zu!
Schließen Sie im Winter abends die Rollladen Ihres Hauses, wenn Ihre Fenster noch älteren Baujahres sind. Dies verhindert, dass Wärme durch die schlecht gedämmten Fenster abfließt.
Dies sind erste Tipps. Mit Spürsinn Energiefresser ermitteln, mit Kreativität und im Austausch mit anderen, um aktiv Lösungen zu finden – so werden Sie in Ihrem Haushalt viel verändern.


