Bei einer Problematik, die scheinbar so unüberwindbar ist wie die Erderwärmung, schleicht sich schnell der Gedanke ein: »Sollen das doch die Regierungen und die Großkonzerne in die Hand nehmen. Ich kann ja sowieso nichts tun.« Aber so leicht dürfen wir es uns nicht machen. Jede und jeder von uns kann in seinem Leben etwas verändern und bewirken – und kleine Veränderungen verstärken einander, so dass bereits relativ wenige aktive Menschen eine überproportional große Wirkung erzielen. Und wer eher früher als später einen persönlichen Aktionsplan ausarbeitet, erhält einen Bonus: Unternehmen die Regierungen und Großkonzerne endlich etwas, ist er ihnen voraus und wird von den Veränderungen nicht überrumpelt.
Wie könnte unsere individuelle Reaktion aussehen? Was können wir tun, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern? Wir können versuchen, unseren persönlichen Beitrag zum Klimawandel zu minimieren, weniger Ressourcen zu verbrauchen und den Umweltkollaps bewusst abzuwenden. Wir können heute damit beginnen, einen positiven Pfad zu ebnen. Wenn wir es lernen, klimafreundlicher zu leben, werden neben dem Planeten Erde auch wir selbst davon profitieren.
Die richtigen Entscheidungen
Eine realistische Einschätzung des globalen Klimas ist nicht nur die Basis für staatliche Planung und Reaktion, sondern auch für uns und unsere großen Lebensentscheidungen. Stellen Sie sich zu den Entscheidungen, die Sie derzeit fällen, einmal die folgenden Fragen. Ihre Antworten geben möglicherweise Aufschluss über die Zukunft, die Sie sich aufbauen:
Was für Waren kaufen Sie? Spielt für Sie die Energieeffizienz beim Einkauf eine Rolle? Alles, was Energie verschwendet, wie etwa Geräte, die auch im ausgeschalteten Zustand Strom verbrauchen, oder Wohnungen, in denen die Wärme durch undichte Fenster entweicht, wird in den kommenden Jahren zu einer echten Belastung. Grundidee: Effizienz ist auf lange Sicht eine Erfolgsstrategie.
Was für einer Arbeit gehen Sie nach? Wird sie in Zeiten wirtschaftlicher Anspannung, verstärkter Auswanderung und übermächtiger Umweltprobleme mehr oder weniger stark gefragt sein? Macht man das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, womöglich verantwortlich für diese Probleme (sei das nun gerechtfertigt oder nicht)? Die Grundidee ist, dass Berufe, die den Menschen bei der Bewältigung großer Veränderungen helfen, mit Sicherheit gefragt sein werden.
Wo leben Sie? Ein Ort, der heute attraktiv scheint, könnte in künftigen Sommern erheblich wärmer oder von großen Stürmen, anhaltender Dürre und/oder Pflanzen- oder Insektenplagen heimgesucht werden. Die Grundidee ist, dass Sie in einem schon heute problematischen Wohnort in einem Jahrzehnt oder zwei höchstwahrscheinlich echte Schwierigkeiten bekommen werden. Hier ein wichtiger Hinweis: Kaufen Sie kein Haus am Strand.
Da wir in einer Zeit des raschen technischen Fortschritts leben, sind wir es nicht gewohnt, Jahrzehnte voraus zudenken. Doch die Umwelt hält mit den Aktivitäten des Menschen nicht Schritt. Wir wissen recht gut, wie sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten verändern wird. Doch selbst wenn wir sofort richtig reagieren und unser Verhalten ändern, werden wir die großen und allmählichen Prozesse nicht mehr aufhalten. Wir verschreiben uns heute der Aufgabe, das Klima zu verändern, doch indem wir auch in unserem Leben die richtigen Entscheidungen treffen, können wir unser eigenes Wohlergehen sichern und gleichzeitig verhindern, dass die Erderwärmung weiter fortschreitet als nötig.
Wie groß ist Ihr CO2-Fußabdruck?
Wir leben auf Kosten nachfolgender Generationen. Mit unserem Lebensstil und unserem Konsumverhalten beuten wir den Planeten Erde aus. Wir leben auf »zu großem Fuß«! Aber wie viele Schuhgrößen kleiner muss es sein? Der ökologische Fußabdruck ist dafür eine zwar grobe aber doch anschauliche Messmethode. Als Maßeinheit dient der jeweilige Naturverbrauch im Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt.
Mit dem CO2-Fußabdruck können wir speziell die Auswirkungen unseres Handelns auf den Klimawandel beurteilen und dann – hoffentlich – auch gezielt an Veränderungen arbeiten. Hier gilt als Maßeinheit, wie viele Tonnen CO2 persönlich pro Jahr verbraucht werden, ebenfalls in Vergleich gesetzt zum Landesdurchschnitt. Dabei schockiert der Vergleich mit dem statistischen Durchschnitt der Entwicklungsländer. Der jährliche Durchschnitt pro Person liegt in Deutschland bei 13 Tonnen CO2 – in China bei drei Tonnen.
Sie wollen nun Ihre individuelle Klima-Schuhgröße ermitteln? Greenpeace, der weltweit tätige Umweltschutzverband, bietet auf seiner Internetseite einen detailliert aufgebauten und verständlichen CO2-Rechner (http://greenpeace.klima-aktiv.com): Der persönliche Konsum, die Ernährungsgewohnheiten, das Mobilitätsverhalten und die Art des Wohnens fließen in die Berechnung ein. Nach neun Teilschritten liegt das Gesamtergebnis vor, inklusive guter Tipps für ein klimafreundlicheres Verhalten.
Der CO2-Rechner auf der Seite des internationalen Energiekonzerns BP (www.deutschebp.de) setzt zur Berechnung andere Schwerpunkte. Hier konzentriert man sich auf das Wohnverhalten und die Verkehrsgewohnheiten, schreibt aber auch mal ein paar Kilogramm CO2 fürs Abschalten des Lichts oder für eine Solaranlage wieder gut.
Vergleichbar sind die Ergebnisse schon aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsformeln nicht. Aber darum geht es nicht, denn die eigentliche Botschaft lautet: Überprüft euer Verhalten, passt eure Gewohnheiten an, lebt ein bisschen bewusster und auf kleinerem Fuß!

