care & click charity

Anzeige



Montag, 10. November 2008 10:11 Uhr
Kategorie: Klima Leben, Interview

Von: AH

Der Geist von Eisbären

Seit über 20 Jahren widmen sich die Fotografen Heidi und Hans Jürgen Koch der Tierfotografie auf der ganzen Welt. Auf www.animal-affairs.com bietet sich dem Betrachter ein breites Spektrum spannender Fotografien mit Themen wie „Die Erotik der Schnecke“, „Honigbienen, Bestäuberinnen der Welt“ oder „Boom der Super Aquarien“. Mit care&click sprachen sie über Ihre Bilderreihe WHITE – Spirit of Polar Bears, die Rolle des Eisbären in Zeiten des Klimawandels und was Fotografie bewegen kann.

Bild: H. und H. Koch

Wo genau muss ich heute hinfahren, wenn ich einen Eisbären fotografieren möchte? Hat sich die Situation des Eisbären heute verändert?

 

Natürlich hat sich die Situation des Eisbären durch die globale Situation

verschlechtert. Man kann auch sagen, der Eisbär ist durch seine dramatische

Situation zu einer Art Symbol für den Klimawandel geworden. Aber wir haben

unsere Aufnahmen von Eisbären ja nicht draußen in der Arktis gemacht.

Unsere Eisbärengeschichte entstand in Zoos in Kolmarden, Schweden, in Berlin, Wuppertal und Stuttgart. Diese Fotos entstanden also unter kontrollierten Bedingungen im Winter 1999. Als wir die Aufnahmen gemacht haben, war die globale Erwärmung noch nicht so in den Fokus der Medien gerückt, obwohl sie zu

diesem Zeitpunkt natürlich schon stattfand. Uns ging es damals darum, das

Tier im Mittelpunkt zu haben. Den Zoo sahen wir als Chance, persönliche und

intime Bilder des Eisbären zu machen. Unsere Fotografie sollte dem Eisbären angemessen sein und seiner Persönlichkeit gerecht werden. Ein großes und wildes Tier, dazu mit sehr hellem Fell, konnten wir uns nur in schwarz-weiß vorstellen.

 

 

Was macht für Sie „gute Naturfotografie“ aus und welche Rolle

spielt sie beim Thema Klima- und Umweltschutz?

 

Ein Einzelbild kann unserer Meinung nach nicht viel bewegen, aber die Summe guter Natur- und Tierbilder schon. Wenn Bilder zum Beispiel ein Gefühl

transportieren, begeistern, eine Regung hervorrufen, können sie etwas

verändern. In unseren Fotografien geht es uns dabei auch darum, wenn möglich, keine Klischees zu zeigen. Der Betrachter ist heute übrigens sehr verwöhnt, er bekommt Bilder von überall her zu sehen. Für uns sind gute Naturfotografien Bilder, die einen staunen lassen und die man glaubt so noch nicht gesehen zu haben. Besonders gerne setzen wir uns auch mit Tieren auseinander die nicht so sexy sind und attraktiv daherkommen. Dahinter steht die Überzeugung, dass jedes Lebewesen interessant und gleich wichtig ist, wir nehmen sie daher mit der Kamera auch alle gleich ernst.

 

 

Was sind die Grundsätze und das Anliegen von animal-affairs? Gibt

es Erlebnisse bei Fotoaufnahmen mit Tieren, an die sich besonders

gerne erinnern?

 

Zu animal-affairs: Wie gesagt, wir interessieren uns grundsätzlich für jedes Tier. Wir wollen weg vom Klischee, wie das Thema Eisbär zum Beispiel zeigt. Viele Tierfotos die auf dem Markt sind ähneln sich und langweilen den Betrachter irgendwann. Bevor wir Aufnahmen machen, befassen wir uns oft monatelang intensiv mit den Tieren, träumen von den Tieren. Wir eignen uns Wissen über sie an, fragen uns nach unserem Empfinden gegenüber den Tieren und suchen nach einem optischen Ansatz, nach einer Idee, die dem Tier und dem Thema angemessen erscheint. Seit langem sind wir wahre Bärenfans, wir haben auch Fotografien von Braunbären gemacht. Unsere Geschichten sind oft intim, wir versuchen uns in jeder Hinsicht auf die Ebene des Tieres zu begeben. Uns interessiert gerade im Fall des Eisbären sehr stark das Gefühl EISBÄR zu transportieren, vielleicht sogar für einen kleinen Augenblick die Eisbärenseele zu zeigen. Ja, man könnte sagen, mit unseren Bildern wollten wir vielleicht dem Eisbären ein Denkmal setzen. Es gibt viele Tiere und Erlebnisse mit Tieren, die wir sehr faszinierend fanden. Zum Beispiel die Aufnahmen für den Flohzirkus in San Francisco. Aber auch die Braunbären in Alaska, die wir 1993 fotografierten – die fotografischen Vorgänger der Eisbären. Wir reisten 3 ½ Monate mit Zelt durch Alaska – mitten im Bärenland.

 

 

Wie erlebten und erleben Sie im Moment und in der Vergangenheit

die Anfrage nach Tierfotografien, zum Beispiel von Zeitschriften?

Spiegelt sich hier ein Bewusstseinswandel für die Schönheit und

Sensibilität unseres Planeten?

 

In den 90er Jahren begann es, dass sich zum Beispiel Zeitschriften verstärkt für die Tiere vor unserer Haustüre interessierten: Bilder von Spatzen, Schweinen oder Kühen waren da gewünscht. Daneben gab es natürlich das Thema Afrika, dies ging zu dieser Zeit immer. Es war und  ist auch heute noch ein Sehnsuchtsthema. Allerdings muss es heute schon ein besonderer Ansatz, eine besondere Idee sein. Nick Nichols ist ein typischer Vertreter dafür, dass auch heute noch Tiere in Afrika auf Interesse stoßen. Aber auch hier ist inzwischen die Bereitschaft solche Bilder zu drucken, weniger geworden, höchstens es gibt ein besonders bombastisches Projekt. Zum Standpunkt der Tierfotografie in den letzten Jahren lässt sich sagen, dass es von vielen Seiten her erst hieß, sie sei am Ende, zum Beispiel von Redaktionen, Agenturen oder Kollegen. Es war schwierig geworden mit Natur- und Tierbildern noch zu überzeugen. Jetzt hat sich das wieder geändert! Das Bewusstsein und Interesse für die Natur- und Tierwelt ist größer geworden. Die Natur- und Klimasituation zeigt uns, wie wertvoll unsere Umwelt ist. Im Moment würden wir sagen, hat das mediale Interesse an diesen Bildern wieder einmal einen Höhepunkt erreicht. Allerdings bewirkt eine Überschwemmung von durchschnittlichen Bildern jedoch das Gegenteil. Dann ist das Bild nur noch banal. In erster Linie rütteln die Betrachter außergewöhnliche Projekte wach: Perfekte Fotografie, die für unseren Planeten mit einem Gefühl wirbt, neue Ideen und andere Ansätze vorstellt und gegen den Strom schwimmt.

 

 

Aktuelles Buch:

Heidi & Hans-Jürgen Koch

ANIMAL AFFAIRS

h.f.ullmann Verlag, Sept. 2008

Text: Martin Rasper

Sprache: Deutsch

Hardcover mit Schutzumschlag

Format: 29 x 29 cm

Seiten 240, mehr als 200 Fotografien

€ 29,95

ISBN 978-3-8331-4592-6


Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

Um einen Kommentar zu schreiben, ist es nötig, eingeloggt zu sein. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie diesen unter Ich bin neu hier - jetzt anmelden einrichten.

 

Weitere Nachrichten, die Sie interessieren könnten

Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden
test