In unserer zunehmend globalisierten Welt hantiert man wahrscheinlich noch vor dem Frühstück mit Dingen, die aus den verschiedensten Ländern importiert wurden. Fortschritte in der Transport- und Kommunikationstechnologie ermöglichen es Unternehmen, Rohmaterial und Produkte aus nahezu allen Teilen der Welt zu ihren Konsumenten zu bringen.
Die Folgen der Globalisierung bestehen nicht nur darin, dass in deutschen Supermärkten mit großem Erfolg Wasser aus Frankreich und Wein aus Chile verkauft werden. Eine Cola erhält man in 200 Ländern der Erde. Mit dieser Cola spült man in 113 Ländern seinen Hamburger von McDonald’s herunter oder in Indien seinen vegetarischen »McAloo Tikki Burger«. In einem Flugzeug der Kenya Airways auf dem Weg von Nairobi nach London wird ein indischer Bollywood-Film gezeigt, und im Londoner Videoverleih bekommt man die neuesten Filme aus Lagos. Vielleicht sieht man nur noch im Königreich Bhutan keine Filmplakate für die neuesten Hollywood- Streifen.
Der Zusammenschluss der Märkte ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Politik, die nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgt wurde. Weltbank und Internationaler Währungsfonds wurden nicht nur gegründet, weil der Aufbau der europäischen Städte und der deutschen und japanischen Wirtschaft so viel Kraft erforderte. Es war ein Versuch, künftig eine Wirtschaftskrise abzuwenden, wie sie weltweit zwischen den beiden Weltkriegen stattgefunden hatte. Damals stockte der Handel zwischen den Nationen, die Märkte kollabierten, und die Weltwirtschaft schlitterte der Großen Depression entgegen.
Nach dem Krieg setzten sich die Alliierten unter der Führung der USA für ein internationales System ein, in dem es weniger Handelsbeschränkungen und freien Währungstausch geben sollte. Nachdem sie wirtschaftlich wieder auf den Beinen waren, schlossen sich auch Deutschland und Japan diesem System an, und mit dem Niedergang der Sowjetunion kamen unabhängige osteuropäische und asiatische Staaten hinzu. Mit wenigen Ausnahmen – wie zum Beispiel Kuba oder Nordkorea – sind die Nationen der Welt übereingekommen (oder auch gezwungen worden), nach denselben Handelsregeln zu spielen.
Viele positive Gründe sprechen für diesen globalen Zusammenschluss unserer Welt, selbst in den Entwicklungsländern. Dort hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Lebenserwartung verdoppelt. Seit 1960 ist der Anteil der Menschen, die nicht ausreichend mit Nahrung versorgt sind, von 56 Prozent auf weniger als 10 Prozent gesunken. Und der Anteil der Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, hat sich seit 1986 halbiert. In vielen Bereichen funktioniert die Globalisierung also.
Tut sie das? Kritiker des wachsenden globalen Handels weisen darauf hin, dass Industrieländer mehr als Entwicklungsländer profitiert haben. Ihrer Ansicht nach ist der globale Markt so ausgelegt, dass reiche Länder reicher und arme Länder ärmer werden. Umweltschützer kritisieren, dass das Verschiffen chilenischer Trauben nach Berlin einen hohen Ausstoß an Kohlendioxid mit sich bringt, den Globalisierungsbefürworter gerne vergessen. Menschenrechtsaktivisten beklagen, dass entstehende Arbeitsplätze in Entwicklungsländern Kinderarbeitsplätze unter menschenunwürdigen Bedingungen sind. Künstler und Aktivisten in aller Welt sind besorgt, dass Exporte aus Hollywood und Tokio lokale Filme, Musik und Mode verdrängen.
Der globale Markt ist riesig, und er wird es bleiben. Wenige von uns wollen ihn abschaffen, aber die meisten von uns würden sich mehr Gerechtigkeit wünschen – dass er der Umwelt weniger schadet, dass Arbeitskräfte in armen Ländern fair behandelt und kulturelle Besonderheiten geachtet werden. Können wir den freien Markt in einen fairen Markt verwandeln? Kann das System des globalen Handels den ganz Armen genauso helfen wie den ganz Reichen? Oder erreichen wir nur Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, wenn wir uns von dem System abwenden, das die letzten 60 Jahre galt? Was könnten Zukunftslösungen für eine bessere Welt sein?


