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Samstag, 12. April 2008 11:47 Uhr
Kategorie: Klima Bücher, Klima Leben

Von: Literature.de

Das Wetter von Morgen

Zwar verspricht das Buch "Das Wetter von morgen" des britischen Wissenschaftsjournalisten Fred Pearce vom Titel her eine genaue Prognose, wie denn nun das Wetter von morgen und wie sich der Klimawandel vollziehen werde - doch genau dies macht Pearce nicht. Und alle, die sich sensationelle oder gar gruselige Szenarien aus Filmen wie The day after tomorrow erwarten, sollten tunlichst die Finger von diesem wohltuend sachlich und argumentativ-abwägenden Buch lassen.

Das Klima von Morgen

Fred Pearce ist im Bereich der Klimaforschung kein Unbekannter. Als Mitarbeiter des britischen New Science Magazine und als Autor von mehreren, zum Teil auch mit Preisen ausgezeichneten Büchern, von denen vor allem Wenn die Flüsse versiegen einigen bekannt sein dürfte, beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit dem Klimawandel und dessen Folgen für die Erde, die Natur und den Menschen.

Anhand vieler anschaulicher Beispiele zeigt Pearce, dass wir uns trotz aller meteorologischen Unbeständigkeit in der Erdgeschichte momentan in einem signifikanten Klimawandel befinden, und er macht deutlich, wie weit dieser Klimawandel bereits fortgeschritten ist. Pearce beschreibt beispielsweise, wie die Gletscher in Grönland schmelzen und anfangen, vom Land ins Meer zu rutschen, wie riesige Eisschilde in der Antarktis abbrechen, in tausende Eisberge zersplittern, wie in Sibirien und Kanada die Permafrostböden auftauen - und dabei Unmengen an gespeichertem Methan freigesetzt wird. Dies erhöht den CO2 Ausstoß um ein Vielfaches, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf uns haben dürfte. Übrigens hat ein enormer "Methan-Megafurz", wie Pearce es so schön nennt, zum Aussterben der Dinosaurier vor rund 55 Millionen Jahren geführt.

So weit muss es nicht kommen - aber die Folgen dieses Klimawandels, wie er sich bislang zeigt, sind vor allem extreme Wetterlagen, die wir gerade in unserer klimatisch betrachtet eher gemäßigten mitteleuropäischen Zone nicht gewohnt sind. Zwar kann momentan niemand voraussagen, wie genau sich das Klima ändern wird, welche Wechselwirkungen welche Folgen nach sich ziehen, doch allein die Unsicherheit der Wissenschaftler und die eigene Lektüreerfahrung mit diesem wirklich informativen Buch, lassen keine allzu gute Perspektive zu. Verstärkt wird dieser Eindruck auch dadurch, dass Pearce in seinem Buch auch Wissenschaftler zu Wort kommen lässt, die von einem Klimawandel nichts wissen wollen - allzu nachvollziehbar und anschaulich sind die Argumente, die er gegen sie in Feld führt.

Und ob es tröstlich ist oder nicht - das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass einzelne Tier- und Pflanzenarten aussterben, darunter vielleicht auch der Mensch. Nur, für die Erde als Planet ist dies ein völlig normaler und eigentlich unerheblicher Vorgang, wovon sie sich schnell wieder erholen wird, wie vor 55 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben und eine riesige Methan-Wolke für einen plötzlichen Klimawandel in der Erdatmosphäre sorgte.

Und vielleicht ist dies ein Argument, das bei Vielen zu einem Meinungs- und Handlungsumschwung führen könnte. Wenn deutlich wird, dass es nicht um abstrakten Umweltschutz und den "Erhalt einer irgendwie niedlichen Tierart" oder des Planeten geht, sondern um das eigene Wohl, das Wohl der Menschheit - auch wenn dieser Begriff immer noch abstrakt genug ist. Pearce gelingt es, diese vielleicht zynische, aber in ihrem Kern wohl nicht gänzlich zurückzuweisende Botschaft unterschwellig zu transportieren. Laute und plakative Darstellungen und unlautere Prognosen sind trotz des gegenteilig wirkenden Buchtitels nicht sein Ding. Wer eine plausible und auch für Nicht-Experten spannend-informative und verständlich geschriebene Einführung in die geschichtliche Entwicklung des Weltklimas sowie eine nüchtern beobachtende Schilderung und Einordnung des gegenwärtigen klimatischen Zustands sucht, der dürfte mit diesem Buch richtig liegen!

Fred Pearce
Das Wetter von morgen. Wenn das Klima zur Bedrohung wird
Kunstmann Verlag, 2007
340 Seiten, gebunden, 19,90 EUR


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Kommentare

esprit schrieb am 14.04.2008 17:17

Ich find auch, dass sich das bUch gut anhört. Nicht so reißerisch irgendwie. Werd mal in einer Buchhandlung reinschauen




ShadowMan schrieb am 14.04.2008 11:17

Ja das Buch ist sicher lesenswert smile
Nur schlimm das es so viele Egoisten gibt, die auch dann nur an ihr eigenes "Wohl" denken wenn sie wissen das es auch um die Zukunft der Menschheit geht...




Karin schrieb am 13.04.2008 10:30

Dein Kommentar smile die von Ihnen empfohlenen Bücher von Behringer und Rahmstorf/Schellnhuber, die ich schon gelesen habe, sind sehr interessant, deshalb werde ich auch dieses Buch lesen, um in den Diskussionen zum Klimawandel kompetent mitreden zu können.



 

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