Niemand mag sich heutzutage vorstellen, was es heißt, wenn ein Liter Superbenzin über 4 Euro kosten würde. Umfragen zufolge dürften viele erst einmal an allem anderen sparen als an ihrem Auto.
Markus Westermann träumt von einem neuen Leben in den USA. Mit einem sechsmonatigen Arbeitsauftrag für eine Consultingfirma gelingt ihm der Sprung über den großen Teich. Doch er will mehr. Er möchte im Land seiner Träume bleiben und seine eigene Zukunft gestalten. Eine Zukunft, rosig und voller Geld, am besten Lenker eines Imperiums, hoch oben in einem modernen Glasturm.
Wie der Zufall so will, trifft der Protagonist auf den Tüftler Karl Walter Block. Viele Jahre älter, hat er in seiner entlegenden österreichischen Heimat nach Öl gebohrt und ist fündig geworden. Seine "Block-Theorie" möchte er gewinnbringend zu Geld machen. Mit Markus Westermann hat er einen jungen Partner innerhalb kürzester Zeit gefunden, der für das nötige Kapital sorgt. Zusammen wollen sie Erdöl. Beide gründen eine Firma und machen sich auf die Suche nach potentiellen Firmen, die ihre Suche nach Erdöl unterstützen. Eine Wagniskapitalfirma steigt ein, macht jedoch Druck als die ersten Probebohrungen in Saudi Arabien nicht den erwünschten Erfolgt erzielen.
Als Westermanns Partner in einer Nacht verschwindet und sich die CIA in die Ermittlungen einschaltet, beginnt für den Protagonisten ein Abenteuer ganz anderer Art.
Der deutsche Michael Crichton
Michael Crichton gelang mit seinem Thriller "Welt in Angst" ein "spektakulär verpacktes Plädoyer für eine kritische und unabhängige Beschäftigung mit dem Thema Umweltschutz" und auch Andreas Eschbach versucht dies mit "Ausgebrannt". Das Hin- und Herspringen zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht zu Beginn des Thrillers einen der Spannungsmomente aus. Die Angst des Menschen, ohne Erdöl und den daraus resultierenden Produkten plötzlich mit leeren Händen dazustehen, lassen den Leser von Kapitel zu Kapitel gleiten. Immer weitere Verknüpfungen und mögliche Verschwörungstheorien, in die auch die CIA verwickelt zu sein scheint, halten Markus Westermann auf Trab. Nach einem schweren Autounfall und späterer Flucht aus dem Krankenhaus lebt er schließlich in einer amerikanischen Hippie-Kommune, die ein wenig an eine etwas aktuellere Amish-Siedlung erinnert.
Sprunghaftes Hin-und Her
Seine an aktuellen Themen angelehnten Bücher ("Der Nobelpreis" und der Ratgeber "Das Buch von der Zukunft") zeigen einen Blick in die Zukunft, die manches Mal nicht so weit entfernt zu sein scheint. Das Fesseln des Lesers gelingt Eschbach bei "Ausgebrannt" im ersten Drittel des Thrillers sehr gut. Doch nach und nach geht die Spannung ebenso zur Neige wie die Ölreserven der Erde. Dies liegt auch an den teils abstrusen Ereignissen, mit denen Eschbach gegen Ende des Buches den Leser nicht nur überrascht, sondern geradezu überrumpelt. Das ist doch jetzt nicht sein Ernst, möchte man an manchen Stellen kopfschüttelnd schreien. Hätte Eschbach sich hier ein wenig mehr Glaubwürdigkeit bewahrt, hätte er auch die Spannung bis zum Schluss durchhalten können.
Niemand mag sich vorstellen, wie eine Welt ohne Erdöl aussieht. Die Beklommenheit, die einen beim Klappentext und dem Titel befällt, wird leider nicht konsequent im Buch transportiert. Trotzdem ist für Unterhaltung zwischen Crichton und Schätzing gesorgt, der abschließende Zündfunke fehlt jedoch.
Andreas Eschbach
Ausgebrannt
Luebbe, Februar 2007
gebunden, 752 Seiten, EUR 19,95
ISBN 3785722745


