Alle Jahre wieder, so scheint es, wird die Urlaubszeit mit einem animalischen Highlight versüßt. Vor zwei Jahren begann die tierische Reihe medialer Aufmerksamkeit. Damals verirrte sich der Braunbär JJ1, oder besser bekannt unter seinem Psydonym „Bruno“ in die bayerisch-österreichischen Alpen. Nach 135 Jahren ließ sich erstmals wieder ein Braunbär auf deutschem Gebiet blicken, doch die natürliche Rückkehr der Gattung wurde keinesfalls mit Freuden gefeiert.
Sein als „problematisch erachtetes Verhalten“ wurde Bruno zum Verhängnis. Nach wenigen Wochen wurde er zum Abschuss freigegeben und kurz darauf erlegt. Unter Protesten der Bevölkerung, die in Bruno den auf dramatische Weise verfolgten Einzelgänger sah, wurde weltweit über sein Schicksal berichtet. Seit März 2007 steht JJ1 nun als touristische Attraktion ausgestopft in einem Münchner Naturmuseum.
Eisbär verdrängt Braunbär
Die Erinnerung an Bruno, der unbestrittenen als Sympathieträger einsamer Waldromantiker und Naturliebhaber galt, wurde seit letztem Jahr durch Knut verdrängt. Das Schicksal des Eisbärenbabys, der im Berliner Zoo unter der weltweiten Beobachtung aufwuchs, brachte nicht nur Tragik und Kindchenschema, sondern auch noch den Klimawandel mit ins Spiel. Klein, allein und unschuldig – Knut wurde zum Vorzeigeeisbär, deren Gattung die Galionsfigur des Klimawandels darstellt und ihr Lebensraum hinweg zu schmelzen droht. Im Sommer 2007, gerade im spiel- und vorzeigefähigen Alter, konnte Knut die Sommerlangeweile mit nachhaltiger Unterhaltung füllen.
Und dieses Jahr? Nun, nach über dreißig Jahren hat sich ein Buckelwahl in die Ostsee verirrt. Radiohörer des Norddeutschen Rundfunks einigten sich darauf, den 12-15 Meter großen Säuger passender Weise „Bucki“ zu taufen. Im Gegensatz zu Knut und Bruno dürfte Bucki allerdings weniger Liebhaber auf sich ziehen als seine beiden Vorgänger auf vier Pfoten. Bilder gibt es nur von seinen Flossen, und flauschig ist er auch nicht. Das Kindchenschema eng aneinander liegender, großer Augen und einer kleinen Nase kann Bucki auf Grund seiner Anatomie auch nicht erfüllen. Trotzdem sind seine Qualitäten als Meeresmaskottchen angesichts steigender Meerestemperaturen und bedrohtem Artensterben nicht zu verachten.
Bucki droht der Hungertod
Doch Bucki droht ein schweres Schicksal, denn Mitarbeitern des Stralsunder Meeresmuseums zufolge hat der Buckelwal anscheinend die Orientierung verloren. Eigentlich sollte er sich wie die restlichen 35-40.000 noch weltweit lebenden Buckelwale derzeit in den Polregionen aufhalten, so ein Sprecher von Greenpeace. Aber Bucki hält sich bereits seit über einer Woche in der Ostsee auf. Wenn er nicht bald wieder auf rechten Kurs gebracht wird, droht ihm auf Grund von zu wenig Nahrung der Hungertod.
Selbst zwei Jahre nach dem Abschuss von Bruno stürmen noch Touristenscharen ins Münchner Museum Mensch und Natur und hartnäckige Knutfans befüllen weiterhin diverse Blogs mit Geschichten ihres mittlerweile nicht mehr ganz so handlichen Lieblingseisbären. Und Bucki? Nicht süß, nicht zum Anschauen und geschweige denn zu Besuchen ist er trotzdem wenigsten für diesen Sommer der tragische Held.


