Die Verwaltung vernachlässigt diese Stadtteile, und dadurch hat der Verfall häufig die Infrastruktur, die Wirtschaft und die sozialen Verhältnisse erfasst, so dass die Gemeinden anfällig werden für Krankheit, unangemessene Schulsysteme und höhere Kriminalitätsraten. Umwelt-, politische, ökonomische und soziale Themen sind hier eng miteinander verwoben und tragen allesamt zur Ungerechtigkeit der Lebensumstände bei. Nach Lösungen suchen heißt, alle diese Faktoren gleichzeitig im Blick zu behalten. In vielen Städten sind eine Reihe von Einzelpersonen und Organisationen mit visionären Ideen aufgetaucht, die sich dieser Herausforderung stellen. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, Gemeinden, die von städtischen Systemen ignoriert werden, neu aufzubauen und zu stärken. Der Kampf gegen Umweltverschmutzung, die Schaffung neuer Erholungsräume, verbesserter Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln und die Etablierung von konstruktiver Mitarbeit in der Gemeinde sind nur einige der Ziele, die diese Gruppen erreicht haben. Die Ergebnisse sind durchweg positiv gewesen, was man schon an der Aufmerksamkeit ablesen kann, die diesen innerstädtischen Initiativen am Ende von Regierungen und den Medien zuteil wurde.
Nachhaltigkeit in der South Bronx
Seit Jahrzehnten betrachten die Stadtoberen von New York den Stadtteil South Bronx als Müllhalde. Die South Bronx beherbergt nicht nur die größten Müllkippen und Abfallverarbeitungsanlagen der Stadt, sondern auch die ärmsten Menschen.
Majora Carter, in der South Bronx geboren und aufgewachsen, will beide Probleme in einem Aufwasch lösen. Ihre Organisation »Nachhaltige South Bronx« (Sustainable South Bronx, kurz SSB) beschäftigt sich gleichzeitig mit ökologischen, sozialen und stadtplanerischen Themen und hat es geschafft, dass die South Bronx nicht nur gesünder und grüner wird, sondern auch ein wirtschaftlicher Aufschwung erkennbar ist. Sie nennt es »das Ghetto begrünen«.
Bis heute bietet die SSB (www.ssbx.org) für die Jugend Workshops für eine Wiederbegrünung an, hat einen Bauernmarkt initiiert, sich erfolgreich gegen eine Erweiterung der Müllhalde und Verbrennungsanlage gewehrt und vor allem ein Bewusstsein für Grünanlagengestaltung im Stadtviertel geschaffen.
SSB ist aber noch ehrgeiziger und arbeitet daran, einen Recyclingbetrieb in der South Bronx aufzubauen, einen Öko-Industriepark, der 300 bis 500 neue Arbeitsplätze schafft und als Vorzeigemodell für eine andere Art der Industrialisierung gelten soll. Carter nutzt die wegbereitenden Erkenntnisse darüber, wie viel es kostet, wenn ein ganzer Stadtteil »auf den Hund kommt«, um Politiker und Manager von ihrer Idee zu überzeugen.
Die Organisation SBB beweist, dass hohe Gesundheitskosten, verringerte Produktivität und Umweltschäden durch die bisherigen Müllentsorgungspraktiken den Staat mehr kosten als der Betrieb einer Müllaufbereitungsanlage. Diese Ergebnisse hatten wenige erwartet, doch immer mehr sind bereit zuzuhören und zu akzeptieren, dass solche Wege Stadtentwicklungspotenzial besitzen. Wie Carter betont: »Die Menschen verstehen, dass es so etwas wie einen städtischen Lebensraum gibt. Wir sollten den Menschen helfen, das größere Gesamtbild zu sehen. Die Urbanisierung kann soziale und ökologische Probleme nach sich ziehen, aber was in den Stadtvierteln an Gemeinschaft entsteht, hat einen riesigen Einfluss auf das unmittelbare Lebensumfeld der Bewohner. Wir müssen anfangen, Regionen ganzheitlich zu betrachten.«
Grüne Jobs statt Gefängnisse
Es gibt eine Verbindung zwischen sozialer Ungleichheit und Zerstörung der Umwelt, aber das zu erkennen, ist für viele Umweltaktivisten noch schwer. Klar sehen sie einen Zusammenhang zwischen einem offensichtlich unterentwickelten Verantwortungsbewusstsein bei Politikern und Unternehmen für die Menschen und den Planeten Erde. Leider wird dieser Umstand manchmal fatalistisch hingenommen.
Für Van Jones sind soziale und ökologische Probleme untrennbar miteinander verbunden. Deshalb müssen auch die Lösungen und Strategien dagegen aus einem Guss sein. Das Ella-Baker-Zentrum (http://ellabakercenter.org) in Oakland, Kalifornien, eine gemeinnützige Organisation, deren Vorstand Jones ist, packt die Botschaft in vier Wörter: »Green Jobs, not Jails« (Grüne Jobs statt Gefängnisse). Mit diesem Slogan werden die Bereiche Umwelt, Wirtschaft und Justiz angesprochen. Laut Jones sind das genau die drei Ursachen für die Probleme der farbigen Bevölkerung.
Im Ella-Baker-Zentrum ist man der Überzeugung, dass der Umweltsektor mit dem ökologischen Bauen, den erneuerbaren Energien und den vielfältigen nachhaltigen Technologien für die Wirtschaftsentwicklung eine Chance für Milliardenumsätze bedeutet. Im Zentrum wird darauf hingearbeitet, dass dies auch eine Möglichkeit für benachteiligte Menschen wird, der Armut zu entkommen.
Martin Luther King ist berühmt geworden, weil er seine Rede unter das Motto »I have a Dream«, nicht unter die Anklage »I have a Complaint «, gestellt hat. Und so will auch Jones, dass »du sagst, für was du stehst, und nicht nur, gegen was du schimpfst«. Das ist seiner Meinung nach ein wirklicher Durchbruch. »Wir müssen deutlich äußern, was wir wollen!«


