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Montag, 19. Juli 2010 09:48 Uhr
Kategorie: Klima Leben, WorldChanging

Von: AL, AS, BA, CO, SR/© KNESEBECK VERLAG

Bessere Lebensmittel kaufen

Die Kuh ist lila, und Milch kommt aus dem Tetrapack! Zugegeben, das klingt etwas überzogen, aber wer weiß denn wirklich noch, woher das fertig panierte Schnitzel aus der Tiefkühltruhe des Lebensmitteldiscounters kommt, das im Backofen warm gemacht wird.

WorldChanging

Wer denkt darüber nach, welche Zutaten, Aromastoffe und Geschmacksverstärker in der Lasagne stecken, die für die Mikrowelle fertig verpackt wurde, von welchem Tier das Fleisch stammt und wie das Tier gehalten wurde?

Uns interessiert manchmal nur noch die schnelle und bequeme Zubereitung. Wir sollten uns aber einige grundlegende Tatsachen über den Anbau und die Verarbeitung von Nahrung bewusst machen. Wenn wir zum Beispiel wissen, wie weit einige Produkte reisen, bis sie bei uns ankommen, was unterwegs mit ihnen geschieht, wie und mit welchen Zutaten sie verarbeitet werden, können wir auf jeden Fall eine bessere Wahl treffen. Wenn wir wollen, können wir frischere, schmackhafte Lebensmittel bekommen und dabei auch noch die Umwelt schonen und die Bauern unterstützen, die jeden Tag hart arbeiten, damit wir unser Essen bekommen.

 

Für Lebens-Mittel im ökologischen Gleichgewicht

 

Karl Ludwig Schweisfurth zählt zu den deutschen Unternehmern, die bereits in den 1980er Jahren die ökologische und soziale Notwendigkeit für eine Veränderung in der Nahrungsmittelherstellung erkannten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er den Familienbetrieb Herta zu dem größten fleischverarbeitenden Konzern Europas aufgebaut, der bis zu 25 000 Schweine und 5000 Rinder pro Woche verarbeitete. Nach jahrzehntelanger Optimierung und Technisierung wandte sich Schweisfurth 1984 von der Industrialisierung der Fleischherstellung ab, weil seiner Meinung nach die Grenzen des ökonomisch sinnvollen und ethischen Handelns überschritten worden waren. Die erlittene Qual der Tiere, so seine Erkenntnis, könne nicht zu einer gesunden Ernährung beitragen. Mit dem Gut Herrmannsdorf in der Nähe von Münhen entstand eine Schweinezucht mit eigenen Stallungen, Schlachtung und Fleischerei nach den Grundsätzen der Ökologischen Landwirtschaft. Es folgten eine Bäckerei, Molkerei und Brauerei, deren Produkte über einen Hofladen, Biergarten und Gasthof direkt vermarktet werden. Die »Herrmannsdorfer Landwerkstätten« gelten heute als Pionierbetrieb der artgerechten und nachhaltigen Lebensmittelherstellung. Die eigene Biogas- und Kläranlage trägt zu dem ökologischen Gesamtkonzept bei.

 

Ein Jahr später, 1985, gründete Karl Ludwig Schweisfurth die gleichnamige Stiftung, die sich für eine lebenswerte Zukunft, die Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur und eine kreative Gestaltung kultureller Zusammenhänge einsetzt. Das Leitmotiv der Stiftung ist laut Stiftungsvorstand Professor Franz-Theo Gottwald das »Gute Wirtschaften im Ernährungssektor«. Die Lebensbedingungen der Nutztiere sollen verbessert werden, das Lebensmittelhandwerk soll erhalten und zur Steigerung der Qualität von Lebensmitteln genauso wie der nachhaltigen Zukunft der Agrarräume ausgebaut werden.

 

Die Schweisfurth-Stiftung fördert erprobte bäuerliche und handwerkliche Wirtschaftsweisen mit lokaler Anbindung, in denen soziale und ethische Grundwerte verwirklicht werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Boden, Wasser und Luft setzt dem »agroindustriellen System«, das mit hoher Automation in immer größeren Einheiten und mit immer weniger Menschen Nahrungs-Mittel in immer größeren Mengen produziert, ein grundsätzlich anderes Konzept entgegen. Danach wird die Qualität von LebensMitteln ganz wesentlich von ökologischen, sozialen und kulturellen Werten geprägt. Besonders wichtig ist der Stiftung innovatives Engagement für die Schaffung echter Lebensqualität. Corporate Citizenship, Corporate Government und Corporate Social Responsibility sind Gesichtspunkte, die bei der Gestaltung von Projekten eine entscheidende Rolle spielen.

 

Einkauf vor Ort: aus der Region – für die Region!

 

Sie können mitten im Dezember in fast jedem Supermarkt eine reife Mango kaufen. Das ist schon so lange so, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt, welch erhebliche Entfernung diese Mango zurücklegen musste, nachdem sie unreif von einem Baum gepflückt wurde, der wahrscheinlich irgendwo auf der anderen Seite der Erde in der tropischen Sonne steht. Manche Menschen schrecken davor zurück, diese allgegenwärtige Wintermango zu kaufen. Warum? Weil ihnen bewusst ist, mit welch schwerer Last diese Mango eingeflogen wurde.

 

Diese Mango trägt in ihrem Gepäck die Unmengen fossiler Brennstoffe, die für den Transport zu uns mit Flugzeugen und Lkws verbraucht wurden. Sie bringt die harte Arbeit der Menschen mit, die sie gepflückt und verpackt haben, und dazu wahrscheinlich noch reichlich Pestizide aus dem Anbau und zusätzlich fungizide Konservierungs Promittel, damit sie auf dem Weg vom Baum bis auf unseren Tisch nicht vergammelt. Ein ziemlich schweres Ding, so eine Mango.

 

Keiner muss sich schuldig fühlen, wenn er eine Mango isst, aber es gibt viele Gründe, lieber frisches Obst und Gemüse aus der Gegend zu kaufen. Produkte aus lokalem Anbau sind frischer und gehaltvoller als unreif geerntete Tropenfrüchte. Außerdem spart man sich die Verpackung und den Transport, wodurch die Umwelt geschont und die Abhängigkeit von weit entfernten Zulieferern durchbrochen wird. Es lohnt sich, lokale Erzeuger ausfindig zu machen. Entscheiden Sie selbst, woher Ihre Nahrungsmittel kommen dürfen. Zum Beispiel können Sie sich vornehmen, dass sie aus einem Umkreis von 150 Kilometern um Ihr Zuhause kommen sollen. Wenn Sie sich doch einmal anders entscheiden müssen, ist zumindest das Bewusstsein dafür da, welchen Weg das Produkt zurückgelegt hat.

 

Bauernmarkt und Regionalmarken

 

Wo sind nun die regionalen Einkaufsmöglichkeiten? Da wären einmal die Wochen- oder Bauernmärkte, die es in fast jeder Gemeinde gibt und auf denen die Bauern ihre Produkte direkt verkaufen. Viele Landwirte haben aber auch einen eigenen Hofladen eingerichtet, in dem sie neben den eigenen Produkten eine kleine Auswahl Biolebensmittel verkaufen. Die Öko-Anbauverbände bieten Listen der Hofläden auf ihren Internetseiten an. Darüber hinaus verteilen die Regionalmarken ganz bewusst die regionalen Produkte in die Lebensmittelmärkte.

 

Die Regionalvermarktungsinitiative »UNSER LAND« (www.unserland.info) will die Stadt München mit Produkten aus den umliegenden ländlichen Regionen versorgen. Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (www.schorfheidechorin. de), rund 100 Kilometer nördlich von Berlin, wird neben landwirtschaftlichen Produkten auch der sanfte Tourismus gefördert. Die Ziele der Regionalvermarktung sind ganz ähnlich denen des Ökolandbaus: Sie wollen regionale Stoffkreisläufe schließen, Verkehrsbelastungen verringern und in der Region landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeitsplätze erhalten und schaffen, damit die regionale Wertschöpfung erhöht wird.

 

Direkt kaufen oder Lieferservice nutzen

 

Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten wäre natürlich ein Idealfall. Aber nicht jeder hat einen grünen Daumen und zudem noch die Muße und Zeit, Tomaten und Gurken anzubauen. Sich mit Produkten aus der Region zu versorgen oder sich einem regionalen Lieferservice anzuschließen, ist eine gute Alternative. Damit werden Landwirte und Gärtner aus der Umgebung unterstützt. Viele Landwirte oder Gartenbaubetriebe verkaufen ihre Produkte direkt ab Hof an die Kunden, und einige bieten sogar einen regelmäßigen Lieferservice, »Ökokiste« genannt. Wer sich beliefern lässt, kann beispielsweise auswählen, welche Mengen er beziehen will und wie oft er beliefert wird. Ob er ausschließlich Obst und Gemüse der Saison und aus der Region erhalten möchte, oder ob auch mal Ökoprodukte aus Italien oder Spanien in die Kiste kommen. Meist kann er auch noch Grundnahrungsmittel mitbestellen: Eier, Brot, Milch.

 

Vom Direktverkauf profitieren alle: Der Bauer bekommt bessere Preise für seine Ware, weil der Weg über den Zwischenhändler entfällt. Die Kunden bekommen frisches, gehaltvolles und meist auch ökologisch angebautes Obst und Gemüse, das man mit dem guten Gefühl genießen kann, das Richtige getan zu haben. Regionaler Einkauf bedeutet Unterstützung der Bauern und Gärtner und damit den Erhalt und die Pflege unserer Kulturlandschaft. Wir Verbraucher bleiben in Kontakt mit denen, die unsere Lebensmittel erzeugen. So verstehen wir wieder, woher unsere Nahrung eigentlich kommt.

 

Fair einkaufen

 

Leider wächst nicht alles, was wir benötigen, auf dem Bauernhof in der Umgebung oder im eigenen Land. Sie müssen nicht sämtliche importierten Waren meiden, wenn Sie ein verantwortlicher Konsument sein möchten. Aber achten Sie beim Kauf ausländischer Waren darauf, dass Sie Produkte aus fairem Handel kaufen.

 

Die Fair-Trade-Bewegung kam während der 1980er Jahre auf, als Erzeuger aus Entwicklungsländern und Menschenrechtsaktivisten in Europa eine Initiative zum fairen Handel starteten, die in 20 Ländern Fuß fasste. Der Anbau von Pro dukten wie Kaffee, Schokolade und Bananen geht oft mit ungerechter Behandlung von Arbeitern einher. Beim Kauf tragen wir, ohne es zu wissen, zur Unterdrückung und Armut von Menschen in Entwicklungsländern bei.

 

Erzeugern in Entwicklungsländern wird durch den fairen Handel ein besseres Leben ermöglicht: Die unvorhersehbaren Launen des Weltmarkts, die Spekulationsgeschäfte und die daraus resultierenden Preisschwankungen bedrohen die gesicherte Existenz der Bauern. Manchmal bekommen diese Menschen nur wenig für ihre Ware bezahlt, obwohl sie viel Geld für teures Saatgut, Dünge- und Spritzmittel ausgeben mussten. Es kann passieren, dass sie am Ende des Jahres mit leeren Händen dastehen oder sogar Schulden haben, obwohl sie unendlich hart gearbeitet haben. Die Fair-Trade-Bewegung dagegen garantiert den Landwirten faire Preise für ihre Erzeugnisse.

 

Die vier internationalen Fair-Trade- Dach- organisationen FLO, IFAT, NEWS! und EFTA arbeiten unter dem Namen FINE zusammen. Sie wollen vor allem die politischen Rahmenbedingungen für einen gerechten Handel verbessern und unterhalten ein gemeinsames Fair Trade Advocacy Office in Brüssel (www.fairtrade-advocacy. org).   


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