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Montag, 04. Juli 2011 09:48 Uhr
Kategorie: Klima Leben, WorldChanging

Von: BA/© KNESEBECK VERLAG

Autos und Treibstoff

Nie zuvor kamen wir schneller von einem Ort zum anderen als heute. Warentransporte werden »just in time« abgewickelt, die Lagerhaltung ist aufgehoben. Unsere Güter sind stattdessen ständig auf unseren Straßen unterwegs – rollende Lagerhäuser. Eine Vorab-Leseprobe aus dem WorldChanging Buch.

WorldChanging

Für die meisten von uns sind Autos und Flugzeuge eine unverzichtbare Notwendigkeit zur individuellen Mobilität geworden. Aber unsere ungebremste Mobilität hat schwerwiegende Folgen, und die Frage kommt auf, wie lange wir so weitermachen können: Für den Straßenbau werden Flächen versiegelt, Lärm und Schadstoffe aus den Motoren belasten unsere Umwelt. Die Welt-Ölreserven gehen zur Neige, gleichzeitig wachsen die Schwellenländer in Asien und damit auch deren Energiebedarf. Das treibt den Weltmarktpreis für Erdöl höher und höher und damit auch die Treibstoffkosten. Können wir uns Autofahren in Zukunft wirtschaftlich noch leisten?

 

Ganz abgesehen vom Klimawandel: die Nutzung der fossilen Kraftstoffe im Auto und Flugzeug beschleunigt die Klimaveränderung und bedroht damit unser aller Lebensgrundlagen. Fahren wir unsere Erde buchstäblich an die Wand?

 

Betrachten wir das Ganze einmal realistisch. Der Wunsch nach individueller Mobilität wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Unsere Autos sind dabei nur die Fortbewegungs»werkzeuge« – aber wir brauchen bessere Werkzeuge für die Zukunft. Wo bleiben die Ideen in der Autoindustrie? Wo sind die neuen Fahrzeuge, die wenig Energie verbrauchen und das Klima schonen? Verschläft einer der wichtigsten Wirtschaftszweige die Entwicklung? Es ist an der Zeit, über neue Fortbewegungstechniken und einen grundlegenden Umbau der Energieversorgung nachzudenken. Was wäre, wenn wir damit anfangen würden, die fossile Mobilität durch eine solare Mobilität zu ersetzen? Unsere Fortbewegung könnte nachhaltiger sein.

 

Peak Oil – das Ende des billigen Erdöls

 

Unser Wohlstand in den entwickelten Ländern ist auf der billigen Energie des letzten Jahrhunderts gegründet. Aber das Ende dieser billigen Energie ist in Sicht! Immer mehr Experten (www.energywatchgroup.org), auch aus der Ölindustrie, sind der Meinung, dass »Peak Oil« bereits überschritten ist. Peak Oil ist der englische Fachbegriff für den Punkt, an dem die höchste Ölfördermenge erreicht wird und nach dem die Produktion jedes Jahr drei bis sechs Prozent abnimmt.

 

Das heißt nun nicht, dass uns das Öl so schnell ausgehen wird – erst einmal werden sich die Energiepreise dramatisch verteuern, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Und während die Erdölproduktion abnimmt, wächst der Bedarf stetig. Wir hängen nach wie vor am Öltropf. Finden wir keine europäischen Lösungen für eine zukünftige Energieversorgung, wird als Erstes die Wirtschaft darunter leiden. Wir geraten in Krisensituationen, die durch die Verteilungskämpfe um die verbleibenden Energiereserven drohen. Deshalb ist es an der Zeit, dass wir das Ende des Erdölzeitalters als Chance für die Menschheit begreifen und sie verantwortungsvoll nutzen.

 

Biotreibstoffe – die Zukunft?

 

Sind Biotreibstoffe die Lösung für mögliche Treibstoffengpässe? Können wir einfach den »Acker in den Tank« packen? In Europa sollen zukünftig zehn Prozent des Treibstoffbedarfs aus Biomasse gedeckt werden. Das bedeutet natürlich entweder eine Ausweitung der Anbauflächen in Deutschland oder den Import von Pflanzenölen als Grundlage für die neuen Kraftstoffe. Wie aber sieht es mit den weltweit verfügbaren Flächen für den Anbau aus? Leider schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Erde täglich: für den Bau neuer Siedlungen und Straßen, für Müllablagerung und Industrie, durch Bodenabtrag und Wüstenbildung. Anbaufläche wird in Zukunft wieder ein knappes Gut, und die Konkurrenz um die vorhandenen Flächen hat schon begonnen.

 

Wir brauchen grundsätzlich zuerst Anbaufläche für Nahrungsmittel. Schon jetzt ist in vielen Ländern eine Kostenexplosion im Nahrungsmittelsektor zu beobachten. Wie viel Fläche bleibt demnach für die »Bio«treibstoffherstellung? Und wie sieht deren Ökobilanz unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit aus? Es bleiben kritische Fragen beispielsweise zum Düngemittel- und Spritzmitteleinsatz beim Ölpflanzenanbau, zu den Fruchtfolgen und einer möglichen Beeinflussung der Trinkwasserqualität. Die Rufe nach einem internationalen Qualitätszeichen für Biokraftstoffe aus einer ökologisch und sozial verträglichen Produktion werden lauter.

 

Reines Pflanzenöl:

Als Dieselersatz ist reines Pflanzenöl für die Landwirtschaft ein wichtiger und sinnvoller Treibstoff. Die Ölpflanzen werden ökologisch als Mischfrucht mit Futterpflanzen oder Nahrungspflanzen angebaut. So wächst der Treibstoff für die Bearbeitung gleich auf dem Feld und kann in umgerüsteten Motoren eingesetzt werden. Beim Pressen von Ölpflanzen fällt etwa ein Drittel Öl an, die restlichen zwei Drittel der Pflanze gehen als Futtermittel in die Tierhaltung.

 

Biodiesel:

Im Gegensatz zum konventionellen Diesel wird Biodiesel nicht aus Rohöl, sondern durch eine chemische Reaktion, die Umesterung, aus Pflanzenölen oder tierischen Fetten gewonnen. Nicht alle Dieselmotoren sind automatisch für Biodiesel geeignet.

 

Bioethanol:

Aus zucker- oder stärkehaltigen Feldfrüchten, beispielsweise aus der Zuckerrübe, aus Getreide oder Zuckerrohr wird durch eine alkoholische Gärung Bioethanol erzeugt, das als Kraftstoff für Ottomotoren eingesetzt wird.

 

Biomasseverflüssigung (BtL):

In der Entwicklungsphase befindet sich noch die BtL-Kraftstoffherstellung. »Biomass to Liquid« (BtL) heißt Biomasseverflüssigung. Im Gegensatz zu Pflanzenöl wird BtL-Kraftstoff in einem aufwändigen, großtechnischen Verfahren aus fester Biomasse wie Holzschnitt oder Schilf hergestellt. Ökobilanzen liegen noch nicht vor, und Kritiker bemängeln, dass der Energieeinsatz für die Treibstoffherstellung hoch sei.   

 

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus dem WorldChanging Buch. Lesen Sie mehr


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