Bereits seit den 60er Jahren hat sich die Zahl der Großkatastrophen, die naturbedingt entstehen, verdoppelt. Schuld sind der Klimawandel und die damit einhergehende globale Erwärmung. Das Thema Klima hat in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer mehr Gewicht bekommen und spielt auch in Politik und Gesellschaft eine immer größere Rolle. Doch auch die Wirtschaft ist immer mehr beeinträchtigt; die Rückversicherungsgesellschaften reagierten am sensibelsten auf die klimatischen Veränderungen.
Gerhard Berz, am 12.Oktober 1941 in Kassel geboren, hatte lange Jahre die Leitung der GeoRisikoForschung, eine Unterabteilung der Münchener Rück, der größte Rückversicherer weltweit, inne. Dort bewertete er Naturkatastrophen aus aller Welt direkt vor Ort.
Nach seiner Promotion in Meteorologie und Geophysik arbeitete er beim deutschen Wetterdienst, lehrte an der Universität München und wurde 2006 von selbiger zum Honorarporfessor ernannt. Seine Erfolge für die GeoRisikoForschung brachten ihm 2001 den Titel „Master of Disaster“, durch das Magazin Focus, ein. Auf diesem Selbstverständnis basiert auch der Titel „Wie aus heiterem Himmel?“ Dort sammelt Berz alle Naturkatastrophen von Erdbeben über Tsunami, Vulkanausbrüche und Sturm bis hin zu Hitze- und Kältekatastrophen, mit dem Ziel zu zeigen wodurch diese ausgelöst werden und wie jeder Einzelne sich darauf vorbereiten kann.
„Wie aus heiterem Himmel“
In dem Buch werden einzelne Naturkatastrophen explizit vorgestellt und porträtiert. So werden beispielsweise Erbebenkatastrophen, Tsunami-Katastrophen, Vulkankatastrophen, Sturmkatastrophen, Unwetterkatastrophen – Wolken, Blitz und Hagelschlag, Wasserkatastrophen – Land unter, und Hitze- und Kältekatastrophen – Dürre, Waldbrände und Lawinen genauer unter die Lupe genommen. Jede Katastrophe wird ausführlich vorgestellt, mit Erklärungen zur Entstehung und zum Verlauf, mit Opferzahlen und einem Fallbeispiel: dem Katastrophenportrait. So handelt es sich dabei im Kapitel Tsunami-Katastrophen natürlich um den großen Tsunami im indischen Ozean an Weihnachten 2004.
Alle Naturkatastrophen sind mit „Tipps vom Master of Disaster“ versehen, in denen Berz stichwortartig die wichtigsten Verhaltensweisen bei akuter Gefahr zusammenfasst.
Im weiteren Verlauf setzt sich der Autor mit den klimatischen Veränderungen weltweit auseinander. Wie sind beispielsweise die Entwicklungen der letzten Jahre zu bewerten und was kann man konkret dagegen tun? Gegen Ende des Buches widmet Berz ein Kapitel einzig und allein der Katastrophenvorsorge und dem düsteren Blick in die Zukunft.
So führt der Autor im letzten Kapitel dem Leser drastisch vor Augen, wie sich die Welt im Frühjahr 2050 verändert haben wird: Die Erde wird beben, Dürreperioden werden sich immer länger ausdehnen, die Gletscher werden komplett wegschmelzen und auf diese Weise einen Großteil des Baumbestandes verfaulen lassen.
Alle Kapitel sind mit Bildern und Tabellen illustiert, die zum einen die Ausmaße der Katastrophen verdeutlichen, zum anderen Fakten zu finanziellen wie humanen Folgen der Naturkatastrophen liefern.
Breites Hintergrundwissen ohne moralische Keule
Der Leser profitiert sowohl von Berz theoretischem Wissen aus seiner Zeit beim Wetterdienst und seinem Studium der Meteorologie, als auch von seinen praktischen Erfahrungen in der Wirtschaft bei der Münchener Rück und in Katastrophenkrisengebieten weltweit. Dabei vermittelt Berz klar und strukturiert alle Informationen über die einzelnen Katastrophen, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben. Er macht deutlich, dass wir den Naturgewalten nicht zwangsweise hilflos ausgeliefert sind, sondern dass jeder Einzelne die Möglichkeit hat prophylaktische Maßnahmen für sich aber auch global zu ergreifen. Die Katastrophen müssen uns nicht aus heiterem Himmel erwischen, wenn wir uns vorher informieren und auf den Ernstfall vorbereiten. Und dass dieser Ernstfall eintreten kann und wird, wenn wir nicht schleunigst etwas für unsere Umwelt tun, macht Berz mit dem letzten Kapitel deutlich: Die kommentarlos vorgeführten Szenarios vom indischen Subkontinent über Kalifornien, das Mittelmeer bis hin zur Alpenregion verdeutlichen die drastischen Folgen, wenn es keine Einsicht gibt und keine neue Vorsorgekultur entsteht. Trotz deutlicher Worte ist von Moralismus oder Anklage in diesem Buch keine Spur, weil Autor Berz mit Fakten und breitem Hintergrundwissen zu überzeugen weiß.
„Wie aus heiterem Himmel“
DTV
231 Seiten
18,90€


