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Freitag, 30. Mai 2008 13:06 Uhr
Kategorie: Klima Leben

Von: SB

Artenverlust kann teuer werden

Wenn heute die 9. UN-Naturschutzkonferenz in Bonn zu Ende geht, kehren die Vertreter der 120 teilnehmenden Staaten mit vielen guten Vorsätzen ihre Heimreise an. Einige Fragen sind allerdings offen geblieben und Entscheidungen auf 2010 vertagt worden.

Bild:pixelio.de

Sigmar Gabriel, als Umweltminister des Gastgeberlandes auch Konferenzpräsident, fand für den bisherigen Verlauf der Konferenz ausschließlich positive Worte. So sei es bei den Verhandlungen um einen fairen Ausgleich zwischen armen und reichen Staaten in puncto Bio-Piraterie zu einem Durchbruch gekommen. Es zeichne sich eine Möglichkeit ab, wie Industrie- und Entwicklungsländer bei der Nutzung der biologischen Ressourcen aus den Regenwäldern kooperieren könnten, so der Minister. "Es wäre unfair, wenn Entwicklungsländer die Biodiversität schützen und Industrieländer daraus Medikamente machen, ohne dass es eine Teilhabe an den Profiten gibt." Noch konnte man sich auf keine verbindlichen Regeln einigen. Diese sollen 2010 bei der nächsten Konferenz in Japan festgelegt werden.

 

Bis zum Abend wollen die 120 Minister ein Abschlussdokument erarbeiten. Allerdings könnte weiterhin unklar bleiben, ob es Auflagen für die Gewinnung von Agrarkraftstoffen geben soll. Bisher hatte sich der größte Produzent Brasilien dagegen gewehrt. Auch bei der Finanzierung neuer Schutzregionen ist noch nicht festgelegt, ob sich nur die Industrienationen, oder auch die Entwicklungsländer selbst an der Finanzierung beteiligen sollen.

 

Finanzen und die Artenvielfalt

 

Das Geld für den Schutz der Artenvielfalt eine bedeutende Rolle spielt, machte auch die Rede von Bundeskanzlerin Merkel, die der Konferenz am Mittwoch einen Besuch abstattete, deutlich. In ihrer mit Spannung erwarteten Rede mahnte sie die teilnehmenden Staaten davor, die Biodiversität aufs Spiel zu setzen. Die Natur speichere „das Erfahrungswissen von Millionen Jahren“, so die Kanzlerin, und dies müsse geschützt werden.

 

Nach Absprache mit Finanzminister Per Steinbrück hatte sie daher angekündigt, die Finanzierung für den Schutz der Artenvielfalt weiter aufzustocken: bis Ende 2011 werden insgesamt 500 Millionen zusätzlich in den Naturschutz investiert werden. Ab 2012 will die Kanzlerin die gleiche Summe jährlich für den Schutz der Biodiversität aufbringen. Das Geld soll zum Großteil aus den Erlösen der Versteigerung von  Emissionszertifikaten kommen.

 

Damit hat Merkel nicht nur den Bundesumweltminister erfreut, sondern auch die Vorreiterrolle Deutschlands ausgebaut. Bisher hatte Norwegen mit 320 Millionen Euro jährlich das Feld der finanziellen Unterstützer der Artenvielfalt angeführt. Mit ihren Ankündigungen will die Kanzlerin die anderen Industrienationen symbolisch auffordern, ihre finanzielle Unterstützung für den Naturschutz weiter auszubauen. Auch Firmen und vermögende Privatpersonen rief sie auf, sich finanziell für den Naturschutz einzusetzen, und beispielsweise in Schutzregionen zu investieren. Ein Scheitern der internationalen Naturschutzanstrengungen, so Merkel, werde die Menschen teuer zu stehen kommen.

 

Kosten des Biodiversitätsverlustes

 

Dies ist nun auch in einer Studie belegt worden. Ähnlich dem Stern-Report, der 2006 die Kosten des Klimawandels berechnet hatte, wurden nun die Kosten des Artensterbens aufgelistet. Pavan Sukhdev, der Chef der Abteilung für globale Märkte der Deutschen Bank, war von den  G8-Staaten mit der Aufgabe betraut worden.

 

Sukhdev zufolge stünden momentan 16.306 Arten auf der so genannten „roten Liste“, d.h. sie sind akut vom Aussterben bedroht: Jedes vierte Säugetier und jede achte Vogelart stehen kurz vor dem Aus. Aber auch eine von drei Amphibienarten, sieben von zehn Pflanzenarten und eine von drei Fischarten könnten alsbald völlig ausgelöscht sein, so die Ergebnisse.

 

Wenn das Artensterben im bisherigen Maße weiter voranschreiten sollte, werde dies bis 2050 die Menschheit rund zwei Billionen Euro kosten. Es sei, so Sukhdev, „absolut notwendig, die wirtschaftliche Bedeutung der Biodiversität zu bewerten,“ denn mit diesem Wissen könne beispielsweise abgeschätzt werden, was es koste eine Straße durch ein Waldgebiet zu bauen, und ob dies wirklich sinnvoll sei.

 

Den wirtschaftlichen Wert des Ökosystems zeigen auch Schätzungen der Konferenz auf. Offiziellen Angaben zufolge werden alle Naturschutzgebiete weltweit mit einem Wert von drei Billionen Euro beziffert und laut einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF sind zudem die Weltmeere momentan 13 Billionen Euro wert.

 

Mahnungen und gute Vorsätze

 

Am Ende der Konferenz dürfte, auch dank der Veröffentlichung der Sukhdev-Studie, ein Anstoß für weitere Entwicklungen um den Schutz der Artenvielfalt erfolgt sein. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der persönlich nicht an der Konferenz teilnehmen konnte, ließ jedoch eine mahnende Grußbotschaft überbringen.

 

Darin warnte Ban Ki-moon vor weiterer Zerstörung der Natur. Die negativen Folgen seien bereits jetzt deutlich sichtbar. So wie nach der Flutkatastrophe in Mayanmar, die auf brutale Weise den notwendigen Schutz der Ökosysteme verdeutlicht hatte. Dort seien, so der Generalsekretär, in den vergangenen 30 Jahren die Hälfte der Mangrovenwälder an den Küstengebieten zerstört worden. Dadurch sei das Land gegenüber  Überflutungen äußerst verletzlich geworden.

 

 

 

 


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Kommentare

Simon666 schrieb am 03.06.2008 14:04

Immerhin ist das Problem jetzt erkannt und in Worte (bzw. Zahlen) gefasst worden. Jetzt müssen die Staaten nur noch reagieren. Toi toi toi




HerrLich schrieb am 03.06.2008 13:03

"sind zudem die Weltmeere momentan 13 Billionen Euro wert" - wow, das klingt sehr kaufmännisch! Ich finde allerdings, dass der gesunde Menschenverstand wissen sollte, das machen Dinge einfach unbezahlbar sind und bleiben.



 

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